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"Safety first": Jürgen Klinsmann offenbart seine WM-Taktik

Mit einem weiteren Sieg, diesmal gegen Nigeria, reist der deutsche Gruppengegner nach Brasilien. Klinsmann und seine US-Boys können den WM-Auftakt kaum erwarten.

Jacksonville/Rio de Janeiro. Zumindest eine Szene war schon einer WM würdig. "Weltklasse", sagte Jürgen Klinsmann über einen der beiden Treffer, die sein so lange erfolgloser Angreifer Jozy Altidore im letzten Länderspiel vor der Reise nach Brasilien erzielte. Gerade noch rechtzeitig beendete der bullige Angreifer beim 2:1 (1:0) gegen Nigeria eine persönliche Durststrecke, die gerade einen Stürmer zur Verzweiflung bringen kann.

Bei seinem Verein AFC Sunderland hatte Altidore zuletzt 185 Tage zuvor getroffen, für die Nationalmannschaft zuletzt vor 239 Tagen. Dann stand er zunächst so günstig, dass er einen perfekt getimten Pass des erneut starken Fabian Johnson von 1899 Hoffenheim aus vier Metern nur über die Linie schieben musste - Klinsmann jubelte an der Seitenlinie (31.). Später dann der zweite Treffer (68.) nach einer feinen Einzelaktion im Strafraum und einem wuchtigen Abschluss - weltklasse eben.

Ein Lächeln für Altidore

Klinsmann wirkte deshalb noch ein wenig positiver gestimmt als ohnehin schon. "Es ist wunderbar zu sehen, dass Jozy das Ding ins Netz geschossen hat. Das gibt ihm ein Lächeln zur richtigen Zeit", sagte der ehemalige Torjäger und betonte: "Wir können es nicht erwarten, dass das Turnier losgeht." Der frühere Gladbacher Michael Bradley ergänzte: "Wir haben uns in der Kabine gesagt: Jetzt geht der Spaß los."

Der Spaß beginnt genau genommen am 16. Juni mit dem aus Sicht der Amerikaner schon alles entscheidenden Spiel gegen Ghana - Klinsmann hat es nicht umsonst als "K.o.-Spiel" bezeichnet. Deshalb wählte er gegen Nigeria eine Taktik, die jener in Brasilien wohl ähneln dürfte: Sie ist darauf ausgelegt, defensiv gut zu stehen und bei Ballbesitz schnell umzuschalten. "Safety first" und Konter statt erfrischender Offensiv-Fußball.

Neue Taktik funktioniert

"Es hat gut geklappt", sagte Klinsmann über die ziemlich neuartige Einstellung seiner Mannschaft. "Wir sind langsam so weit", ergänzte der ehemalige Bundestrainer, "es ist zu sehen, dass die Mannschaft große Fortschritte gemacht hat." Gegen Nigeria, das spät den Anschlusstreffer durch Victor Moses erzielte (86., Foulelfmeter), funktionierte die neue Taktik mit einer Doppel-Sechs in der Tat sehr gut.

Einer der Gewinner der Vorbereitung mit den Siegen gegen Aserbaidschan (2:0), die Türkei (2:1) und jetzt Nigeria ist zweifelsohne Johnson. "Er ist eine große Hilfe für uns, er sorgt für Gefahr", lobte Altidore den künftigen Gladbacher. Wäre schön, ergänzte er, wenn das Zusammenspiel bei der WM ähnlich gut klappen würde. Es wäre auch an der Zeit: Seit der WM 2002 haben die USA kein Stürmer-Tor mehr erzielt.

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