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Für Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose ist in der Nationalmannschaft derzeit kein Platz. Eine ungewohnte Rolle für die beiden Routiniers.

Santo André. Bastian Schweinsteiger war engagiert. Er schoss aus allen Lagen, dirigierte seine Kollegen, war immer anspielbar. Joachim Löw schaute zufrieden zu - beim Training der Reservisten auf dem Platz beim Campo Bahia.

Für den 29-Jährigen eine völlig ungewohnte Situation. Normalerweise ist es Schweinsteiger seit seinem Debüt in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft 2004, aber auch beim FC Bayern gewohnt, als gefeierter Hauptdarsteller aufzutreten. Die WM in Brasilien sieht für den Münchner bislang aber nur eine unbefriedigende Nebenrolle vor.

Da dürfte es für den 101-maligen Nationalspieler auch nur ein schwacher Trost gewesen sein, dass er sich beim glanzvollen Auftakt gegen Portugal (4:0) in prominenter Gesellschaft befunden hatte. Torjäger Miroslav Klose, 36 Jahre alt und mit 132 Länderspielen der erfahrenste Akteur im DFB-Team, saß ebenso 90 Minuten auf der Ersatzbank wie Schweinsteiger. Auch Lukas Podolski (29/115) war nur ein Kurzeinsatz vergönnt.

Bundestrainer Joachim Löw hatte seine Drohung wahr gemacht, auf Einzelschicksale keine Rücksicht nehmen zu wollen. Sehr zum Leidwesen der Routiniers.

Neue Situation für den Vize-Kapitän

Gerade Schweinsteiger ist eine derartige Degradierung fremd. Ist der Mittelfeld-Chef nur halbwegs fit, spielt er auch. Dies war bisher bei Löw, zuletzt aber auch bei den Bayern unter Pep Guardiola Gesetz - auch wenn sich der Vize-Kapitän nach Verletzungen mehr schlecht als recht über die Runden schleppte. An seiner Position wurde nicht gerüttelt.

Es muss Schweinsteiger nach einer überstandenen Entzündung an der Patellasehne deshalb noch mehr getroffen haben, dass Löw nach der Portugal-Gala unumwunden zugab, dass der 29-Jährige "absolut fit" gewesen sei - und dennoch draußen saß. Den Vorzug hatte Sami Khedira von Real Madrid erhalten, obwohl der 27-Jährige nach einem Kreuzbandriss in seinen Bewegungen noch immer nicht ganz rund wirkt.

Khedira hat derzeit die Nase vorne

Er habe sich für Khedira entschieden, erklärte der Bundestrainer, "weil er zuletzt schon ein paar Spiele gemacht hatte". Bastian Schweinsteiger aber habe "in den letzten fünf, sechs Wochen nur 30 Minuten gespielt." Dies war freilich lange Zeit kein Grund, Schweinsteiger nicht aufzustellen. Auch bei der EURO 2012 spielte Schweini, obwohl er sichtlich Probleme hatte. Vielleicht war Löw dies eine Lehre.

Auch für das Spiel gegen Ghana am Samstag (21.00 Uhr MESZ/ARD) in Fortaleza deutete der Bundestrainer schon an, an Khedira festhalten zu wollen. Platz für Schweinsteiger wäre nur, sollte einer der angeschlagenen Abwehrspieler Mats Hummels oder Jerome Boateng ausfallen und Kapitän Philipp Lahm wieder in die Abwehr rutschen. Doch dies erscheint momentan eher unwahrscheinlich.

Also wird sich Schweinsteiger genauso wie Klose, dessen Konkurrent Thomas Müller nach seinen drei Treffern unumstritten ist, weiter gedulden müssen. Und es wird interessant sein, wie beide im weiteren Turnierverlauf auf ihre Zurücksetzung reagieren. Gerade Schweinsteiger, Klose und auch Podolski betonen immer wieder, dass der Erfolg der Mannschaft über allem stehe.

Kein Mitleid von Vereinskollege Lahm

Mitleid von den Kollegen darf zumindest keiner erwarten, schon gar nicht von Lahm, der Schweinsteigers angestammten Platz vor der Abwehr derzeit einnimmt. "Es können nur elf spielen. Der Trainer stellt die auf, die am besten geeignet sind. Das gibt es im Fußball nicht, dass man einem den Platz wegnimmt", hatte Lahm schon vor dem ersten Spiel betont.

So bleibt Schweinsteiger erst einmal gar nichts anderes übrig, als sich weiter im Training anzubieten und gute Miene zum ungewohnten Spiel zu machen. "Was für ein überragender Auftakt? Thomas Müller, du bist einfach der Wahnsinn!", postete er auf seiner Facebook-Seite und zeigte sich lächelnd neben dem Helden des Spiels.

Lieber wäre es Schweinsteiger, es wäre bald schon wieder anders herum.

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