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"Erb-Föhn" David Moyes: Keine Titel - aber "alle Qualitäten"

David who? David Moyes, der in 15 Jahren als Trainer keinen einzigen Titel gewonnen hat, beerbt die Legende Alex Ferguson bei Manchester United. Wer ist dieser Mann?

Manchester. Es ist keine zwei Monate her, da soll einer der Klub-Direktoren von Manchester United bei der Vorstellung, dass David Moyes den großen Teammanager Alex Ferguson beerben würde, in schallendes Gelächter ausgebrochen sein. Nie im Leben, soll der Mann geantwortet haben, berichtete die Zeitung The Guardian. Moyes ist wie Ferguson Schotte, ja er stammt sogar wie der Sir aus Glasgow. Doch hier enden auf den ersten Blick die Gemeinsamkeiten. Ferguson hat als Teammanager allein von ManUnited 38 Titel geholt. Und Moyes gewann in über elf Jahren beim FC Everton: nichts!

Parallelen bei Ferguson und Moyes

Dennoch ist Moyes eine naheliegende Wahl. Ferguson hat ihn als seinen Erben empfohlen - und er weiß, warum: Bereits vor 15 Jahren, Moyes war damals ein 35 Jahre alter Trainer-Neuling bei seinem letzten Klub als Spieler, Preston North End, wollte er ihn als Assistent zu sich holen. Die beiden trafen sich, doch Ferguson empfand den jungen Coach als "too intense", wie Moyes später mal erzählte, also als zu angestrengt, zu heißblütig - und entschied sich für Steve McClaren.

Zu heiß? Darin ist Moyes seinem Landsmann Ferguson durchaus ähnlich. Die Sun nannte ihn in Anlehnung an Fergusons Spitznamen ("Föhn") am Freitag "Heir-dryer", etwa: Erb-Föhn. Auch Moyes kann laut werden - und das ist nicht die einzige Parallele.

Wie Ferguson gilt Moyes als Mann der Prinzipien. Sein Vertrag in Everton lief aus, aber er habe eigentlich bleiben wollen, sagte er am Freitag bei der ersten Pressekonferenz nach der Bekanntgabe des Wechsels. Doch als Ferguson kam, habe er schlicht nicht widerstehen können. Es passt zu Moyes, dass er die neue Saison in Everton schon durchgeplant hat. "Dieser Klub spielt um Europa mit", sagte er.

Das ist es wohl, was Ferguson mit "tadelloser Integrität" und "großer Arbeitsmoral" meinte, die er seinem Landsmann attestierte. Er, der große Sir, bewundere Moyes' Arbeit seit langem, sagte er, "er hat alle Qualitäten, die wir von einem Manager erwarten".

Moyes ist nicht "special"

Ferguson und United schätzen in erster Linie die Eigenschaften Verlässlichkeit und Ehrlichkeit, die Moyes zugeschrieben werden. Der Neue sei charakterfest und stehe für Stabilität, sagte Klub-Ikone Bobby Charlton, "und Stabilität schafft Erfolg". Deshalb hat United Moyes mit einem Sechsjahresvertrag ausgestattet, der angeblich mit 33 Millionen Pfund (39 Millionen Euro) dotiert ist.

Die Entscheidung für Moyes - und gegen José Mourinho - ist auch eine für den britischen Fußball, der sich in den vergangenen Jahren nach Meinung vieler Traditionalisten an Ausländer wie Arséne Wenger, Rafa Benítez oder Mourinho verkauft hat. Moyes' "größtes Verbrechen" sei es, nicht "special", nicht besonders zu sein (wie Mourinho), schrieb die Daily Mail. Aber Moyes sei ein Nerd, ein Fußball-Verrückter.

Wie Ferguson. Dessen Erbe sprach von einer großen Ehre, er wisse, "wie schwer es werden wird, dem besten Manager zu folgen, den es je gab". Seine Frau Pamela sowie die Kinder David (22) und Lauren (19) werden dem dreimaligen englischen Trainer des Jahres (genau so oft wie Fergsuon) beistehen, das geliebte Golfen wird für Zerstreuung sorgen.

Viel Arbeit für neuen Teammanager

Mit Amtsantritt wartet auf Moyes, dessen größte Erfolge mit den Toffees Platz vier 2005 und der Einzug ins FA-Cup-Finale 2009 sind, jede Menge Arbeit. Die Spieler Leighton Baines und Marouane Fellaini könnte er mitbringen, aus der Traum-Rückkehr von Cristiano Ronaldo dürfte nichts werden. Und er muss Wayne Rooney zum Bleiben bewegen. Moyes machte Rooney vor elf Jahren zum Profi und hat sich nach einem späteren Rechtsstreit mit dem Stürmer inzwischen wieder versöhnt.

Das Beispiel Rooney belegt Moyes' Mut und Blick für Talente. Er selbst blickt auf eine bescheidene Spieler-Karriere zurück: Bereits mit 22 Jahren bereitete er sich auf seine Trainer-Laufbahn vor. Die führt ihn jetzt mit 50 auf den Gipfel. Als siebter Schotte wird er ManUnited übernehmen. Fergusons Fußstapfen sind riesig, größer noch als die des legendären Matt Busby. Auf den folgte Wilf McGuinness, später Frank O'Farrell. Schon mal gehört? Tja.

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