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Was passiert im Sommer mit Mario Balotelli?

Obwohl er in der letzten Saison der Toptorjäger der Rossoneri war, plant Silvio Berlusconi angeblich die Trennung vom streitbaren Stürmerstar.

Mailand. Vor sechs Jahren erhielt Spielerberater Mino Raiola einen Anruf von seinem wertvollsten Klienten: Zlatan Ibrahimovic. Der Schwede schwärmte: "Hier bei Inter gibt es ein Phänomen. Da ist ein schwarzer Junge, der macht mit dem Ball am Fuß, was er will. Du muss kommen und ihn Dir ansehen." Dass selbst ein extrem talentierter Spieler wie Ibrahimovic von den Fähigkeiten des jungen Mario Balotelli verblüfft war, unterstreicht nur, wie ungeheuer aufregend der Italiener damals daherkam.

Bis heute steht Balotellis Talent eigentlich nicht in Frage. Im Gegensatz zu seinem Temperament. Selbst als der AC Mailand im letzten Januar erstmals mit dem damaligen Angreifer von Manchester CIty in Verbindung gebracht wurde, sagte Klubbesitzer Silvio Berlusconi noch: "Der Name Balotelli kam mir noch nicht in den Kopf. Er ist wie ein fauler Apfel, der eine ganze Gruppe anstecken kann, egal wohin er geht. Sogar Milan."

Tränen auf der Bank

Einige Wochen später verpflichteten die Rossoneri den Spieler für 20 Millionen Euro. Berlusconi ruderte zurück und behauptete, seine Äußerungen seien Teil eines Masterplans von Vorstandsboss Adriano Galliani gewesen, um Citys Ablöseforderungen zu drücken.

Knapp 18 Monate später macht es den Eindruck, als glaube Berlusconi, er habe damals richtig gelegen. Dass Super-Mario der faule Apfel ist, der in der Lage ist, eine ganze Ernte zu verderben.

Balotelli war Milans bester Torschütze in der letzten Spielzeit. Er markierte 14 Treffer in der Serie A. Doppelt so viele wie jeder andere Spieler seiner Mannschaft. Aber wie sagt man so schön: Statistiken erzählen nur die halbe Wahrheit. Und in Balotellis Fall täuscht sie. Seine Form schwankte bedenklich, genauso wie seine Stimmung. Nach seiner Auswechslung gegen Napoli im November flossen sogar Tränen auf der Ersatzbank und die Gazzetta dello Sport fragte auf ihrer Titelseite: "Verlieren wir etwa, Mario?"

Im April brach es erneut aus ihm heraus. Nach einer miserablen Leistung im Duell mit der Roma legte er sich im Interview mit Sky Sport Italia mit den beiden ehemaligen Milan-Stars Christian Panucci und Zvonimir Boban an.

Fauler? | Balotelli geriet mit Trainer Seedorf und einigen Mitspielern aneinander

Boban hatte vor allem Balotellis Einstellung kritisiert: "Es ist wirklich schade. Er ist ein guter Junge, aber es mangelt ihm an Selbstkritik. Er wird wie immer seinen Weg einfach weitergehen. Wir werden bezahlt, um zu reden. Aber er versteht diese Situationen nicht. Seine Leistung gegen die Roma war eine Schande. Er ist nur herumgelaufen und hat seine Mannschaftskameraden genervt."

Die Geister scheiden sich

Und das ist der Punkt: Die jüngsten Berichte aus Milanello zielen darauf ab, dass Balotelli längst kein Segen mehr für seine Mannschaft sei. Angeblich spaltet er das Team in zwei Lager.

Schon im Dezember war bei Berlusconi der Geduldsfaden gerissen. Gegenüber Secolo XIX sagte er. "Ich habe genug und die Entscheidung ist gefallen. Mario ist offiziell auf dem Markt und wir müssen ihn verkaufen, bevor der Januar vorüber ist."

Milan dementierte anschließend zwar wieder, dass der Angreifer zum Verkauf stehe, doch nun könnte es so weit sein. Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass es für ihn zwei Möglichkeiten gebe. Einerseits ein Wechsel zum AS Monaco und andererseits eine Rückkehr nach England. In Mailand ist man natürlich happy, dass Monaco mit dem schwerreichen Eigentümer Dmitry Rybolovlev mitmischt.

Auch Balotelli ist nicht abgeneigt. Der 23-Jährige ist zwar seit seiner Kindheit ein Milan-Fan, doch ohne europäischen Fußball kann der Klub ihm in der kommenden Saison nicht die ganz große Bühne bieten. Monaco hat sich dagegen für die Champions League qualifiziert und verfügt über eine Mannschaft im Aufwind. Von den Steuervorteilen dort ganz zu schweigen!

Rückkehr nach England?

Möglich ist auch ein Wechsel zurück auf die Insel. Manchester United soll an Balotelli dran gewesen sein, doch die Red Devils haben in der Offensive nun andere Prioritäten. Anders sieht es bei Arsenal und dem FC Liverpool aus.

Arsenal fehlt es in der Sturmspitze an Konkurrenz für Olivier Giroud. Auch deshalb verabschiedeten sich die Gunners nach dem Jahreswechsel aus dem Titelrennen. Liverpool hatte diese Probleme nicht. Dennoch möchte Brendan Rodgers gerne einen weiteren Stürmer von Spitzenformat holen, um eine Alternative zu Luis Suarez und Daniel Sturridge zu haben. Iago Aspas erfüllte bislang die Erwartungen nicht.

Außerdem kann es natürlich immer sein, dass die Reds einen Ersatz für Suarez brauchen. Dieser wird trotz seiner Vertragsverlängerung vor wenigen Monaten weiterhin mit Real Madrid in Verbindung gebracht.

Das letzte Wort um die Zukunft Balotellis ist noch nicht gesprochen. Agent Raiola behauptet, Galliani habe ihm versichert, sein Schützling werde auch in diesem Sommer nicht verkauft. Aber Dinge können sich schnell ändern und Geld regiert die Welt. Besonders, wenn es um Milan geht. Der Klub braucht dringend finanzielle Mittel, um den Umbau der Mannschaft voranzutreiben. Raiola jedenfalls prophezeite bereits: "Von heute bis zum 31. August werden wir eine Menge Gerüchte zu seiner Zukunft hören."

Wie so häufig bei Balotelli ist das einzige Gewisse die Ungewissheit.

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