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Der Barca-Star kann gegen Mexiko nicht an die Leistung beim Auftakt anknüpfen. Im zweiten Gruppenspiel präsentierte sich die Selecao ziemlich ideenlos.

Von Robin Bairner aus dem Estadio Castelao

Fortaleza. Mexiko hat es am Dienstagabend vielleicht nicht geschafft, Brasilien die vollen drei Punkte abzuknüpfen, das torlose Unentschieden war jedoch zweifelsohne ein Dämpfer für die Auswahl von Luiz Felipe Scolari. Über dem 3:1-Sieg der Selecao gegen Kroatien lag noch der Schatten des unberechtigten Elfmeters, aber auch die Gala-Vorstellung von Neymar. Diesmal konnte der Youngster vom FC Barcelona nichts Entscheidendes beitragen - und es wurde deutlich: Scolari hat kaum Alternativen, keinen wirklichen Plan B.

Vor allem Fred spielte schwach. Der Angreifer sollte eigentlich für die nötige Torgefahr sorgen, konnte Torhüter Guillermo Ochoa aber nicht beeindrucken. Er schaffte es so gut wie nie, den Ball abzuschirmen, bis sich die nachrückenden Spieler in Position bringen konnten - zum Leidwesen von Neymar. Trotzdem zwang der Superstar Ochoa zu zwei Weltklasse-Paraden.

Fred wurde von Einigen als der Serginho seiner Generation beschrieben - eine große, stattliche Erscheinung, die trotz seiner Statur für Gefahr sorgt und mit der das Team erfolgreich sein kann.

Aber kann es das wirklich?

Jo enttäuscht ebenfalls

Als Fred nach knapp 70 uninspirierten Minuten endlich ausgewechselt wurde, trat Jo an seine Stelle, der es genauso schlecht machte wie sein Vorgänger. Technisch nicht sonderlich begabt und nicht mit besonders großer Abschlussstärke ausgestattet, ist er schlichtweg nicht der Stürmer, auf den ein Team mit Titelambitionen setzen kann.

Oscar zeigte zwar in der Anfangsphase, was er drauf hat, als er Fred in Szene setzte, der aber nicht nur im Abseits stand, sondern auch das Ziel verfehlte. Der Mann von Chelsea zeigte unter dem Strich einen zu inkonstanten Auftritt, nachdem er gegen Kroatien noch so prächtig mit Neymar harmoniert hatte. 

Hulks Fehlen sollte eigentlich durch Ramires kompensiert werden, der auf rechts zum Einsatz kam und eher ein Arbeiter ist. Er wurde wohl auch deshalb eingesetzt, um die Außenverteidiger der Mexikaner in Schach zu halten. Jedoch blieb der Chelsea-Akteur nahezu unsichtbar und wurde folgerichtig in der Pause ausgewechselt.

Sein Ersatzmann Bernard konnte dem Spiel ebenfalls nicht seinen Stempel aufdrücken, agierte fast noch schwächer als Ramires, während die Mexikaner nun mehr Druck machten und die Gastgeber zeitweise in die Defensive drängten.

Abwehrchef als gefährlichster Mann

Es war fast bezeichnend, dass mit Thiago Silva ein Abwehrmann Brasiliens letzte große Chance hatte. Er scheiterte nach einer Ecke mit seinem Kopfball aus kurzer Distanz am schier unschlagbaren Ochoa. Der mexikanische Teufelskerl lieferte eine bärenstarke Partie ab, bei den Brasilianern hingegen konnte kein Spieler mehr Schüsse auf das Tor vorweisen als Kapitän Thiago Silva. Wahrlich eine Nacht zum Vergessen für den WM-Gastgeber.

"Es war ein gerechtes Ergebnis, das den Spielverlauf widerspiegelt, aber für uns war es kein gutes Resultat", so die bezeichnende Analyse Scolaris. Denn mit einem Sieg wären wir weiter gewesen." Mexiko versuchte sich häufig mit Weitschüssen und war einem Treffer in der zweiten Halbzeit sehr nahe. Etwa musste Julio Cesar in der Nachspielzeit sein ganzes Können abrufen, um den Rückstand zu verhindern.

Unter dem Strich sind es freilich die Nordamerikaner, die das Remis als Erfolg werten können: "Ich danke Gott für dieses Spiel. Ich habe hart gearbeitet und bin jetzt sehr glücklich. Dieser Punkt ist Gold wert", so Ochoa. Brasilien wird sich unterdessen gehörig steigern müssen, wenn man die Heim-WM mit dem Titel beenden will.

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