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Am Samstag will sich Arsene Wenger mit Mario Balotellis Berater treffen. Gelingt ihm der Deal, wäre es der ultimative Test für seine Fähigkeiten als Trainer.

KOMMENTAR
Von James Goldman

Arsene Wenger eilt der Ruf voraus, dass er nur äußerst ungern Megatransfers tätigt. Auf der anderen Seite ist der Franzose aber auch dafür bekannt, gerne mal ein Risiko einzugehen. Sollte er nun tatsächlich Mario Balotelli verpflichten, wäre es vermutlich der größte Poker während seiner langen Amtszeit beim FC Arsenal.

Der seriöse Manager und das ungezogene Kind des italienischen Fußballs - auf den ersten Blick wäre es eines der ungewöhnlichsten Pärchen überhaupt. Doch für Balotelli wäre das aktuelle Team der Gunners vermutlich perfekt, um sein großes Potenzial auszuschöpfen. Das Mittelfeld besticht durch Geschwindidgkeit, Dynamik und Übersicht. Doch genutzt werden diese Vorzüge von Van-Persie-Nachfolger Olivier Giroud nur selten.

Balotelli ist genau, was Arsenals Mittelfeld braucht

Im Gegensatz zu seinem Gastspiel bei Manchester City müsste der 23 Jahre alte Balotelli im Emirates nicht mit drei weiteren Topstürmern um den Platz in der Startelf kämpfen. Dafür hätte er mit Theo Walcott, Mesut Özil und Aaron Ramsey starke, kreative Zuarbeiter. Sie könnten ihm Last von den Schultern nehmen, denn er wäre nicht wie bei Milan der einzige Offensivspieler mit herausragenden Abschlussqualitäten.

Seine Chancenverwertung bleibt mit schwachen 8,39 Prozent deutlich hinter jener der beiden Premier-League-Toptorjäger Luis Suarez (20,39 Prozent) und Daniel Sturridge (24,71 Prozent) zurück. Von seinem früheren Mannschaftskameraden bei City, Yaya Toure (31,82 Prozent), ganz zu schweigen.

Aus Wengers Sicht ist Balotelli, abgesehen von dessen Temperament, genau der Stürmer, den seine Mannschaft benötigt. Körperlich stark und eiskalt im Abschluss, dazu schnell und beweglich. Der Italiener hat in den Bereichen Vorzüge, die bei Giroud oft als Schwächen kritisiert werden.

Frankreichs Nationalstürmer hat mittlerweile zwei Spielzeiten bei Arsenal hinter sich. 39 Tore in 79 Partien sind eine respektable Ausbeute für einen Spieler, der in einigen Bereichen limitiert ist. Wengers Interesse an Gonzalo Higuain und Luis Suarez im vergangenen Sommer macht deutlich, dass er einen hochbegabten Stoßstürmer verpflichten möchte. Das Vertrauen in Giroud ist also begrenzt.

Nun hat Wenger also ein neues Objekt der Begierde und es ist einer der impulsivsten, faszinierendsten Fußballer der Welt. Arsenals Coach hat durchaus bereits mit eigenwilligen Charakteren gearbeitet: Thierry Henry war nicht immer ein Musterschüler und auch Cesc Fabregas und Robin van Persie verhielten sich bisweilen flegelhaft. Aber Balotelli ist nochmal ein ganz anderes Kaliber.

Starke Auftritte sind selten geworden

Bereits mehrere Toptrainer haben versucht, Balotellis enormes Talent dauerhaft freizukitzeln. Aber lange hatte damit keiner von ihnen Erfolg. Jose Mourinho hatte wichtigere Dinge zu tun, als sich mit seinem Problemkind zu beschäftigen. Robert Mancini behandelte ihn wie einen Sohn und fand sich schließlich in einer Rauferei mit seinem Schützling auf dem Trainingsgelände Manchester Citys wieder. Und selbst der ausgeglichene Clarence Seedorf gab zu, Balotelli überlasse man am besten zunächst sich selbst.

Wenger ist nun 64 Jahre alt und er stand in mehr als 1000 Arsenal-Spielen an der Seitenlinie. Es ist positiv, dass er sich zutraut, das hinzubekommen, an dem alle vor ihm gescheitert sind. Die Wahrheit ist aber auch: Selbst wenn es ihm gelingt, Balotellis Temperament in den Griff zubekommen, hat er den Kampf erst zur Hälfte gewonnen. Denn seit seiner Rückkehr in die Serie A ist er nur noch selten in Topform.

Einige spektakuläre Treffer und sein famoser Doppelpack bei der EM 2012 gegen Deutschland überstrahlen lange Phasen des Mittelmaßes. Seit dem Beginn der Spielzeit 2012/13 bringt es Balotelli nur auf 18 Treffer aus dem Spiel heraus, dazu gesellen sich noch neun verwandelte Strafstöße.

Miserable Chancenverwertung des Rohdiamanten

Unter den Kickern der Premier League, die im Vorjahr mindestens fünf Treffer markierten, landete Balotelli mit seiner Bilanz bei Chancen und daraus resutlierenden Toren nur auf Platz 68. Und nur zwei Arsenal-Spieler (Bacary Sagna und Mikel Arteta) weisen einen noch schlechteren Wert auf.

Natürlich ist Balotelli dennoch der rohste aller Diamanten. Möglicherweise könnte Arsene Wenger seine Zeit auch besser nutzen, als ihn auf Kurs zu kriegen. Aber falls sich ihre unterschiedlichen Eigenschaften gut ergänzen, könnte es großartig für die Gunners werden. Spannend wird es in jedem Fall!

 

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