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Der Fußball-WM in Brasilien droht beim Eröffnungsspiel am kommenden Donnerstag in São Paulo ein Verkehrs-Chaos.

Sao Paulo. Die Polizei in São Paulo kannte kein Pardon: Mit Schlagstöcken und Tränen-Gas gingen die Ordnungskräfte gegen die streikenden U-Bahn-Bediensteten vor. Der Ausstand hat die brasilianische Wirtschaftsmetropole fest im Griff, ein Verkehrs-Chaos war in den vergangenen Tagen nicht zu vermeiden, denn normalerweise nutzen 4,5 Millionen Fahrgäste täglich die U-Bahn.

Staatspräsidentin Dilma Rousseff bezeichnete den Streik als eine "systematische Kampagne" gegen das WM-Turnier. Und sie bekam von der Justiz Unterstützung, denn ein Gericht stufte laut Angaben der Gewerkschaft am Pfingstsonntag den Ausstand als illegal ein. Dies könnte bedeuten, dass der Ausstand in der Millionen-Metropole wenige Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien am Donnerstag (12. Juni) untersagt wird.

Weiter Streiks könnten folgen

"Wir werden am Sonntag eine Versammlung abhalten und darüber abstimmen, ob wir weiterstreiken oder nicht", sagte Gewerkschaftssprecher Thiago Marcelino Pereira nach Angaben von AFP. Das Gericht ordnete zudem an, dass jeder weitere Streiktag eine Geldbuße von umgerechnet 160.000 Euro (500.000 Real) nach sich zieht. Für die ersten vier Streiktage wurde eine Strafe von umgerechnet 32.000 Euro (100.000 Real) verhängt.

Die WM finde zu einem Zeitpunkt statt, "in der die politische Lage überkocht. Mir wäre es auch am liebsten, wenn alle nur über den Fußball reden würden. Aber das ist in dieser Zeit mit politischen Auseinandersetzungen nicht möglich", betonte Brasiliens zweimaliger Weltmeister Cafu im SID-Interview - er hatte sich am Freitag vor Ort selbst ein Bild vom Chaos machen können. Die Streikenden hatten am Freitag, dem zweiten Tag ihres Ausstandes, die U-Bahnhöfe durch Streikposten blockiert und Fahrgäste daran gehindert, den Bahnhof Ana Rosa zu betreten.

Der Streik betraf auch die Besucher des WM-Tests am Freitagabend zwischen Gastgeber Brasilien und Serbien (1:0). Vielleicht auch deshalb blieben etliche Sitze im Morumbi-Stadion leer. "Unser Problem hat nichts mit der Nationalmannschaft zu tun, wir werden sie anfeuern. Aber am 5. Oktober werden wir Dilma Rousseff zum Teufel jagen", sagte Gewerkschaftsführer Paulo Pereira da Silva mit Blick auf die kommenden Präsidentschaftswahlen.

Cafu ist für demokratische Aktionen

Sollte der Streik andauern, könnten die Organisatoren mit Blick auf den WM-Auftakt unter großen Druck geraten. Drei der fünf U-Bahn-Linien sind zurzeit betroffen. Schon zu normalen Zeiten kollabiert fast täglich der Verkehr in São Paulo, herrscht was zu jeder Tages- und Nachtzeit auf den Straßen des brasilianischen Wirtschaftszentrums Ausnahmezustand. Mehr als 200 Kilometer stauten sich die Fahrzeuge beispielsweise am Donnerstag, und das ist nicht einmal Rekord. Der steht seit Ende Mai bei 344 (!) Kilometern.

"Streiks gibt es auf der ganzen Welt. Das hat im Grunde nichts mit der WM zu tun. Es ist bei uns ein Moment, in dem die Bevölkerung glaubt, dass man seine Stimme im Vorfeld der WM am deutlichsten hört", sagte Cafu dem SID. Die Proteste werden seiner Einschätzung nach während der WM "noch größer werden als im letzten Jahr, weil es sich um eine viel größere Veranstaltung handelt". Er sei für die Demonstranten, "bislang waren das immer demokratische Aktionen", ergänzte er, "ich bin klar gegen Vandalismus. Aber wenn sich das Volk friedlich für etwas einsetzt, auf das es ein Recht hat, bin ich klar dafür".

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