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Nach 14 Jahren bei Werder Bremen könnte Schluss sein für Thomas Schaaf. Passiert das Unmögliche? Muss die Bremer Legende das Feld räumen? Eigentlich undenkbar!

Bremen. Thomas Schaaf hat immer gewusst, dass diese wunderbare Geschichte einmal zu Ende gehen wird. "Im Grunde habe ich heute auch meine Entlassung unterschrieben", sagte der knurrige Trainer vor genau 14 Jahren - als er sein Amt bei Werder Bremen übernahm. Ganz so weit ist es zwar noch nicht, aber dass überhaupt über einen Rausschmiss der Legende an der Weser getuschelt wird, grenzt schon an eine Sensation. Den Erfolgstrainer von einst scheint das Glück verlassen zu haben. Nach 5114 Tagen auf der Bank kämpft Werder wieder gegen den Abstieg. Wie im Sommer 1999. Mit Schaaf.

Vor der Saison "haben wir den Kader verändert. Und die Altersstruktur. Und das System. Also das Schlimmste, was man mit einer Mannschaft machen kann", sagte der Jubilar vor dem nächsten Abstiegskrimi gegen Eintracht Frankfurt am Samstag (15.30). Dennoch habe Werder zunächst überall gute Kritiken erhalten. "Die Ergebnisse haben dann nicht gepasst. Deswegen sind wir jetzt in dieser Situation", sagte er. Die 2. Liga droht - angesichts von nur drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Wird jetzt der "Roland vom Marktplatz gehauen"?

Vom Europapokal ist längst nicht mehr die Rede, und so haben auch in Bremen längst die Diskussionen um den Trainer begonnen. Das schien lange so unvorstellbar wie eine Frau als Papst. Denn Schaaf ließ über Jahre spektakulären und sehr erfolgreichen Fußball spielen, er gehört längst zu Bremen wie die Weser und der Roland - Schaaf ist so etwas wie der fünfte Stadtmusikant. Nur sein Lehrmeister "König" Otto Rehhagel herrschte in Bremen länger als er. "Bevor Thomas entlassen wird, hauen sie den Roland vom Marktplatz", sagte einmal der ehemalige Werder-Boss Jürgen L. Born.

Doch diese guten alten Zeiten sind wohl beendet. Der neue Sportdirektor Thomas Eichin vermeidet ein Treuebekenntnis zu Schaaf und spult seit Wochen die gewohnten Worthülsen ab: "Thomas hat einen Vertrag bis 2014. Wir bringen jetzt gemeinsam die Saison zu Ende. Dann setzen wir uns hin und diskutieren die Situation. Danach werden wir erklären, was wir machen."

Abstiegsgespenst adé!

Gegen Frankfurt soll am Samstag zunächst einmal das böse Abstiegsgespenst vertrieben werden. Genau wie vor 14 Jahren am 11. Mai beim 1:0 gegen Schalke 04 - dem ersten Spiel von Schaaf auf der Werder-Bank.

1999: US-Präsident Bill Clinton durfte nach seiner Sex-Affäre im Amt bleiben, die Deutschen zahlten noch mit D-Mark, Tennis-Göttin Steffi Graf trat zurück - und Bremen erlebte die letzten Tage der chaotischen Ära nach dem Abschied von Rehhagel. Felix Magath, der vierte Trainer in vier Jahren, wurde vom Hof gejagt, Schaaf eher zufällig inthronisiert. "Wir mussten ruckzuck handeln, und da blieb nur Thomas Schaaf", sagte Werder-Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer. Ein Glücksgriff.

Schaaf führte Werder in die erfolgreichste Ära der Vereinsgeschichte, er gewann 2004 das Double, 1999 und 2009 den Pokal und etablierte die Grün-Weißen als Stammgast in der Champions League. Längst ist er eine Institution des Klubs, 52 Jahre alt, seit 41 Jahren Vereinsmitglied. Viele Fans sind überrascht, dass er in Mannheim zur Welt gekommen ist. Schließlich sind sie in Bremen überzeugt, Schaaf sei der Weser entstiegen.

"Thomas kennt sogar die verschiedenen After-Shaves der Spieler", sagte der jetzige Aufsichtsrats-Chef Willi Lemke einmal über ihn. Doch Schaaf hat immer gewusst, dass seine wunderbare Geschichte in Bremen eines Tages zu Ende gehen wird.

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