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Juventus ist arg von Carlos Tevez abhängig. Die Kaufoption auf den ausgeliehenen Pablo Osvaldo zu ziehen, wäre dennoch ein großer Fehler.

KOMMENTAR
Von Carlo Garganese

Wenn es um den Fußball geht, dann sind die Aktivitäten im Sommer ziemlich berechenbar: Real Madrid inszeniert eine öffentliche Kampagne, um einen Superstar an Land zu ziehen, Bayern München schwächt die Konkurrenz aus der Bundesliga und Juventus Turin scheitert beim Bemühen um einen Topstürmer.

Die anstehende Transferperiode wird vermutlich kaum anders ablaufen, jedenfalls was Real und die Bayern angeht. Die Bianconeri können es sich diesmal allerdings schlichtweg nicht leisten, sich erneut einen Sergio Agüero oder einen Robin van Persie durch die Finger gleiten zu lassen.

Die Konkurrenz ist vorne (deutlich) besser aufgestellt

Im Vorjahr gelang es Juve, Carlos Tevez für zehn Millionen Euro von Manchester City loszueisen. Gewiss eines der Schnäppchen des Jahres 2013 und der Argentinier führt aktuell mit 18 Treffern die Torschützenliste der Serie A an. Auch dank Tevez ist der Rekordmeister klar auf Kurs in Richtung des dritten Scudetto in Serie.

Die Ausbeute des ehemaligen Boca-Helden verdeutlicht allerdings auch, wie dünn Juventus im Angriff besetzt ist. Vor allem im Vergleich mit Europas Topteams: Real hat Cristiano Ronaldo, Gareth Bale, Karim Benzema, Angel Di Maria und Jese als Kandidaten für den Dreiersturm. Bayern verfügt über die Optionen Arjen Robben, Franck Ribery, Mario Mandzukic, Mario Götze, Thomas Müller und bald auch Robert Lewandowski. Paris Saint-Germain setzt in der Abteilung Attacke auf Zlatan Ibrahimovic, Edinson Cavani, Ezequiel Lavezzi und Lucas Moura.

Juventus verlässt sich dagegen auf einen Stürmer, der trotz seine unbestrittenen Brillanz seit fünf Jahren kein Tor mehr im Europapokal erzielt hat und der kürzlich 30 Jahre alt geworden ist.

Fabio Quagliarella, Mirko Vucinic und Sebastian Giovinco bringen es gemeinsam auf ganze drei Ligatore in dieser Spielzeit. Fernando Llorente war dagegen eine sinnvolle Ergänzung. Der Spanier kam im Vorjahr ablösefrei aus Bilbao und bringt es auf 15 Pflichtspieltore. Um aber wirklich zum Angriff auf die Champions League zu blasen, ist das nicht genug.

Kaufoption beträgt 20 Millionen Euro

Wenn Tevez fehlt oder abgemeldet ist, präsentiert sich Juve harmlos. Perfektes Beispiel dafür war kürzlich die 0:2-Niederlage im Spitzenspiel gegen Napoli, als ein gesperrter Tevez mitansehen musste, wie seine Mannschaftskameraden kaum eine Chance kreierten.

Coach Antonio Conte hat den Bedarf an mehr Qualität im Angriff durchaus erkannt und im Januar am letzten Tag des Transferfensters Pablo Osvaldo vom FC Southampton ausgeliehen. Die Turiner haben eine Kaufoption auf den Stürmer, sie müssten im Sommer 20 Millionen Euro zahlen, um diese zu ziehen.

"Wir haben die Möglichkeit, ihn fest zu verpflichten", so der Juve-Boss nach dem Deal. "Der Spieler wollte unbedingt zu uns und hat seine Forderungen heruntergeschraubt, damit der Wechsel zustande kam. Er wird unsere Qualität im Sturm steigern."

