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Frankreichs Gegenwart und Zukunft: Paul Pogba heiß begehrt

Der Mittelfeld-Schlaks ist nicht erst seit dem umstrittenen Wechsel von ManUnited zu Juve in aller Munde. Auch wenn die WM-Leistung ausbaufähig ist, wollen alle das Mega-Talent.

Schon Paul Pogbas Debüts hatten etwas von Wachablösung: In Manchester Uniteds Startelf kam er erstmals für Legende Ryan Giggs auf das Feld. Nachdem er zu Juventus Turin gewechselt war, ersetzte er in der 78. Minute eines Freundschaftsspiels gegen Benfica Andrea Pirlo.

Zwischen diesen Premieren-Einsätzen lag nicht einmal ein Jahr - und ein riesiges Transfer-Theater, das den ablösefreien Abgang des Jungstars in die Serie A begleitet hatte. Zurück blieb ein verärgerter Sir Alex Ferguson, der konstatierte: "Das ist enttäuschend. Er hat uns keinen Respekt gezeigt."

Pogba wollte spielen und befürchtete, diese Möglichkeit im Kader des englischen Rekordmeisters nicht ausreichend eingeräumt zu bekommen. In vier Jahren United war die Startelf auch am Ende nie wirklich in Sicht, weshalb er, gewürzt mit entsprechenden Statements ("Ich verdanke Sir Alex rein gar nichts"), den Sprung nach Italien wagte.

"Golden Boy" 2013

Der Hype um den im französischen Lagny-sur-Marne geborenen Hochbegabten ist seitdem nicht kleiner geworden. Dazu trugen Dekorationen mit dem Titel des besten Spielers der U20-WM 2013 sowie die Wahl zum "Golden Boy", dem besten jungen Profi Europas, im Dezember bei.

Und die Erwartungen wusste er durchaus zu erfüllen. Die erste Saison bei Juventus verlief gut für ihn, am Ende standen fünf Tore zu Buche, doch die Statistik, die 51 Schussversuche in 27 Spielen auflistet, deutet auf eine seiner Stärken hin: Pogba zieht gerne ab, und das beidfüßig.

Technisch bringt er alles mit, hat die Statur und Fähigkeit sich durchzusetzen, gleichermaßen verkörpert sein Spiel Eleganz und Grazie, die man kaum erlernen kann, sondern in die Wiege gelegt bekommen muss. Sein Spitzname "Il Polpo Paul" - Krake Paul - kommt da nicht von ungefähr: Mit langen Extremitäten ist er ausgestattet, doch auch mit dem Gefühl für Raum, Ball und Körper.

Nicht nur Chelsea ist heiß auf Pogba

Dazu ist Pogba mit 21 natürlich längst nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen. In der zweiten Saison bei Juve legte er neben sieben eigenen Treffern auch siebenfach auf, zwei Meisterschaften in zwei Jahren gab es obendrauf. Seine Spielweise rief die ganz Großen auf den Plan, jüngstes interessiertes Team ist der FC Chelsea, wie Goal exklusiv berichtete, doch Pogbas flamboyanter Berater Mino Raiola wiegelt meist konsequent ab.

Die WM ist noch nicht zur Bühne Pogbas geworden, wie er sich selbst das vielleicht vorgestellt hat: Einmal recht früh ausgetauscht, einmal gegen die Schweiz erst spät gekommen, dabei laut Nationalcoach Didier Deschamps "geschont". Zudem gab es Kritik nach einem heißblütigen Auftritt gegen Honduras, wo er mit Gelb vorbelastet nach nicht einmal einer Stunde vom Platz geholt wurde, weil er nach einem Wortgefecht mit Wilson Palacios durchaus gefährdet war, vom Feld zu fliegen. "Paul muss sich besser kontrollieren. Er darf sich nicht provozieren lassen. Wir können nicht mit zehn Mann das Spiel beenden", so Deschamps anschließend.

"Werde niemals ein Star sein"

Jugendlicher Übermut? In seinem zweiten Länderspiel letztes Jahr gegen Spanien sah er innerhalb von drei Minuten zweifach Gelb, er, der abseits vom grünen Rasen zwar als selbstbewusst aber keinesfalls unbeherrscht gilt. In Statements schwankt er bisweilen zwischen forsch ("Ich kann den Ballon d'Or holen") und zurückhaltend ("Ich will kein Star sein - ich werde niemals ein Star sein").

Bislang ist eine Torvorlage bei dieser WM auf seinem Konto, und gegen Nigeria (18 Uhr im LIVE-TICKER) in der K.o.-Runde geht das Turnier ohnehin erst in die richtig heiße Phase.

Die WM als Schaufenster nutzen muss Pogba nicht, längst ist er einer der begehrtesten Rohdiamanten in Europa, nach dem die Spitzenklubs sich die Finger lecken. Ob und wann der berühmte nächste Schritt erfolgt, bleibt abzuwarten. Doch bis dahin wird jeder Freund des gepflegten Balles den Nachfolger der Stars in der Equipe Tricolore verfolgen, wie er in den großen Fußstapfen Zinedine Zidanes und Patrick Vieras zurechtkommt. Und die WM könnte für Frankreich und Pogba durchaus noch ein Weilchen andauern.

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