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Robben besiegt Spanien-Trauma: "Da kriegt man Gänsehaut"

Per Doppelpack entzauberte er Spanien. Mit dem Triumphzug konnte der Bayern-Star endlich Frieden schließen. Kahn war danach begeistert vom "befreiten" Robben.

Salvador da Bahia. Als Arjen Robben sein Trauma besiegt hatte, wollte er die ganze Welt umarmen. Schon Minuten vor dem Schlusspfiff reckte er immer wieder die Hände zum Himmel. "Für solche Momente spielt man Fußball", sagte der 30-Jährige nach den beiden Traumtoren beim denkwürdigen 5:1 mit der niederländischen Nationalmannschaft gegen Weltmeister Spanien und verriet: "Da kriegt man Gänsehaut."

1433 Tage nach dem verlorenen WM-Finale von Johannesburg läuft in Robbens Kopf endlich ein neuer Film ab. Diesmal landet der Ball nicht mehr am Fuß von Iker Casillas wie noch 2010, sondern im Netz - gleich zweimal. Erst nach eleganter Ballannahme und einem Slalom durch die Innenverteidigung (53.), dann nach einem unwiderstehlichem Sprint, mit dem krabbelnden Torhüter am Boden (80.).

Nach dem Debakel: Wo ist das spanische Feuer?

Oliver Kahn brachte im ZDF seine Begeisterung zum Ausdruck: "Arjen hat gezeigt, dass er schon seit langer Zeit in Topform ist. Er ist seit dem Siegtor im Champions-League-Finale 2013 wie befreit." Diesmal triumphierte Robben auch über Iker Casillas, der die Niederlage auf seine Kappe nehmen musste. Mit seiner Glanztat vor vier Jahren noch der große Held, war dieser bei der höchsten spanischen WM-Pleite seit 1950 (1:6 gegen Brasilien) ein Schatten seiner selbst.

"Heute war unser Tag"

Beim grandiosen Hechtkopfball von Robin van Persie machtlos (44.), beim entscheidenden 1:3 durch Stefan de Vrij regelwidrig im Fünfmeterraum attackiert (64.), leistete sich Casillas danach einen peinlichen Aussetzer: Nach einem Rückpass versprang ihm der Ball, van Persie (72.) versetzte dem entzauberten Titelverteidiger den Todesstoß.

Dass am Ende Sturmkollege van Persie als bester Spieler des Spektakels ausgezeichnet wurde, konnte Robben verschmerzen. "Heute war unser Tag." Um "die Revanche" sei es ihm nicht gegangen. "Es war ein unglaublicher Abend für ganz Holland", staunte van Persie. Er hätte am liebsten ewig weitergespielt. "Am Ende hätten es auch sechs, sieben oder acht Tore werden können."

Arjen Robben: Der Mann aus Gold

Neben dem genialen Angriffsduo durfte sich auch Louis van Gaal als Matchwinner fühlen. Ausgerechnet das heftig kritisierte System des Bondscoaches mit fünf Verteidigern bescherte dem Vize-Weltmeister ein unvergessliches Feuerwerk. "Wie die Tore gefallen sind, habe ich erwartet", behauptete der ehemalige Bayern-Trainer mit der gewohnten Prise Arroganz, "aber nicht, dass so viele fallen."

Van Gaal feiert sich - und die Spieler

Mit der neuen taktischen Ausrichtung, die der 62-Jährige erst seit fünf Wochen trainieren lässt, nahm Oranje dem spanischen Tiki-taka vor allem nach der Pause jegliche Effizienz. Ein unberechtigter Foulelfmeter von Xabi Alonso (27.) hatte die Nummer eins der Welt in Führung gebracht, nach dem Ausgleich fanden man gegen die blitzschnellen Konter von Robben und Co. kein Rezept mehr.

"Das passiert, wenn man gegen unser Dreieck attackiert", sagte van Gaal mit Blick auf sein Sturmduo und Vorbereiter Wesley Sneijder. Dass die nächsten Gegner Australien und Chile den Niederländern nicht so viel Platz lassen werden, weiß natürlich auch van Gaal. Dennoch verkündete er: "Ich habe nicht den Hauch eines Zweifels, dass wir noch besser spielen können."

Dafür, dass die Euphorie nach dem Traumstart nicht zu groß wird, sorgten die Hauptdarsteller selbst. "Wir haben erst drei Punkte", mahnte van Persie. Und Robben ergänzte: "In den Niederlanden werden sie wohl alle auf dem Kopf stehen. Aber wenn wir mit unserem Kopf in den Wolken bleiben, können wir nach Hause fahren."

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