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Nach der Saison ist vor der Saison. Zwischendrin liegt wieder mal ein spannendes Transferfenster. Auf Schalke wird sich einiges tun.

SPECIAL REPORT
Von Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen. Horst Heldt, Manager des FC Schalke 04, hat in diesem Sommer viel Arbeit vor sich. Der Kader des Bundesligadritten der gerade abgelaufenen Saison wird sich zwangsläufig verändern. Fehleinkäufe dürfen gehen und Qualität soll hinzukommen. Letzteres wünschten sich bereits die eigenen Spieler, wie Klaas-Jan Huntelaar oder Kapitän Benedikt Höwedes. Goal dröselt das Thema auf und zeigt die Planungen des Revierklubs.

Bislang stehen vier externe Zugänge fest: Dennis Aogo wurde vom Hamburger SV für 1,9 Millionen Euro verpflichtet. Der 27-Jährige kam Ende August 2013 auf Leihbasis in den Kohlenpott. Es gab eine Kaufoption für den linken Verteidiger, die allerdings nicht gezogen wurde. Horst Heldt hat die akute Geldnot der Hanseaten ausgespielt und Aogo für wesentlich weniger Ablöse als die zunächst vereinbarten 3,5 Millionen Euro bekommen können.

Ein weiterer Coup gelang dem Sportvorstand mit dem Zukauf von Sidney Sam. Der schnelle Außenbahnspieler wechselt für 2,5 Millionen Euro zu den Königsblauen. Die geringe Ablöse kommt aufgrund seiner Ausstiegsklausel zustande und beträgt nur ein Viertel seines kolportierten Marktwertes – ein echtes Schnäppchen. Hinzu kommt Torhüter Fabian Giefer. Der 24-Jährige wechselt ablösefrei von Zweitligist Fortuna Düsseldorf und soll Stammtorwart Ralf Fährmann Konkurrenz machen. Zu dem Trio gesellt sich noch Jan Kirchhoff vom FC Bayern. Er wurde bereits im Januar geholt, verletzte sich jedoch und riss sich die Syndesmose. Sein Leihvertrag gilt bis 2015.

Allerdings stehen auch schon fixe Abgänge fest: Ersatztorwart Timo Hildebrand, Rechtsverteidiger Tim Hoogland und Mittelfeldspieler Anthony Annan werden Schalke 04 nach Ablauf ihrer Verträge Ende Juni 2014 verlassen. Dabei soll es allerdings nicht bleiben. Weitere Spieler werden dem Dreigestirn folgen.

Tranquillo Barnetta soll Toptalent Platz machen

Der Schweizer kam im Sommer 2012 ablösefrei von Bayer Leverkusen und konnte sich auf Schalke nie durchsetzen. Letztendlich wurde er nur ein Jahr später an Eintracht Frankfurt ausgeliehen. Dort möchte der Nationalspieler offenbar auch bleiben und S04 würde ihm dabei keine Steine in den Weg legen. Die Verhandlungen mit den Hessen laufen zwar, stocken jedoch etwas. Nach Goal-Informationen hapert es bei Barnettas Gehaltsvorstellungen. Er wird auf Geld verzichten müssen, wenn er sich den Frankfurtern anschließen möchte.

Dass Schalke 04 ihn abgeben würde, hat mehrere Gründe. Einer davon ist Ausnahmetalent Leroy Sané. Der 18-Jährige unterschrieb einen ab 1. Juli 2015 gültigen Profivertrag, der zwei Jahre Bestand hat. Für die kommende Spielzeit gilt ein Fördervertrag. Er soll ab der neuen Saison behutsam an das Profiteam herangeführt werden. Sein Bundesliga-Debüt hatte er bei der 1:3-Auswärtspleite gegen den VfB Stuttgart Ende April.

