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Begehrter Weltmeister - Keine Chance auf Kramer

Christoph Kramer erreichte mit dem Einsatz im WM-Finale seinen bisherigen Karriere-Höhepunkt und hat damit Begehrlichkeiten geweckt. Doch seine Zukunft heißt Gladbach – vorerst.

SPECIAL REPORT
Von Gregor Becker

Mönchengladbach. 2. Bundesliga, Bundesliga, Weltmeisterschaft - Serie A? Christoph Kramer ist mit 22 Jahren zu Borussia Mönchengladbach gekommen und damit ein Spätstarter in der höchsten deutschen Spielklasse. Nach seinem Wechsel vom VfL Bochum an den Niederrhein ging alles ganz schnell: Nach nur einem Jahr ist er gestandener Erstligaspieler, deutscher Nationalspieler und Weltmeister. Nun ruft vor allem der SSC Neapel, doch eine vertrackte Vertragssituation und Gladbachs Manager Max Eberl machen einen Transfer des Shootingstars nahezu unmöglich.

"Kramer hat das richtige Alter, der Preis passt auch", will Napolis Klub-Chef Aurelio De Laurentiis wissen und bestätigte am Dienstag sein Interesse an dem Weltmeister. Überdies würde der laufstärkste Kicker der abgelaufenen Bundesligasaison mit seiner aggressiven Spielweise sicher gut in die Serie A passen. Allerdings sprechen diverse Umstände gegen einen Wechsel nach Italien und so tendieren Napolis Chancen auf eine Verpflichtung Kramers gegen Null.

Verbleib in der Liga des Weltmeisters oder Champions League?

Immerhin belegte der SSC Neapel in der letzten Spielzeit Platz drei und erlangte damit die Chance sich für die Champions League zu qualifizieren. Ein ordentliches Gehalt wird der gebürtigen Solinger jenseits des Brenners sicher auch erwarten dürfen, doch damit sind die Argumente für einen Abgang aus der Bundesliga bereits erschöpft. Warum sollte Kramer nach dem triumphalen Empfang auf der Fan-Meile in Berlin das Land des Weltmeisters auch verlassen und in eine Liga wechseln, die durch Skandale gebeutelt, inzwischen meilenweit der Musik hinterher läuft?

Doch nicht nur dieser vermeintliche Abstieg verringert die Chancen auf einen Transfer. Nein, vor allem die Spürnase von Gladbachs Max Eberl und die Umsichtigkeit von Leverkusens Rudi Völler schmälern die Erfolgsaussichten der Neapolitaner.

Im Sommertransferfenster 2013 war eine Vielzahl ambitionierter Klubs an den Diensten Leon Goretzkas und eben auch Christoph Kramers interessiert, die beim Zweitligisten VfL Bochum in der Saison 2012/2013 für Furore sorgten. Borussia Mönchengladbach verlor das Rennen um Goretzka gegen Schalke, konnte dafür jedoch Benfica Lissabon in Sachen Kramer ausstechen und diesen in den BORUSSIA-PARK lotsen. Problem: Der Akteur gehörte Bayer Leverkusen und das trifft auch heute noch zu.

Rudi Völler, der Kramer zuvor zwei Jahre an Bochum ausgeliehen hatte, glaubte nach wie vor an dessen Entwicklung, wollte den bis 2017 bei Bayer unter Vertrag stehenden Mittelfeldspieler nicht endgültig ziehen lassen und stimmte einem weiteren Leihgeschäft über zwei Jahre zu. Kramer, den Trainer Lucien Favre sogleich unter seine Fittiche nahm, schaffte nicht nur den Sprung in die Beletage des deutschen Fußballs, sondern auch gleich in die Stammelf der Fohlen.

Kramers Vertragssituation ungünstig für Interessenten

Der inzwischen 23-Jährige absolvierte in der abgelaufenen Spielzeit 33 Spiele in Gladbachs Mittelfeldzentrale, erzielte drei Treffer, gab eine Torvorlage und avancierte zum Nationalspieler. Max Eberl denkt gar nicht daran, seine Doppelsechs auseinanderzureißen, schob jüngst auch einem Transfer Granit Xhakas zu Inter Mailand einen Riegel vor und stellte jetzt gegenüber Sky Sport News HD klar: "Christoph Kramer wird die nächste Saison bei uns spielen. Dass andere Vereine jetzt auf einmal merken, dass er gut ist, lässt uns kalt."

Bayer Leverkusen verzichtete seinerzeit darauf, in den Leihvertrag eine Klausel einzubauen, die eine vorzeitige Rückkehr Kramers vorgesehen hätte, schaut nun ebenfalls in die Röhre und klopfte bis dato erst gar nicht an die Borussen-Türe, um den Mittelfeldmotor schon jetzt zurück unters Bayer-Kreuz zu locken.

Dabei würde Trainer Roger Schmidt, der für ein laufintensives Spiel steht und der zu seinem Amtsantritt den Abgang von Emre Can Richtung Liverpool verkraften musste, sicher gerne auf den Gladbacher zurückgreifen, der eine perfekte Absicherung für Neuzugang Hakan Calhanoglu sein könnte.

Doch Max Eberl bleibt stur, würde Kramer gerne auch über 2015 hinaus im Borussia-Trikot sehen und geht nun sogar in die Offensive: "Wir würden den Spieler natürlich sehr gerne verpflichten. Wir sind froh, dass er bei uns ist", erklärte er und fügte gegenüber der Rheinischen Post süffisant hinzu: "Chris fühlt sich sehr wohl bei uns. Wir werden mit aller Macht versuchen, ihn bei uns zu halten." Der Spieler gehöre zwar Bayer, "aber man kann ja keinen Spieler zwingen, etwas zu tun".

Gladbachs Sportdirektor, dem in der jüngsten Vergangenheit einige erstaunliche Transfer-Coups (Raffael, Kruse, Hazard, Hahn, Traore, etc.) gelangen, tritt selbstbewusst auf und kann sich sicher sein, dass der Jung-Nationalspieler darauf brennt, an den Niederrhein zurückzukehren. Denn auch Kramer weiß, was er an der Borussia hat. Dort hat man ihn zum Nationalspieler gemacht, er schätzt das Umfeld, die Fans lieben ihn und er hat mit Max Kruse einen echten Freund gefunden, der sicher Überzeugungsarbeit leisten wird, was den Verbleib des Kumpels angeht.

Weitere Komponenten, die es für Aurelio De Laurentiis nahezu unmöglich machen, den Senkrechtstarter zum SSC Neapel zu holen, auch wenn er bereit sein soll, eine Ablösesumme von acht Millionen Euro zu überweisen. Da die beiden Bundesligisten sich das Geld wie auch immer teilen müssten, dürfte man in Gladbach und in Leverkusen abwinken. Um dem einen eine bewährte Stammkraft und dem anderen einen Perspektivspieler abspenstig zu machen, bedürfte es schon eines Angebotes aus der Abteilung "unmoralisch", welches sicher deutlich jenseits der zweistelligen Millionenmarke liegen müsste.

Zu guter Letzt fehlte natürlich das Ja-Wort von Christoph Kramer, der sich nach eigenen Angaben pudelwohl in Mönchengladbach fühlt und möglicherweise selbst seinen Verbleib am Niederrhein über 2015 hinaus anstrebt. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter…

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