 

 
PABLO OSVALDO | LEISTUNGSDATEN 2013/14

 

 


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PABLO OSVALDO
Wettbewerb Einsätze Tore Assists gelbe Karten rote Karten
 EPL 13 3 0 3 0
 Serie A 7 0 1 1 0
 Pokal 5 2 0 0 0
 Länderspiele 6 1 0 0 0
Gesamt 31 6 1 4 0


Für Juve war es war es eine Verpflichtung mit geringem Risiko. Und das, obwohl Osvaldo in seinen turbulenten sechs Monaten in Southampton nur drei Tore markiert und abseits des Rasens für Unruhe gesorgt hatte.

Osvaldo ist ein gestandener Stürmer. Er hat sich bereits in La Liga bei Espanyol Barcelona bewiesen und anschließend zwei Jahre lang in der Serie A überzeugt. Er ist ein kompletter, torgefährlicher Offensivspieler mit starker Physis und guter Technik. Die Überlegung hinter seiner Verpflichtung war: Explodiert er, wird die Kaufoption gezogen. Enttäuscht er, wird er ohne weitere Kosten auf die Insel zurückgeschickt.

Nur sechs Tore in dieser Saison

Nun läuft die Ausleihe in gut einem Monat aus und es herrscht großer Konses, dass der 28-Jährige mit den vielen Tattoos die Erwartungen nicht erfüllt hat. In der Serie A hat er noch nicht genetzt und insgesamt gelangen ihm magere zwei Tore in zwölf Pflichtspielen - beide gegen Trabzonspor in der Europa League. Insgesamt steht seine Ausbeute in 2013/14 bei sechs Toren in 34 Begegnungen für Klub und Land. Da verwundert es wenig, dass er es vermutlich nicht in Cesare Prandellis Kader für die Weltmeisterschaft in Brasilien schaffen wird.

Statistiken erzählen oft nicht die gesamte Wahrheit und man muss auch berücksichtigen, dass Osvaldo nur in sieben Matches für Juve in der Startformation stand. Er betrieb bei den Chancen, die er erhielt, allerdings nicht die Eigenwerbung, die für eine permanente Verpflichtung im Sommer sprechen.

Der Nationalspieler wirkte langsam, lethargisch, ohne Ballsicherheit und ohne die richtige Chemie zu seinen Mitspielern. Und das an der Seite von Carlos Tevez! Seinen Tiefpunkt erlebte er letzte Woche in der Europa League in Lyon. Die Goal-Leaser wählten ihn für seinen miesen Auftritt zum "Flop of the Match" und der für ihn eingewechselte Sebastian Giovinco führte Juve schließlich zum 1:0-Auswärtssieg.

Will Juventus wirklich wieder ein Wörtchen im Kampf um den Titel in der Champions League mitreden, dann ist die Verpflichtung eines herausragenden Stürmers in diesem Sommer ein Muss. Juve wird in der kommenden Saison auf ein 4-3-3 umstellen, es herrscht also Bedarf an Spielern für die Außenbahn. Juan Cuadrado und Alessio Cerci stehen dafür auf dem Wunschzettel ganz oben.

Die Osvaldo-Millionen müssen besser investiert werden

Der mögliche Verkauf Paul Pogbas wäre ohne Frage eine schlechte Nachricht, dann müsste auch auf einer anderen Position nachgebessert werden. Am Ende brauchen Conte und Manager Marotta Spieler, die den Unterschied ausmachen können.

Osvaldo blieb den Beweis schuldig, dass er einer dieser Unterschiedausmacher sein kann. Er konnte nichtmal die harmlosen Vucinic, Giovinco und Quagliarella überflügeln. Das gibt Anlass zur Sorge, dass Conte und Marotta mit dem Italo-Argentinier zufrieden sind und darüber nachdenken, ihn zu halten. Allerdings müsste nachverhandelt werden, Juve will keine 20 Millionen Euro zahlen.

Doch selbst bei einem hohen Preisnachlass wäre das rausgeschmissenes Geld. Zumal Juve bereits jeweils 50 Prozent der Transferrechte an den hochbegabten Angreifern Ciro Immobile, Manolo Gabbiadini und Domenico Berardi besitzt.

Es ist Zeit für höhere Ziele und es ist Zeit, unberechenbar zu sein. Juventus sollte das Geld für Osvaldo sparen und zur neuen Saison einen Stürmer von Weltklasseformat kaufen.

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