thumbnail Hallo,

Der Weltmeister von 1990 übt Kritik am Bundestrainer und zeigt sich verwundert über dessen Nominierungen im Sturm, dort sei man nicht gut genug aufgestellt.

Von Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen. Im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Südtirol bereitet Joachim Löw seinen vorläufigen Kader auf die Weltmeisterschaft in Brasilien vor. Über eben diesen Kader gab es im Vorfeld große Diskussionen. Olaf Thon hätte sich die Sturmbesetzung etwas anders gewünscht.

"Da könnten wir besser aufgestellt sein. Man muss den Bundestrainer fragen, warum er Max Kruse nicht mitgenommen hat. Für mich gibt es da keine klare Aussage", sagte Thon im Gespräch mit Goal. In der Tat wirken die Nominierungen im Sturm etwas dünn. Lediglich Miroslav Klose und Kevin Volland nahm der Bundestrainer als nominelle Angreifer mit. Mario Gomez fehlt, wie überraschenderweise auch der angesprochene Max Kruse.

Thon: "Hätte Lasogga mitgenommen"

Thon, langjähriger Spieler vom FC Bayern und Schalke 04, hätte Stefan Kießling "oder den erstarkten Lasogga mitgenommen", so Thon weiter, "der den HSV quasi im Alleingang in der Liga halten konnte, weil er sehr wichtige Tore geschossen hat." Bei einer langen und schweren WM brauche man einen gewissen Spielertypen unbedingt im Kader, eine sogenannte "Kampfmaschine", wie es der Stoßstürmer der Hanseaten ist.

Darüber wundert sich Thon und übt leise Kritik an Löw, denn "als Trainer muss man manchmal zum Wohle des Teams über Schatten springen und sagen: So, jetzt ist dieser Mann der richtige." Löw solle laut des 48-Jährigen darüber nachdenken und sich sagen: "Da könnte ich meine Meinung aus bestimmten Gründen ändern. Aber ich glaube, er macht es nicht."

Deutschland hat Typen

Kevin-Prince Boateng hat vor geraumer Zeit ein wenig gegen die deutsche Mannschaft gestichelt, der Truppe fehle es an echten Typen. Das sieht Thon etwas anders: "Ich glaube schon, dass wir besondere Typen in der Nationalelf haben. Allerdings keinen wie Boateng, wir haben andere Typen." Vielmehr verweist dieser darauf, "dass in kritischen Situationen die erfahrenen Spieler vorweg gehen. Das haben Spieler wie Klose, Lahm oder Schweinsteiger in ihren Vereinen ja schon mehr als gezeigt."

Nach den verpassten Chancen auf den Titel bei einer EM oder WM sehnt sich Fußball-Deutschland endlich wieder nach einem großen Gewinn. Der letzte Triumph liegt mit der EM 1996 bereits 18 Jahre zurück. Für die goldene Generation um Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski oder Philipp Lahm ist die Zeit gekommen, zu beweisen, dass sie das Zeug haben den größten Titel im Fußball gewinnen zu können.

"Erstmal Hochachtung vor diesen Spielern, die um die 100 Länderspiele haben", lobt Thon und ergänzt: "Aber, auch sie werden nicht jünger und die Chancen werden von Turnier zu Turnier immer weniger. In Brasilien sollten sie zupacken, weil niemand sagen kann, was danach passiert."

Dazugehörig