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Bei seinem Wechsel von Uruguay nach Europa hat der Torjäger nicht einmal zwei Millionen gekostet - PSG hat mehr als 37-mal so viel für ihn gezahlt.

SPECIAL REPORT
Von Kris Voakes

Wer 104 Tore in drei Jahren schießt, macht sich beliebt. Edinson Cavani kann das bestätigen. Der Uruguayer wechselte 2010 für 17 Millionen Euro von US Palermo zum SSC Neapel und ist seitdem zu einem der größten Spieler des Vereins geworden und für die Fans des Klubs ein Idol.

Neben seiner Beliebtheit in Neapel stieg mit jedem Tor aber auch das weltweite Interesse an dem Angreifer. Im Jahr 2012 unterbreitete Zenit St. Petersburg für Cavani ein Angebot in Höhe von 55 Millionen Euro, das die Italiener aber nur noch entschlossener werden ließ. Präsident Aurelio De Laurentiis flog ins olympische Trainingslager des uruguayischen Nationalteams und überzeugte davon, einen neuen Vertrag zu unterschreiben, in dem eine Ablösesumme von 63 Millionen Euro festgeschrieben wurde.

De Laurentiis macht Kasse

Ein Jahr später war es dann Zeit, einzukassieren. Zu Beginn des Sommer-Transferfensters machte De Laurentiis klar: Cavani stehe zum Verkauf, aber nur für den im Kontrakt festgesetzten Preis. Der Präsident wollte nicht als der Mann bekanntwerden, der den Starspieler des Klubs verkauft hatte - so wurde er zu dem Mann, der die Klubkassen füllte.

Zunächst gab es Interesse aus England, Manchester City und der FC Chelsea wollten den Torjäger verpflichten. Bei den Citizens stand der 26-Jährige sogar ganz oben auf dem Wunschzettel, jedoch war man nicht gewillt, mehr als 42 Millionen Euro zu zahlen - so waren beide Klubs weit von einer Einigung entfernt. Napoli hatte zwischenzeitlich sogar angeregt, Edin Dzeko Teil des Deals werden zu lassen, jedoch wurde der Marktwert des Bosniers von den Vertretern der beiden Vereine jeweils unterschiedlich bewertet.

CAVANIS MARKTWERTSTEIGERUNG (in Euro)
1,7 Mio.
Danubio - Palermo (2007)
17 Mio.

Palermo - Napoli (2010)*

64,5 Mio.

Napoli - PSG (2013)

*Transfer wurde 2011 endgültig abgeschlossen

Cavani versuchte unterdessen, das Werben von City und Chelsea zu seinem Vorteil zu nutzen und stieg seinerseits früh in Gespräche mit den Interessenten ein, um seine Chancen auf einen lukrativen Vertrag zu erhöhen. Währenddessen flirtete er immer wieder öffentlich mit Real Madrid und betonte mehrere Male, dass der spanische Spitzenklub sein Traumverein sei.

Pellegrini hat genug

Das Interesse der Königlichen war jedoch weniger groß als das des Premier-League-Duos. Dennoch stiegen die Citizens letztlich aus den Verhandlungen aus, als Coach Manuel Pellegrini die Nase voll hatte und Geschäftsführer Ferran Soriano sowie Sportdirektor Txiki Begiristain anwies, mit dem eingesparten Geld Stevan Jovetic und Alvaro Negredo zu verpflichten.

Ähnlich sah das bei Chelsea aus. Auch bei den Verhandlungen mit den Blues wurde ein Spielertausch angeregt, in dem Fall ging es um Fernando Torres. Jedoch lagen die Vorstellungen erneut weit auseinander. Die Londoner, die sich bereits beim Buhlen um Radamel Falcao eine Abfuhr eingefangen hatten, waren schlicht nicht gewillt, 63 Millionen Euro zu zahlen. Und De Laurentiis wollte mit dem Preis nicht runtergehen.

Ein anderer Klub hatte keine Probleme damit, den geforderten Betrag auf den Tisch zu legen: Paris Saint-Germain. Dessen Sportdirektor Leonardo traf sich mit De Laurentiis in Rom und offenbarte seinen Plan, Cavani in die französische Hauptstadt zu lotsen. Der Brasilianer erhielt dabei von den PSG-Besitzern einen Blanko-Scheck und konnte die 63 Millionen daher ohne mit der Wimper zu zucken zahlen.

Ob die hohe Summe für Cavani gerechtfertigt war? Ja, sagt der Präsident des uruguayischen Fußballverbandes, Saebastian Bauza: "Es ist schwer zu sagen, ob ein Spieler wirklich 63 Millionen Euro wert ist, aber es gibt im Fußballgeschäft Menschen mit viel Geld, die das auch investieren wollen", so Bauza gegenüber Goal. "Dabei ist es viel einfacher, in einen weltbekannten Spieler zu investieren als in einen Unbekannten, wie gut auch immer er sein mag."

