Fehlwirtschaft: Ajax ist gezwungen Luis Suarez zu verkaufen
Laut Informationen des renommierten und seriösen holländischen Sportmagazins Voetbal International muss Ajax Amsterdam Luis Suarez aus finanziellen Gründen verkaufen. Chefredakteur Johan Derksen bestätigte seinen Eindruck live in einer Fernseh-Talkrunde.
Von François DUCHATEAU
Amsterdam. Durch das Ausbleiben sportlicher Erfolge seit dem Weggang von Trainer Louis van Gaal im Jahr 1997 hat der niederländische Rekordmeister nun mit finanziellen Engpässen zu kämpfen. „Der Verein lebt auf großem Fuß, doch spielt seit 2005 nicht mehr in der Champions League“, analysiert Tommy Vaneldik, Chefredakteur von Goal.com-Niederlande die Lage beim Traditionsverein und kramt ein Zitat von Finanzdirekt Jeroen Slop aus dem Monat August aus: „Ajax Amsterdam hat eine Champions-League-Jacke an, aber hat nur den Körper eines Europa-League-Teilnehmers.“ Ein ähnliches Schicksal, dass mit dem sich Schalke 04 nun herumplagt. Auch „Königsblau“ hat großzügig mit der „Königsklasse“ kalkuliert und investiert, wurde sportlich diesen hochgesteckten Zielen jedoch nicht gerecht.

Eine Weltmannschaft musste verkauft werden, um den Club über Wasser zu halten
Wie schlimm es um Ajax Amsterdam steht, beweisen die jüngst publizierten Bilanzen. Zwar machte der Club vergangene Spielzeit „nur“ gut drei Millionen Miese, aber wenn man bedenkt, dass lediglich für Demy de Zeeuw (8 Millionen) in diesem Sommer Geld ausgeben wurde und dem Megaverkäufe von Thomas Vermaelen (für 13 Millionen € zum FC Arsenal) und Klaas-Jan Huntelaar (für 27 Millionen € zu Real Madrid, plus weitere 7 Millionen für den direkten Weiterverkauf an den AC Mailand) gegenüberstehen, kann man begreifen, warum während der letzten Dekade Verkäufe von Spitzenspielern eines Kalibers Zlatan Ibrahimovic, Wesley Sneijder, Rafael van der Vaart, Mido, Nigel de Jong, Ryan Babel, Zdenek Grygera, Johny Heitinga, Christian Chivu, Maxwell und Andy van der Meyde zur Sanierung des Clubs herhalten mussten. Hätte man nur einen Teil der Spieler länger halten können, hätte Ajax Amstedam wohl keine sportlichen Probleme gehabt.
Beispiel Sulejmani: Das 62-fache an Ablöse nach zwölf Monaten bezahlt

Doch woher kommen solche Finanzlöcher? „Der Verein hat seit van Gaal 1997 unzählige Trainer verschlissen“, so Vaneldik. Durch plötzliche Entlassungen liefen teilweise sogar mehrere Trainerverträge in voller Höhe gleichzeitig - von den Abfindungen ganz zu schweigen. „Nach jedem teuren Abschied wurde jedem neuen Coach erlaubt, seine Wunschspieler nach Amsterdam zu lotsen. Das waren allgemein eher teurere Jungs, die Ajax sehr viel gekostet haben.“ Jüngstes Beispiel: Miralem Sulejmani. Ajax hätte das serbische Talent im Sommer 2007 für läppische 260.000 € von Partizan Belgrad verpflichten können. Doch dem Verein war das Risiko zu groß. Stattdessen griff der SC Heerenveen zu. Der Linksfuß spielte eine bärenstarke Saison bei den Friesen, absolvierte alle 34 Spiele, erzielte 14 Tore und legte 14 Treffer vor. Ajax’ damals neuer Übungsleiter Marco van Basten bekam daraufhin den Senkrechtstarter der Eredivisie als Startgeschenk versprochen. Mit der Forderung von 16,5 Millionen € hatten die Amsterdamer nur wenige Monate nach ihrem Scouting jedoch plötzlich kein Problem mehr. Heute unter Martin Jol sitzt Sulejmani meist nur auf der Bank.
71 (!) laufende Verträge – die Gehälter werden zum Verhängnis

Uri Coronel hat einige Fehlinvestitionen zu verantworten
Dabei wäre Luis Suarez gerne geblieben
Nachdem der Hauptstadtclub seit 2005 nicht mehr in der Champions League spielt „müsste nun eigentlich ein Umbruch folgen“, so Vaneldik. „Doch deren Problem ist, dass man diese Spieler nicht loswird, da kaum ein anderer Verein solche Bezüge zahlen kann und will – geschweige denn, dass die Spieler sich auf ein geringeres Gehalt einlassen.“ Albert Streit lässt grüßen. „Ex-Vorsitzender Uri Coronol hat viele der vergangenen Fehlentscheidungen zu verantworten“, fügt der holländische Redakteurskollege Wout Stravers hinzu.“ So lange man solche teuren Transferflops nicht loswird, müssen andere wohl den Hals hinhalten. Laut den aktuellen Recherchen von Voetbal International wird es wohl darauf hinauslaufen, dass Luis Suarez spätestens im Sommer verkauft werden muss, um den Haushalt des Vereins ausgeglichen zu halten. Neben Manchester City, dem FC Barcelona, Inter und AC Mailand hat sich nun wohl auch Manchester United nach dem Stürmer aus Urguay mit der bestechenden Torquote erkundigt. Wie Goal.com berichtete, hat Ajax Amsterdam jüngst seine Ablöseforderung für den 22-Jährigen auf 40 Millionen € dotiert. Bitter an der ganzen Sache ist eigentlich nur, dass der Kapitän mit Herz und Seele für den Traditionsverein spielt und sogar von sich aus eine Vertragsverlängerung angeboten hat. Dazu wird es aber wohl leider nicht kommen, denn wer weiß, ob der Mega-Verkauf von Suarez überhaupt ausreicht, um die Finanzlöcher für ein weiteres Spieljahr zu stopfen.
Was sagt ihr zu den Zuständen bei Ajax Amsterdam? Wie geht es nun mit Luis Suarez weiter? Welcher Club sollte sich die Dienste des Südamerikaners sichern? Wie viel Geld würde wohl ein Transfer in die marode Ajax-Kasse spülen?
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