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Suarez: Anwalt sauer - Bisspuren mit Photoshop?

Luis Suarez geht zum Gegenangriff über, sein Anwalt vermutet in der Biss-Affäre eine Verschwörung gegen den Stürmer. Auch der Verband schreitet ein.

Rio de Janeiro. Obwohl die TV-Bilder Luis Suarez weitestgehend entlarven, geht der Uruguayer nach seiner Biss-Attacke gegen Giorgio Chiellini im letzten WM-Gruppenspiel gegen Italien (1:0) über seinen Anwalt zum Gegenangriff über. Er sei in dem Vorfall das Opfer einer Verschwörung, Uruguays Verband vermutet sogar, dass die Bissspuren, die Chiellini im Spiel dem Schiedsrichter zeigte, nachträglich bearbeitet worden seien.

Suarez' Anwalt Alejandro Balbi ist bereits nach Rio geflogen, um vor der Entscheidung der FIFA über eine nachträgliche Sperre seine Sicht der Dinge darzulegen. "Wir haben keinen Zweifel, dass das deshalb passiert ist, weil es Suarez ist und weil Italien ausgeschieden ist. Es gibt jetzt viel Druck aus England und aus Italien", so Balbi gegenüber einem uruguayischen Radiosender.

Demnach würde eine Verurteilung nur wegen der Vorgeschichte seines Klienten stattfinden - Suarez hatte bereits zuvor in seiner Karriere zwei Gegenspieler gebissen: "Wir sind davon überzeugt, dass das eine ganz normale Situation war, denn wenn Chiellini einen Kratzer auf seiner Schulter zeigen kann, kann Suarez eine Prellung und ein beinahe komplett zugeschwollenes Auge zeigen."

Innerhalb der nächsten 24 Stunden will die FIFA eine Entscheidung treffen, ein Sprecher kündigte bereits an, dass die Vorgeschichte des Stürmers ebenfalls in die Bewertung mit einfließen kann. "Wir werden alle möglichen Argumente anbringen, damit Luis bestmöglich da raus kommt", versprach Balbi weiter.

WM für Suarez wohl beendet

Doch die Chancen für Suarez stehen schlecht. Der Guardian spekuliert nach dem Gespräch mit einem ehemaligen FIFA-Insider über eine Sperre von mindestens sechs Spielen. Es müsse lediglich noch geklärt werden, ob sich die Sperre nur auf Länderspiele bezieht, so oder so wäre die WM für den 27-Jährigen gelaufen. Am Samstag trifft Uruguay im Achtelfinale auf Kolumbien, ein schnelles Urteil ist also notwendig.

Neben Anwalt Balbi versucht daher auch Uruguays Verband noch einen Freispruch für seinen Starstürmer zu erwirken. Demnach seien die auf den TV-Bildern klar erkennbaren Bissspuren auf Chiellinis Schulter durch den Einsatz von Photoshop zusätzlich verstärkt worden, um den Fall zu dramatisieren.

"Wenn jeder Spieler jetzt seine Verletzungen zeigt und daraus Befragungen entstehen, wird es in der Zukunft viel zu kompliziert", mahnte Balbi und schoss auch gegen den Gastgeber: "Man darf nicht vergessen, dass wir für viele Rivalen sind und das auch für Brasilien sein können. Das spricht nicht gegen das, was vielleicht passiert ist, aber Suarez ist zweifellos für viele ein Stein im Schuh."

Braucht Suarez psychologische Hilfe?

Neben dem WM-Aus könnten Suarez aber auch weitere Konsequenzen drohen. Gordon Taylor, Geschäftsführer der Professional Footballers' Association, erklärte: "Das ist nicht akzeptabel und es gibt hier ernsthafte Punkte zu klären. Dabei geht es auch um psychische Gesundheit. Das muss er machen, ansonsten fürchte ich um seine Karriere."

Auch die Werbeeinnahmen des Stürmers dürften künftig sinken. Laut dem Guardian trafen sich die Bosse des Sportausrüsters Adidas am Mittwoch in Rio zu einer Krisensitzung und auch die Pokerfirma 888.com überdenkt derzeit ihre Kooperation mit Suarez.

 

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