"Ein kompletter Spieler"

Ohnehin sei Cavani "ein kompletter Spieler - einer, wie ihn jeder Manager haben will. Er schießt nicht nur Tore, sondern erobert auch den Ball, hilft den Mittelfeldspielern und ist aufgrund seiner außerordentlichen Physis in der Lage, große Teile des Spielfeldes zu beackern."

Berater Jorge Chijane, der bei Cavanis Wechsel vom uruguayischen Verein Danubio nach Palermo eine wichtige Rolle spielte, sieht das ähnlich: "Palermo hat für Cavani 1,7 Millionen Euro bezahlt. Das waren schwierige Verhandlungen, ich musste hart arbeiten. Dann hat der Spieler gezeigt, welch guter Fußballer er ist und ging für 17 Millionen zu Napoli. Mit den erzielten Toren stieg sein Ansehen weiter und damit auch sein Wert, PSG hat dann 64 Millionen gezahlt. Das zeigt, dass Cavani ein begnadeter Fußballer ist, ein Spieler ohne Grenzen."

Verhandlungskünstler | De Laurentiis feilschte knallhart und bekam, was er wollte

Die PSG-Verwantwortlichen gingen schnell auch auf Cavani zu, um mit ihm die Vertragskonditionen auszuloten. Bei der Investmentgruppe QSI (Qatar Investment Authority), in deren Besitz der Hauptstadtklub ist, gilt stets das Credo, dass Spieler entsprechend ihres Status im Kader bezahlt werden. So war klar, dass man Cavani zwar fürstlich entlohnen, er aber weniger als Zlatan Ibrahimovic erhalten würde.

Während QSI sich die Ablösesumme noch diktieren ließ, sollte das Gehalt Cavanis also nicht das des PSG-Starspielers überschreiten. Die Zahlen können sich dennoch sehen lassen: Der Südamerikaner erhielt einen Fünfjahresvertrag, der ihm Einkünfte von 50 Millionen Euro sicherte. Zudem verpflichtete sich die Verein, die 26,5 Millionen Euro Steuern aus eigener Tasche zu zahlen.

Ein knallharter Verhandlungspartner

Als die Berater sich zu Wort meldeten, ließ De Laurentiis dann noch einmal seine Muskeln spielen. Die Mittelsmänner, die den Deal verhandelten, forderten eine zusätzliche Vergütung, ehe der Vertrag unterschrieben werden sollte. Die Höhe: über eine Million Euro je Verein. Der Napoli-Chef stellte klar, dass sein Verein nicht bereit sei, die Summe zu zahlen und der Betrag auf die ursprünglich geforderten 63 Millionen draufgeschlagen wird - so dass PSG unter dem Strich die volle zusätzliche Berater-Kommission zahlte.

So überwiesen die Franzosen letztlich sogar noch mehr als die festgeschriebene Ablösesumme nach Neapel, um De Laurentiis zur Vertragsunterschrift zu bewegen. Auch Cavanis frühere Vereine wurden noch belohnt: Palermo erhielt 1,5 Millionen Euro, Danubio 2,3 Millionen.

Nach dem Verkauf des Helden von Napoli hatte De Laurentiis jede Menge Arbeit vor sich. Es ging nun darum, den Geldsegen dazu zu nutzen, ein neues Team aufzubauen. Dafür konnte nicht nur die Ablöse, sondern auch das durch den Abgang eingesparte Gehalt verwendet werden. Die Reinvestitionen mussten weise getätigt werden, ansonsten wäre der Verkauf Cavanis den Fans gegenüber nur schwer zu rechtfertigen gewesen.

Napoli machte es genau wie Juventus Turin, das nach dem Verkauf Zinedine Zidanes im Jahr 2001 Gianluigi Buffon, Lilian Thuram, Pavel Nedved und Marcelo Salas verpflichtete. Oder Inter Mailand, das sich mit den Millionen aus dem Transfer von Zlatan Ibrahimovic die Dienste von Lucio, Thiago Motta, Wesley Sneijder, Diego Milito und Samuel Eto’o sicherte.

De Laurentiis überzeugte im Sommer Gonzalo Higuain, Jose Callejon, Raul Albiol, Dries Mertens, Rafael und Duvan Zapata von einem Wechsel zu seinem Verein, zudem wurde Pepe Reina ausgeliehen. Offenbar richtige Personal-Entscheidungen, wenn man bedenkt, dass Napoli in der Serie A derzeit unter den Top drei ist. Der Neuaufbau ist gelungen und De Laurentiis der gefeierte Held. Schließlich ging sein Plan auf. Wenn es nach den Napoli-Fans geht, ist er der Mann, der das Gebaren auf dem Transfermarkt beherrscht wie kaum ein anderer - ein wahrer Verhandlungskünstler.

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