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Toni Kroos und die Sache mit den großen Spielen

Nach zwei enttäuschenden Turnieren könnte die WM in Brasilien für den FCB-Mittelfeldmann zum großen Wurf werden. Sein Auftritt gegen Portugal war ein erster Schritt.

Santo Andre. Wie sich die Zeiten doch ändern können. Bei den letzten beiden großen Turnieren musste Toni Kroos sich noch zumeist mit der Reservistenrolle begnügen und mit ansehen, wie sich seine Mannschaftskollegen ins Halbfinale vorspielten. In der Runde der letzten Vier durfte der Mittelfeldmann des FC Bayern München dann jeweils etwas länger ran.

Bei der WM 2010 war es eine halbe Stunde, in der er gegen Spanien eine gute Ausgleichschance vergab. Vor zwei Jahren, im Halbfinale der EM 2012, stand der 24-Jährige gegen Italien sogar in der Startelf, er sollte Andrea Pirlo kaltstellen. Jogi Löws Plan ging damals bekanntermaßen nicht auf, sowohl er als auch Kroos standen anschließend in der Kritik. Dem Mittelfeldmann haftete seitdem das Image an, er könne in großen Spielen nicht überzeugen.

Jetzt, bei der WM 2014, ist die Situation eine gänzlich andere. Im Auftaktspiel der deutschen Elf gegen Portugal war Kroos es, der den Vorzug vor der Konkurrenz im Mittelfeld erhielt. Leidtragender war Bastian Schweinsteiger, der vor der WM an einer Entzündung der Kniescheibensehne laborierte und angeschlagen in die Turniervorbereitung ging. "Es ist ganz normal, dass es immer mal wieder Härtefälle geben wird", so Kroos über das Schicksal seines Kollegen.

Spielmacher statt Bankwärmer

Er selbst kennt das nur zu gut. Bei der EM vor zwei Jahren musste der gebürtige Greifswalder Sami Khedira und eben Schweinsteiger den Vorzug geben. Am vergangenen Montag beim 4:0-Sieg aber stand Kroos nicht nur in der Startelf, sondern spielte auch noch eine überragende Partie.

Im Dreier-Mittelfeld neben Khedira und vor Philipp Lahm zeigte er seine Spielmacher-Qualitäten, war an fast jedem Angriff beteiligt. Sein extrem sicheres Passspiel (Quote: 96,2 Prozent), die Ruhe am Ball und der Ideenreichtum waren beeindruckend, Kroos hatte auch unter Bedrängnis so gut wie immer die richtige Lösung parat. Abgerundet wurde das Ganze mit seinem Assist zum 2:0 durch Mats Hummels.

Im Grunde aber bestätigte er gegen Portugal nur das, was er auf Vereinsebene schon seit Jahren abliefert. Deswegen kann er auch nicht wirklich verstehen, wenn ihm vorgeworfen wird, er sei kein Mann für die ganz wichtigen Momente. "Es ist noch nicht so lange her, da war ein Pokalfinale, da lief es ähnlich gut wie auch in vielen Champions-League-Spielen", entgegnete er jüngst leicht angesäuert auf die immer wieder geäußerte Kritik.

Unklare Zukunft bei Bayern

Keine Frage: Der 44-fache Nationalspieler strotzt derzeit nur so vor Selbstbewusstsein. Das wird auch in den Vertragsverhandlungen mit seinem Arbeitgeber deutlich. Der Kontrakt läuft im Sommer 2015 aus, die Münchener wollen unbedingt verlängern. Kroos aber lässt sie zappeln. Manchester United wurde mit ihm in Verbindung gebracht, zuletzt auch Real Madrid. Seinen Vertrag will er aber auf jeden Fall erfüllen.

So ist also offen, wo Kroos ab 2015 spielen wird. Offen ist auch, wo seine WM-Reise mit dem DFB-Team noch hinführt. Klar ist hingegen, dass er am Samstag gegen Ghana wieder in der Startelf steht. Und wenn Kroos und das DFB-Team in den kommenden Partien an die Leistungen aus dem Auftaktspiel anknüpfen können, steht auch auf Länderspielebene bald ein starker Auftritt in einem wirklich großen Spiel auf seinem Haben-Konto. Dann hätte er auch die letzten Kritiker von sich überzeugt.

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