thumbnail Hallo,

Nigerias Verantwortung für den Kontinent

Der Prämienstreit ist angeblich beigelegt, die Trainerdiskussion und Bombenanschläge in der Heimat trüben aber Nigerias Vorbereitung auf das Achtelfinale gegen Frankreich.

Brasilia. Nachdem Nigerias Staatspräsident Goodluck Jonathan die Nationalspieler mit bewilligten Prämienzahlungen von 3,805 Millionen Dollar glücklich gemacht hatte, nahmen auch die Super Eagles die Vorbereitungen auf das WM-Achtelfinale auf. Eine nervige Trainerdiskussion und Schreckensnachrichten von Terroranschlägen aus der Heimat trüben aber weiterhin die Stimmung beim Afrikameister vor dem Duell mit Frankreich am Montag (18.00 Uhr MESZ im LIVE-Ticker) in Brasília.

Trainer Stephen Keshi schwor nach Beendigung des Streiks sein Team auf die Begegnung mit dem ehemaligen Weltmeister ein: "Wir sind Afrikameister und haben eine kollektive Verantwortung - für unser Land und für unseren Kontinent." Nigeria könnte erstmals nach dem Achtelfinal-Aus 1994 und 1998 in ein WM-Viertelfinale vorstoßen.

"Wir sind hier, um für unser Land zu spielen und Erfolg zu haben", sagte Kapitän Joseph Yobo. Dafür bedurfte es nach dem Trainingsboykott am Donnerstag aber erst einmal die Hilfe des Staatspräsidenten. Das für gewöhnlich gut informierte Internetportal africanfootball.com berichtete von der Zahlung der staatlichen Summe von knapp vier Millionen Dollar. Mannschaftssprecher Ben Alaiya bestätigte immerhin: "Es ist alles geklärt. Wir sollten nicht mehr in die Vergangenheit blicken. Es gibt jetzt kein Problem. Daher hat auch jeder trainiert." John Obi Mikel spielte das Geldthema herunter. "Es war kein großes Thema, es war nur eine kleinere Diskussion", sagte der Spieler des FC Chelsea.

Trainer Keshi genervt

Keshi ist derweil von den andauernden Prämiendiskussionen genervt - und griff dabei auch die Medien an. Er verstehe ja, dass sich manche Menschen einmischen wollen, sagte Keshi, "aber es wäre schön, wenn sie uns in Ruhe arbeiten lassen würden. Die ständig verbreiteten Mitteilungen sind schädlich und stören nur unsere Vorbereitung".

Der 52-Jährige trug aber selbst auch nicht zur von ihm geforderten Ruhe bei. Trotz eines Vertrages bis Ende 2015 gab er Spekulationen über einen vorzeitigen Abgang neue Nahrung. "Es existieren einige Interessenten", gab Keshi zu, als er auf einen möglichen Wechsel nach der WM angesprochen wurde: "Südafrika ist einer davon. Mehr möchte ich dazu nicht sagen."

Nach der Nicht-Berücksichtigung von Nigerias Star Victor Moses in den beiden Gruppenspielen gegen Bosnien-Herzegowina (1:0) und Argentinien (2:3), wurde zudem über einen handfesten Streit zwischen Spieler und Trainer spekuliert. Keshi verweigerte eine klare Aussage zu diesem Thema, teilte am Sonntag lediglich mit: "Er ist okay. Aber es kann nicht jeder spielen."

Terror erschüttert Nigerias Hauptstadt Abuja

Vielleicht quält ihn in diesen Tagen aber auch die angespannte Situation in der gebeutelten Heimat. "Wie groß müssen Siege im Fußball sein, um diese Leben aufzuwiegen?", fragte Keshi nach den jüngsten Schreckensnachrichten aus Nigeria. Ein Bombenanschlag mit mindestens 21 Toten und 17 Verletzten hatte am Mittwoch die Hauptstadt Abuja erschüttert - möglicherweise ein weiterer Akt der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram.

Der Olympiasieger von 1996 will gegen Frankreich dennoch für eine Überraschung sorgen, um dann im Viertelfinale möglicherweise die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw herauszufordern. Michael Babatunde, für den die WM nach seinem Armbruch beendet ist, wird seine Mitspieler dennoch vor Ort unterstützen: "Ich werde für die Mannschaft beten und bin mir sicher, dass Nigeria stolz auf sie sein kann."

Der ehemalige Auswahlspieler Nwankwo Kanu gibt sich ebenfalls optimistisch: "Ich glaube, das französische Spiel liegt uns. Wir können das Viertelfinale erreichen." Für diesen Fall ist die Prämienzahlung angeblich schon geklärt. Für einen Sieg gegen die Franzosen soll es pro Spieler zusätzlich 12.500 Dollar geben.

Dazugehörig