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Weltmeister Littbarski: "Wir wussten: Selbst wenn wir schlecht spielen, wir gewinnen!"

Weltmeister Pierre Littbarski sprach mit Goal über die Stimmung vor dem Finale 1990 und die Bedingungen auf dem südamerikanischen Kontinent.

Berlin. Vierundzwanzig Jahre liegt der letzte deutsche Weltmeister-Titel zurück. Einer, der im Finale von Rom 1990 auf dem Platz stand, ist Pierre Littbarski. Mit Goal sprach der Weltmeister über die Stimmung vor dem Finale und die Bedingungen auf dem südamerikanischen Kontinent.

Nach 1982 und 1986 stand Deutschland 1990 zum dritten Mal infolge im WM-Finale – und zum zweiten Mal nacheinander gegen Argentinien, das vier Jahre zuvor in Mexiko noch mit 3:2 gesiegt hatte. Einen Tag nachdem sich die DFB-Elf im ersten Halbfinale im Elfmeterschießen gegen England durchgesetzt hatte, bezwang Argentinien das favorisierte Italien vom Punkt aus.

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Allerdings hatten die Gastgeber im Turnierverlauf 1990 weit mehr überzeugt als der Titelverteidiger, der immer noch von Carlos Bilardo trainiert wurde und sehr zweckmäßigen Fußball zeigte. Zwischen 1986 und 1990 hatte Argentinien nur sechs von 31 Länderspielen gewonnen. "Trotzdem schafften sie es auch bei der WM 1990 irgendwie bis ins Endspiel", schreibt der Journalist Jonathan Wilson in seinem Buch "Revolutionen auf dem Rasen".

In einem weitaus torarmeren Finale als vier Jahre zuvor sollte sich diesmal Deutschland durchsetzen: Andreas Brehmes Elfmeter mit links in der 85. Minute nach einem Foul an Rudi Völler bescherte dem DFB den dritten und bislang letzten Weltmeister-Titel. Wie Brehme vor Kurzem erst im Audi Star Talk erzählte, hatte ihm "Tante Käthe" noch aufmunternde Worte mit auf den Weg gegeben: "Mach ihn rein, dann sind wir Weltmeister."

Herr Littbarski, Rudi Völler hat einmal erzählt, dass man in der DFB-Elf 1990 nach dem zweiten Halbfinale zwischen Italien und Argentinien geahnt hat: Wir werdens! Wie haben Sie das damals einen Tag nach dem gewonnen Elfmeterschießen gegen England erlebt?

Littbarski: Das ist vielleicht rational nicht zu erklären, aber man hat einfach ein Gefühl dafür, wenn eine Mannschaft einen Lauf hat. Dann wägt man ab: Wer könnte uns noch stören - und Italien war nach unserer Auffassung die einzige Mannschaft, die uns wirklich hätte schlagen können. Als wir vor dem Spiel in Rom dann auf dem Platz standen, sahen wir Italiener, die uns unterstützten mit Trikots und Fahnen – da wussten wir: Selbst wenn wir schlecht spielen, wir gewinnen!

Sie selbst spielten schon in Mexiko1986 in einer WM-Endrunde auf dem Süd- bzw. Mittelamerikanischen Kontinent. Mit Blick auf die Bedingungen dort: Worauf wird es 2014 ankommen?

Littbarski: In Mexiko war das der Wahnsinn, da wollte keiner drei, vier lange Sprints hintereinander machen, weil man einfach platt ist. Das ist das Geheimnis, denke ich. Man muss sich also drauf einstellen, denn der Körper muss sich in kurzer Zeit umstellen, jeder der im Urlaub war, kann das erahnen. Wir haben die Qualität, die Erfahrung und den Hunger, um was zu reißen, aber wir müssen auf die Bedinungen richtig vorbereitet sein.

Sind die Südamerikaner deswegen Favoriten? Atmosphärisch dürften sie ebenfalls im Vorteil sein...

Littbarski: Ja, weil speziell eine Mannschaft wie Argentinien auch abwarten kann. Die haben vorne Qualität, aber sie können hinten lauern. Die Brasilianer werden vermutlich vieles im Sturm erkämpfen wollen, sind aber der Favorit. Ich denke jedoch, wir sind das einzige Team, das Brasilien schlagen kann, wenn wir uns gut vorbereiten und haben ein Wörtchen mitzureden. Aber, es wird sehr schwer...

Wie haben Sie die jüngste Kritik an Mesut Özil gesehen?

Littbarski: Ich sage, es ist ein Vorteil, dass er sein Formtief schon hatte. Der Junge wird da raus kommen und uns dann zum WM-Titel führen!

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