Was mit Chinedu Obasi passiert, ist ebenfalls nicht sicher. Der Kauf von Sidney Sam für die Außenbahnen lässt auf wesentlich weniger Einsatzzeiten des Nigerianers schließen. In der abgelaufenen Saison kam er nicht über den Status des Ersatzspielers hinaus. In der Bundesliga lief er lediglich 15 Mal auf und stand dabei auch nur magere sieben Mal in der Startelf. Vor ihm stehen Jefferson Farfan, Julian Draxler, Leon Goretzka und Neuzugang Sidney Sam. Sollte ein passendes Angebot für den Rechtsfuß eintrudeln, sagen die Entscheidungsträger wohl nicht Nein, zumal sein Vertrag erst 2015 ausläuft und im Sommer die letzte Möglichkeit wäre, noch eine akzeptable Ablösesumme zu erhalten.

Ein ähnliches Schicksal dürfte auch Christian Fuchs erleiden. Aufgrund einer Knie-OP fehlt der Österreicher bereits wochenlang. Für den Linksverteidiger war es keine zufriedenstellende Saison, da er sich mit Verletzungen plagte, kaum zum Einsatz kam und auf seiner Position große Konkurrenz hat. Dennis Aogo und Sead Kolasinac zieht Trainer Jens Keller dem Linksfuß vor. Aogo zog sich zwar einen Kreuzbandriss zu, dürfte allerdings zur Vorbereitung auf die neue Saison wieder fit sein. An Kolasinac ist derzeit kein Vorbeikommen, der Bosnier ist gesetzt. Dem Fuchser droht also die Ersatzbank oder gar die Tribüne, wenn alle Spieler wieder an Bord sind. Bei einem passenden Angebot wird er den Verein wohl verlassen.

Köln an Clemens dran

Richtig interessant wird es bei der Personalie um Christian Clemens. Der schnelle Außenspieler laborierte an einer langwierigen Schambeinentzündung, ist zum Vorbereitungsstart aber dabei. Er absolvierte zuletzt auch alle Trainingseinheiten - schmerzfrei. Schalke 04 hat Stand jetzt ein Überangebot an Flügelflitzern. Das hat offenbar auch der 1. FC Köln, sein Ex-Klub, registriert. Nach Informationen von Goal haben sich die Kölner bereits nach seiner Wechselbereitschaft erkundigt.

Ein Abgang ist nach der Verpflichtung von Fabian Giefer so gut wie sicher: Lars Unnerstall will die Königsblauen verlassen. Die Rückrunde verbrachte der 23-Jährige beim FC Aarau in der Schweiz. Die guten Leistungen des Schnappers haben offenbar Begehrlichkeiten geweckt. Zwischendurch war ein Wechsel zum FC Basel im Gespräch, doch der "Lange" favorisiert eine Rückkehr in die Bundesliga. Zweitligist Fortuna Düsseldorf wirbt um ihn. Unnerstall zögert jedoch und spekuliert auf ein Angebot aus der ersten Liga. Hier könnte der SC Freiburg ins Spiel kommen. Die Breisgauer müssen den Abgang von Oliver Baumann zur TSG 1899 Hoffenheim kompensieren - Kontakt gab es nach unseren Informationen jedoch noch nicht. Unnerstalls Vertrag auf Schalke hat noch bis 2015 Gültigkeit.

Bei Schalke 04 herrscht noch die große Baustelle auf der Position des Rechtsverteidigers. Horst Heldt fahndet wie wild und sucht eine qualitative Alternative zu Atsuto Uchida. Hier werden mehrere Namen ins Spiel gebracht. Das sind Sebastian Jung (Eintracht Frankfurt), Timothy Chandler (1. FC Nürnberg), Cedric Soares (Sporting Lissabon), Thomas Meunier (FC Brügge) und Oliver Sorg (SC Freiburg). Goal kann aus gesicherter Information ausschließen, dass es zu Sorg Kontakt gab. Chandler scheint zumindest eine Option zu sein, Soares und Meunier genießen nur Außenseiterchancen.

