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Thomas Müller: "Wir sind viel besser als 2010!"

Für den Offensivmann hat die DFB-Elf seit der WM vor vier Jahren einen gewaltigen Sprung gemacht. Die harsche Kritik am Auftritt gegen Algerien kann er nur bedingt verstehen.

Santo Andre. Thomas Müller ist einer der Spaßvögel im deutschen WM-Team – immer liegt dem Ur-Bayern ein flotter Spruch auf den Lippen, stets versprüht er mit seinem Lausbubencharme gute Laune. Doch die harsche Kritik, die nach dem erst in der Verlängerung erzwungenen Weiterkommen gegen bissige Algerier auf die Nationalelf einprasselte, ging auch an Frohnatur Müller nicht spurlos vorüber. Im Gespräch mit dem Kicker war ein anderer Thomas Müller zu hören, einer bei dem bei all den markigen Worten auch mal ernstere Zwischentöne anklingen.

Die Unzufriedenheit mit dem – vor allem in der ersten Hälfte – phlegmatischen und ängstlichen Deutschen Spiel kann der 24-jährige Offensivallrounder nicht hundertprozentig nachvollziehen. "Mit inhaltlicher und sportlicher Kritik kann ich sehr gut leben. Was ich nur nicht haben kann, ist die Art und Weise, wie es formuliert wird und wie wir dargestellt werden", gibt er erregt zu Protokoll.

Vor allem das Wort "Schande", dass durch den Blätterwald rauschte, empfindet der Spieler vom FC Bayern München als maßlos überzogen: "Schande sieht anders aus. Man hatte schon das Gefühl, dass wir uns entschuldigen mussten fürs Weiterkommen ins Viertelfinale."

Auch mal "dreckige" Siege

Dass seiner Meinung nach mit zweierlei Maß gemessen wird, ärgert den WM-Torschützenkönig von 2010 besonders. "Wenn die Italiener so ein Spiel gewinnen, heißt es: Was sind das für clevere Hunde. Bei uns ist es der Untergang des Weltfußballs", redet er Klartext. Auch dass der misslungene deutsche Freistoßtrick international ein höhnisches Echo erntete, kümmert ihn nicht. "Natürlich fliegt es einem um die Ohren, wenn es nicht funktioniert. Wenn der Lupfer 30 Zentimeter höher kommt, stehe ich frei vor dem Tor. Ich fand, die Aktion war richtig geil", kommentiert er mit einem Schmunzeln.

Doch Müller wäre nicht Müller, würde er die Sache nicht auch differenzierter betrachten. "Die erste Halbzeit war wirklich schwach. Wir haben in allen Mannschaftsteilen Fehler gemacht", gibt er offenherzig zu, fügt aber sofort an: "Aber wir haben das Spiel gewonnen. Ich glaube nicht, dass die Fans in Deutschland nach dem Spiel aufgestanden sind mit der Meinung: Mit der Gurkentruppe holen wir eh nichts."

Im Gegenteil, die DFB-Elf habe endlich das Durchsetzungsvermögen gezeigt, dass ihr von diverser Seite bereits vielfach abgesprochen wurde. In Müllers Worten: "Wenn wir spielen wie die Ballerinas, ist es nicht recht. Und wenn wir uns den Arsch aufreißen, auch nicht."

Deutlich besser als 2010

Überhaupt hätte das Team von Joachim Löw einen gewaltigen Sprung gemacht. "Wir sind viel besser als 2010, es wäre lächerlich, etwas anderes zu behaupten", lässt der gebürtige Weilheimer verlauten. "Wir hatten nicht die Qualität wie jetzt, wir konnten kein Spiel von hinten aufziehen. Wir mussten hinten drinstehen und kontern. Gegen Argentinien haben wir mit drei Mann Messi verfolgt. Jetzt sind wir viel weiter: Unsere WM bis jetzt ist viel souveräner als 2010."

Alle Konzentration gilt bei Deutschlands Ausnahmestürmer dem Viertelfinale gegen bisher stark auftretende Franzosen. "Wir müssen an einigen Schrauben drehen, um mal ein richtig gutes Spiel auf den Platz zu bringen", fordert Müller im Angesicht der schwierigen Partie.

Entgegenkommen dürfte Deutschland dabei, dass die Franzosen wohl kaum wie Algerier und Ghanaer mit einem massiven Abwehrbollwerk auftreten werden. "Die werden uns nicht den Ball zuspielen und sagen: Kommt, macht mal. Die haben genügend Spieler in ihren Reihen, die sich unwohl fühlen würden, wenn sie erst in der eigenen Hälfte attackieren dürften", kommentiert der 24-jährige Bayer gewohnt flapsig. Außerdem agiere die Elf von Joachim Löw schon fast traditionell "unter Druck wesentlich besser".

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