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Frankreich ist tot, es lebe Frankreich. Auch wenn es nach dem WM-Aus noch keiner hören wollte: Dank Geschlossenheit und Teamgeist hat die "Equipe" wieder eine positive Zukunft.

Rio de Janeiro. Die verheißungsvolle Zukunft war kurz nach dem Scheitern noch weit weg. Mit leeren Gesichtern liefen die französischen Nationalspieler einer nach dem anderen durch den Bauch des Maracana, beschäftigt mit der nüchternen Gegenwart und der unmittelbaren Vergangenheit. Der schüchterne Einwurf von Kapitän und Torwart Hugo Lloris, der Auftritt in Brasilien "werde in Zukunft ein Gradmesser sein", interessierte da noch niemanden.

"Wir sind gerade einfach tot", sagte der starke Flügelspieler Mathieu Valbuena nach dem 0:1 (0:1) im Viertelfinale gegen Deutschland - er sprach sich und seinen 22 Mannschaftskollegen damit aus dem Herzen. Der weitgehend gefasste Nationaltrainer Didier Deschamps klang nach dem Spiel bei seinem Bericht aus der Kabine kurz wie ein Krisenreporter: "Es gab Enttäuschung, Frust, Traurigkeit. Dieses Gefühl kann ich den Spielern nicht nehmen." Les Bleus hatten den Blues.

Sie waren nah dran am WM-Halbfinale, darin waren sich Spieler und Trainer einig. "Der Unterschied war nicht groß", behauptete Deschamps und ergänzte: "Wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, die große Erfahrung hat, und sie haben ein Tor nach einer Standardsituation erzielt." Das reichte, weil Frankreich seine Chancen eben nicht nutzte. Für Valbuena fehlte dazu schlicht und einfach die "Gerissenheit".

Mit Substanz und richtiger Einstellung Richtung Heim-EM

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Frankreich zumindest den Albtraum der WM 2010 in Südafrika hinter sich gelassen hat. Damals hatte der öffentliche Aufstand der Spieler gegen Trainer Raymond Domenech die Grande Nation noch mehr geschockt als das peinliche Vorrunden-Aus, es dauerte dreieinhalb Jahre, ehe die Narben von damals langsam verheilt waren. Der Wendepunkt war das Rückspiel in den WM-Play-offs gegen die Ukraine: Am 19. November 2013 gewann die Equipe Tricolore in Paris mit 3:0, nachdem sie das Hinspiel 0:2 verloren hatte.

Die Weltmeisterschaft, die in Rio de Janeiro ein jähes Ende gefunden hat, dient Deschamps nun als Mutmacher. "Wir haben sehr viel Gutes gesehen, ich bin stolz." Darauf will er bis zur EM-Endrunde 2016 im eigenen Land nun aufbauen: "Es gibt eine Gruppe, die seit dem Ukraine-Spiel entstanden ist. Es ist die Substanz da und die Einstellung stimmt."

Was passiert mit Ribery und Nasri?

Frankreich hatte seit diesen tagen im vergangenen November wieder zu sich selbst gefunden. Das Kollektiv steht über dem Einzelnen. Das nährt den Optimismus - könnte für Spieler wie den in Brasilien verletzt fehlenden Superstar Franck Ribéry aber auch zu einem Problem werden. Wohl sicher keine Zukunft hat der vor der WM ausgebootete Samir Nasri, dessen Freundin nach dem Achtelfinal-Aus hämisch twitterte: "Ups! Deshalb braucht ihr eure Weltklassespieler."

Gerade angesichts der früheren Alleingänge und Extravanganzen betont Deschamps nun auch die positive Außendarstellung: "Ich bin sehr stolz, was meine Spieler auf und außerhalb des Spiels abliefern." Er muss es wissen, 1998 wurde er auch dank dieser Qualitäten selbst Weltmeister. Eine glorreiche Vergangenheit, die sich wiederholen soll - auch wenn daran noch keiner denken mag.

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