Entscheidung von Jung naht

Hauptziel ist Jung, den die Knappen bereits im letzten Jahr von der Eintracht loseisen wollten. Der 23-Jährige hat eine Ausstiegsklausel im Vertrag, die ihm erlaubt, den Verein vor Ablauf seines Kontraktes für eine festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von 2,5 Millionen Euro zu verlassen. Sein Marktwert wird auf ungefähr acht Millionen Euro geschätzt, er wäre somit zum Schnäppchenpreis zu haben. Allerdings muss sich Schalke 04 hier großer Konkurrenz erwehren: Die Hessen wollen mit Jung unbedingt verlängern und der VfL Wolfsburg wedelt kräftig mit den Geldscheinen. Eine Entscheidung des Frankfurters soll wohl bald folgen.

Da die bereits beschriebenen Spieler Tranquillo Barnetta und Chinedu Obasi den FC Schalke 04 verlassen könnten, ist es nicht auszuschließen, dass einer der beiden qualitativ ersetzt werden soll. In diesem Frühjahr gab es nach Goal-Informationen eine Anfrage für Nicolai Müller vom 1. FSV Mainz 05, der einem Transfer, zwecks Karrieresprung, nicht abgeneigt wäre. Allerdings scheint das Interesse zu schwinden. Seit dessen Einriss im Außenmeniskus des rechten Knies vor mehreren Wochen gab es keinen Kontakt mehr. Für Müller müsste Schalke 04 zudem tief in die Tasche greifen. Sein Marktwert wird auf etwa sieben bis neun Millionen Euro taxiert. Unter zehn Millionen Euro wäre er wohl nicht zu haben. Und dass Mainz-Manager Christian Heidel und Heldt nach dem Tauziehen um Thomas Tuchel nicht das allerbeste Verhältnis haben dürften, liegt wohl auf der Hand.

Auch Leverkusens Gonzalo Castro (Vertrag bis 2016) wurde in den Ring geworfen, doch bis auf lose Anfragen scheint es hier keine Bewegung zu geben. Der 26-Jährige wäre auch nicht ganz billig, er soll sechs bis acht Millionen Euro kosten. Soviel wird Schalke 04 für die Rechtsverteidigerposition wohl nicht ausgeben wollen. Im Übrigen ist bei Castro nichts von einer Ausstiegsklausel bekannt, somit hat Leverkusens Manager Rudi Völler das letzte Wort. Nachdem Heldt der Werkself bereits Sam für einen "Spottpreis" wegschnappte, ist die Verkaufsbereitschaft bei Völler und Bayer Leverkusen offenbar gleich Null.

Auch an vorderster Front ist es möglich, dass Bewegung reinkommt. Klaas-Jan Huntelaar ist die absolut erste Wahl für Keller. Dahinter steht der im letzten Sommer für acht Millionen Euro aus Mainz gekommene Adam Szalai. Der Ungar ist aufgrund der mangelnden Einsatzzeiten in der Rückrunde aber unzufrieden, er sitzt nur auf der Bank und wird eingewechselt. Auch die unterschiedlichen Knipser-Qualitäten fielen in der Hinrunde deutlich auf. Als sich Huntelaar bereits am zweiten Spieltag in Wolfsburg (0:4) schwer am Knie verletzte und fortan die restliche Saisonhälfte ausfiel, stürmte Szalai. Dem 26-Jährigen gelangen in der Bundesliga-Hinrunde allerdings nur fünf Tore und drei Vorlagen. Zwischendurch stürmte sogar Kevin-Prince Boateng anstelle von Szalai.

Für Schalker Ansprüche war das zu wenig. Als Huntelaar in der Rückrunde wieder ins Team rückte, schoss er zehn Tore. Schalke 04 braucht für den Niederländer einen Ersatzmann, der in etwa den gleichen Torriecher hat. Es mangelte Szalai nicht am Einsatzwillen oder den Chancen, allerdings fehlte ihm die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. Ob die Königsblauen hier etwas machen, wird abzuwarten sein. In den Profikader rücken soll zudem Jungbomber Donis Avdijaj (17, Vertrag bis 2019).

Dem FC Schalke 04 und Horst Heldt steht ein arbeitsreicher Sommer bevor, der aktuelle Kader wird sich verändern und soll an Qualität gewinnen. Schlüsselspieler wie Jefferson Farfan oder auch Julian Draxler werden dem Traditionsklub höchstwahrscheinlich erhalten bleiben.

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