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Luiz Gustavo: Real Madrid jagt den "unsichtbaren Mann"

Der Brasilianer spielt unspektakulär, aber ungemein effektiv. Weil das nicht nur seinem Nationaltrainer, sondern auch zahlreichen Top-Klubs gefällt, könnte er Wolfsburg verlassen.

Fortaleza. Die ganze Fußball-Welt redet im Vorfeld über das Privat-Duell zwischen den Superstars Neymar und James Rodriguez, doch Luiz-Felipe Scolari zerbricht sich wegen einer ganz anderen Sache den Kopf. Sein Balleroberer, sein Taktgeber, sein Zweikampfmonster, kurzum: das Herzstück der Selecao, fehlt im WM-Viertelfinale am Freitag gegen Kolumbien wegen einer Gelbsperre.

Luiz Gustavo ist einer dieser Spieler, deren Wert man meist erst dann richtig erkennt, wenn sie nicht auflaufen können. Natürlich nicht für Brasiliens Nationaltrainer Scolari, der hat schon immer einen Narren an dem Bundesliga-Profi des VfL Wolfsburg gefressen. "Luiz ist einer meiner wichtigsten Spieler, aber keiner sieht das", sagt Felipao und beschwert sich über die geringe Wertschätzung, die sein Sechser in der Öffentlichkeit lange Zeit erfahren hat.

Doch mit Gustavos starken Leistungen bei der Heim-WM hat sich das geändert. Die Sportzeitung Lance widmete dem früheren Bayern-Profi eine zweiseitige Reportage. O homem invisivel - der unsichtbare Mann - lautete die Schlagzeile. Und das war als Kompliment gemeint.

Elber rechnet mit Transfer

Als er Gustavo erstmals in seinen Kader berief, "erklärten die Leute mich für verrückt", verrät Scolari. Die Brasilianer verlangen eben von ihren Spielern Übersteiger, Dribblings, Fallrückzieher - doch das alles gehört nicht zum Repertoire des Abräumers. Luiz Gustavo, das ist Laufen, Grätschen, Sicherheitspass. In einer Mannschaft, in der selbst die Verteidiger den inneren Drang verspüren, nach vorne zu stürmen, agiert der 26-Jährige als eine Art "Entschleuniger".

Das ist nicht besonders spektakulär, aber bei den Spitzenvereinen ungemein gefragt. Seit Wochen wird spekuliert, dass der Wolfsburger die WM-Bühne nutzen und zu einem europäischen Top-Klub wechseln will. Landsmann Giovane Elber plauderte im kicker aus dem Nähkästchen: "Ich glaube, er wird Wolfsburg verlassen. Es gibt Gerüchte im Umfeld der Selecao, dass er mehrere Angebote aus Spanien hat."

Gustavo hat eine Ausstiegsklausel

Und dabei handelt es sich nicht um UD Levante oder den FC Getafe, sondern um den FC Barcelona und Real Madrid. Es soll sogar in Brasilien bereits ein Treffen zwischen den Königlichen und Gustavos Berater Roger Wittmann gegeben haben, um den Wechsel abzuklopfen. Um Luiz Gustavo aus seinem Vertrag (bis 2018) herauszukaufen, müsste Real aber wohl die festgeschriebene Ablöse von kolportierten 35 Millionen bezahlen. Denn der VfL ist nicht gewillt, seinen Schlüsselspieler freiwillig abzugeben. Manager Klaus Allofs sieht derzeit auch "keine Anzeichen, dass Luiz uns verlässt".

Sollte Real aber Gustavo wirklich haben wollen, dürfte auch der finanzstarke VfL machtlos sein. Dann werden die Wolfsburger erkennen, wie wertvoll der "unsichtbare Mann" tatsächlich war.

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