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Christoph Kramer: Gladbachs Dauerläufer – Löws Geheimwaffe bei der WM?

Er war die Entdeckung der Saison bei Borussia Mönchengladbach. Aufgrund der dünn besetzten Sechser-Position bei der DFB-Elf steigen nun sogar Kramers WM-Chancen.

ANALYSE
Von Gregor U. Becker

Frankfurt. Das Länderspieldebüt gegen Polen sollte der perfekte Abschluss einer aufregenden Saison für Christoph Kramer sein. Doch weit gefehlt, der Youngster von Borussia Mönchengladbach lieferte eine überzeugende Leistung und gehörte nicht zu den Streichkandidaten aus Jogi Löws erweitertem WM-Kader. Vielmehr fährt er mit ins Trainingslager der Nationalmannschaft nach Südtirol und darf sich sogar Hoffnungen auf die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Brasilien machen.

Als Kramer zum Auftakt seiner ersten Bundesligasaison gegen den FC Bayern München in der Startformation der Fohlenelf stand, rieben sich die Fans im BORUSSIA-PARK noch verwundert die Augen. Man war sich zwar einig, dass man mit dem damals 22-Jährigen ein echtes Talent an Land gezogen hatte, doch das sich dieses gleich zu Beginn der neuen Spielzeit im defensiven Mittelfeld gegen gestandene Erstligaspieler wie Thorben Marx oder Havard Nordtveit durchsetzen würde, kam überraschend.

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Es folgte eine blitzsaubere Saison für den gebürtigen Solinger, der 33 Spiele absolvierte, dabei drei Treffer erzielte und eine Vorlage gab. Zudem gilt Kramer als Laufwunder und legte im Durchschnitt die meisten Kilometer aller Bundesligaspieler zurück. Das blieb auch Löw nicht verborgen, und so nominierte der Bundestrainer den zweikampfstarken Defensivkünstler nicht nur zum Länderspiel gegen Polen, sondern auch gleich für den vorläufigen WM Kader.

Einiges spricht für Kramer

"Natürlich träume ich, in Brasilien dabei zu sein – wie 80 Millionen andere Deutsche. Aber ich bezweifle, dass ich das schaffen werde. Die Sechser-Position in Deutschland ist extrem gut besetzt, auch in der Breite. Aber wenn irgendjemand keine Lust hat, springe ich gerne ein. Für die WM würde ich sogar zu Fuß nach Brasilien laufen", frotzelte die "Maschine", wie ihn sein Vereinstrainer Lucien Favre respektvoll nennt, noch im Dezember gegenüber der Bild.

Fünf Monate später könnte sein Traum wahr werden. Denn wenn seine Nominierung für manchen Experten auch überraschend kam, war dies vor allem für den Gladbacher Anhang eine logische Konsequenz, verrichtete Kramer seine Abräumarbeit zwar stets unauffällig, dafür jedoch effektiv.

Vor der Weltmeisterschaft sprechen zwei Faktoren für Gladbachs Nummer 23: Zum einen fehlen Löw im defensiven Mittelfeld Alternativen und zum anderen zählt in der Hitze Brasiliens vor allem Fitness, Wille und Laufbereitschaft – Attribute, für die Kramer steht und die er in Mönchengladbach eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. Allerdings fehlen dem ehemaligen Mannschaftskameraden von Leon Goretzka, der es nicht mit ins Trainingslager des DFB schaffte, (noch) eine gute Spieleröffnung und ein vernünftiger Torabschluss.

Urlaub oder Brasilien?

Löw muss abwägen, ob er Kramer trotz dieser Defizite mitnimmt. Auf der Doppelsechs dürften Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira gesetzt sein, sollten beide über die nötige körperliche Verfassung nach ihren diversen Verletzungen in der abgelaufenen Saison verfügen. Alternativen wären Lars Bender, Toni Kroos und Philipp Lahm, die jedoch auch auf anderen Positionen gebraucht werden dürften. Das könnte ein Vorteil für den Gladbacher sein, der zumindest als Einwechselspieler dabei helfen könnte, einen knappen Vorsprung im brasilianischen Glutofen über die Zeit zu bringen, oder nach alter Manier einem gegnerischen Spielgestalter die Lust an dessen Arbeit zu nehmen.

Wie auch immer sich nun der Bundestrainer bei der Nominierung des endgültigen WM-Kaders am 2. Juni entscheidet, Christoph Kramer blickt auf ein tolles Jahr am Niederrhein zurück. Dass der Mittelfeldspieler nach zwei starken Spielzeiten beim Zweitligisten VfL Bochum gleich so durchstarten und sich bis in den Kreis der Nationalmannschaft spielen würde, konnte man nicht erwarten. Der 23-Jährige nimmt zumindest die Erfahrung aus den Trainingseinheiten mit der DFB-Elf mit, bucht bei einer etwaigen Nichtberücksichtigung vielleicht einfach einen Urlaub mit seinem bereits vorher durchs Raster gefallenen Kumpel Max Kruse und greift zur neuen Saison wieder an.

Lediglich für Borussia Mönchengladbach bleibt ein Wermutstropfen, denn der defensive Mittelfeldspieler gehört Bayer Leverkusen und die zweijährige Leihe endet nach der kommenden Saison. Rudi Völler, Sportdirektor der Werkself, hat bereits angekündigt, dass man ihn ohne Wenn und Aber zurückbeordern wolle. Sollte hier das letzte Wort nicht gesprochen sein, so wird eine feste Verpflichtung Kramers für Manager Max Eberl sicher keine billige Angelegenheit.

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