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Der General ist abgetreten, doch Wehmut kommt bei ihm angesichts des idealen Rahmens nicht auf. Hitzfeld lobt die Kleinen und macht eine neue, offensive Mentalität im Fußball aus.

Berlin. Ottmar Hitzfeld ist mit einer Niederlage von der Fußballbühne abgetreten, doch es war eine, die sich wie ein Sieg anfühlte. Nicht nur die Schweiz präsentierte sich bei der Weltmeisterschaft in Brasilien in guter Verfassung, der frühere Bayern-Trainer lobt auch die Leistungen der vermeintlich Kleinen, die die Kräfteverhältnisse im Weltfußball verschoben hätten. Auf die eigene Karriere blickt er mit Stolz.

Hitzfeld betonte gegenüber Sport Bild, bei dieser WM hätten "kleinere Nationen gemerkt, was man mit Geschlossenheit, mit Willen und Leidenschaft erreichen kann - wie zum Beispiel Costa Rica." Der 65-Jährige kam deshalb zu dem Schluss: "Die Fußballwelt ist jetzt noch enger zusammengerückt."

Positiv merkte der frisch pensionierte Spitzentrainer zudem an, dass sich "die Mentalität vieler Länder bei dieser WM geändert" habe, hin zur offensiveren Interpretation ihrer Spielweise. Die Zahlen geben ihm recht: Nachdem der Torschnitt während der Vorrunde zweitweise bei mehr als drei Treffern pro Spiel lag, liegt er mit aktuell 2,7 Toren nach 61 von 64 Spielen noch immer klar über dem Wert von 2010 (2,3 Tore).

Hitzfeld: Klima beteiligt an der Torschwemme

"Dass so viele Tore gefallen sind, hat aber auch damit zu tun, dass aufgrund der klimatischen Verhältnisse mehr Konzentrationsfehler und dadurch auch Fehler im Spiel gemacht wurden als normalerweise", merkte Hitzfeld jedoch an, die Torflut nicht überbewerten zu wollen.

Mit der Leistung der von ihm letztmals betreuten Eidgenossen hingegen zeigte sich der Lörracher uneingeschränkt zufrieden. "Unsere Art, Fußball zu spielen, hat den Fans sehr viel Freude bereitet und einen Hype ausgelöst", so Hitzfeld, der sein Team nach der 2:5-Niederlage gegen Frankreich wieder aufrichtete und denkbar knapp im Achtelfinale an Argentinien scheiterte.

"Alles perfekt inszeniert"

"Wir haben einen der Topfavoriten an den Rand einer Niederlage gebracht - darauf können wir alle stolz sein", sagte der frühere Meistertrainer, der mit der Bühne seines nun erfolgten Abschieds aus dem aktiven Geschäft mehr als glücklich ist: "Es gibt keinen besseren Rahmen, als mit einer solchen Leistung bei einer WM in Brasilien abzutreten. Das war alles perfekt inszeniert."

"Ich bereue wirklich nichts, und darauf bin ich stolz", so das abschließende Fazit seiner Karriere, die er nun abseits des Platzes auf seine Art fortsetzen werde: "Ich werde weiter als TV-Experte arbeiten, Vorträge halten - um mich braucht sich niemand Sorgen zu machen, mir wird sicher nicht langweilig."

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