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Christian Streich beendet "Trauerarbeit" und bleibt dem SC Freiburg treu

Christian Streich hat seinen Vertrag beim SC Freiburg "langfristig" verlängert. Der Kultcoach blickt trotz des Abgangs eines Quartetts positiv in die Zukunft.

Freiburg. Die "Trauerarbeit" ist beendet, ein Zeichen gesetzt: Christian Streich hat seinen bis 2014 laufenden Vertrag beim Fußball-Bundesligisten SC Freiburg wie erwartet vorzeitig verlängert. Per Handschlag hatten sich beide Seiten bereits vor einer Woche über die Fortsetzung der fruchtbaren Zusammenarbeit geeinigt - obwohl die Erfolgsmannschaft des Sport-Clubs am Ende der Saison auseinanderbricht.

Vertragsdauer geheim

"Langfristig" sei der Vertrag, sagte der Vereinsvorsitzende Fritz Keller am Freitag stolz. Es passt ins Bild des etwas anderen Klubs, dass im Breisgau seit jeher die Dauer der geplanten Zusammenarbeit geheim bleibt. Streich hat damit einen Tag vor dem Auswärtsspiel bei der bereits als Absteiger feststehenden SpVgg Greuther Fürth (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) Nägel mit Köpfen gemacht. "Bedingungen" habe er nicht gestellt, erklärte der 47-Jährige. Mit einem Sieg am Samstag könnten seine Jungs nachziehen und den Einzug in die Europa League vorzeitig besiegeln.

Keine weiteren Verkäufe bei Freiburg

Eine erleichternde Nachricht für Streich gab es - vielleicht als Belohnung für die Unterschrift - bereits von Keller. Der Klubboss kündigte an, dass keine weiteren Spieler mehr verkauft werden. Es soll ein Ende haben mit dem personellen Aderlass, den der "Fluch des Erfolges" ausgelöst hatte. Jan Rosenthal, Johannes Flum (beide Eintracht Frankfurt), Daniel Caligiuri (VfL Wolfsburg) sowie Max Kruse (Borussia Mönchengladbach) werden den Verein nach der Saison verlassen. "Wir brauchen kein Geld. Wir brauchen eine schlagkräftige Mannschaft. Das ist unsere wichtigste Aufgabe", sagte Keller.

Streich gab zu, dass ihn die Abgänge nicht nur aus sportlicher Sicht schmerzen. "Wenn man mit Menschen lange zusammengearbeitet hat, sie mag und sie dann gehen, dann ist man traurig", meinte der Kultcoach und bezeichnete den Prozess als "Trauerarbeit". Doch er ist sicher: "Hier geht jetzt nicht alles den Bach runter."

"Wir haben noch Spieler, die auf einem guten Weg sind"

Streich hat mehr oder minder akzeptiert, dass sein SC Freiburg ein Ausbildungsverein ist. Vor der nächsten Saison ist dem Metzgersohn mit dem unverkennbar alemannischen Dialekt nicht bange. "Wir haben noch Spieler, die auf einem guten Weg sind", sagte Streich und nannte Verteidiger Immanuel Höhn (21) als Beispiel. Der Coach weiß, dass seine Arbeit Grundlage für die Existenz des Sport-Clubs ist, dass gut ausgebildete Spieler die Einnahmen bringen, "von denen wir hier leben können in der Fußball-Schule".

Streich hat die Breisgauer binnen eineinhalb Jahren von einem Abstiegskandidaten zu einer Mannschaft auf dem Sprung ins internationale Geschäft geformt. Dabei ist er sich stets treu geblieben. Bayern Münchens Erfolgstrainer Jupp Heynckes bezeichnete Streich jüngst als "Freiburgs besten Mann".

"Exot" Streich

Im sonst so geschliffenen Glamourgeschäft Bundesliga braucht es Exoten wie den 47-Jährigen, der nach der Ausbildung zum Industriekaufmann sein Abitur nachholte und danach Germanistik, Sport und Geschichte auf Lehramt studierte. Der lokale Sender TV Südbaden und die Badische Zeitung widmeten ihm sogar die Rubrik "Streich der Woche".

Für den Coach scheint Freiburg eine Leidenschaft zu sein. "Dass Leute im Lokal bei einem Spiel von uns eine Stunde vor dem Anpfiff keinen Platz mehr bekommen, das ist für die Leute schade - aber für mich ist es toll", sagte Streich und schlug vor: "Man kann sich ja auch auf den Schoß setzen."

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