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Löw im Angriffsmodus: "Die Uhr tickt"

Joachim Löw hat seine Stars 101 Tage vor WM-Beginn mit sehr deutlichen Worten in die Pflicht genommen. Ausreden will der Bundestrainer ab sofort nicht mehr gelten lassen.

Stuttgart. Die Mannschaft in Not, der Bundestrainer im Angriffsmodus: 101 Tage vor WM-Beginn hat Joachim Löw noch einmal Alarm geschlagen und den Druck auf seine Stars deutlich erhöht.

"Die Uhr tickt. Nur wer sie hört, wird eine reelle Chance haben. Ich appelliere an alle, dass sie ihren Lebenslauf so optimal gestalten, wie es sein muss, wenn man große Ziele hat", betonte ein kämpferischer Löw am Montag in Stuttgart.

Der 54-Jährige sprach zwei Tage vor dem Länderspiel am Mittwoch gegen Chile Klartext und von einer "Phase der Wahrheit und Klarheit". Er werde die Spieler "intensiv beobachten, sie in Anführungszeichen überwachen".

"Bereit wie nie" – ganz im Gegenteil

Löw will nichts dem Zufall überlassen, zumal er knapp zehn Wochen vor der Nominierung seines WM-Kaders am 8. Mai vor einem Berg von Problemen steht. Das Motto einer neuen WM-Kampagne "Bereit wie nie", die am Montag von Löw und Teammanager Oliver Bierhoff präsentiert wurde, trifft derzeit auf die deutsche Nationalmannschaft wahrlich nicht zu.

Man habe zwar "auf dem Papier eine Top-Mannschaft, die Realität schaut aber nicht so schön aus", räumte er ein: "Einige Spieler waren über Monate verletzt, andere haben keinen Spielrhythmus, einige kämpfen mit ihrer Form." Bei der WM in Brasilien gelte: "Die Realität schlägt die Theorie." Bierhoff meinte, man könne die Mannschaft "mit einem Zwölfzylinder vergleichen, der aber noch nicht auf allen Pötten läuft".

"Die Spieler müssen Zusatzschichten einlegen"

Der Bundestrainer richtete deshalb eine klare Botschaft an Mesut Özil, Mats Hummels und Co.: "Die Spieler müssen sich optimieren und alles dafür tun, um in Topform zu gelangen. Die Zeit bis zum Turnier wird genauso hart wie die WM, das ist mein Appell an die Spieler." Sie müssten im Training Zusatzschichten einlegen".

Er brauche bei den "extremen Bedingungen" in Brasilien "hundert Prozent fitte Spieler, einen Kader, der maximal belastbar ist". Bei Real Madrids Star Sami Khedira, der nach einem Kreuzbandriss wieder im Training ist, will Löw aber seinen Grundsatz umwerfen. Es gebe den "ein oder anderen Spieler, der der Mannschaft schon wegen seiner Persönlichkeit einen Mehrwert gibt, auch wenn er nur bei 80, 90 Prozent ist." Man werde bei Khedira bis zum Schluss abwarten, "das wird aber die Ausnahme und nicht die Regel sein".

Zumal Löw den Konkurrenzkampf mit der Nominierung von vier Neulingen für das Chile-Spiel noch einmal angeheizt hat. Shkodran Mustafi, André Hahn, Pierre-Michel Lasogga und Matthias Ginter dürfen sich durchaus noch Hoffnungen machen: "Die Tür ist nicht zu, sie kann jetzt auch nicht zu sein. Wir brauchen bei der WM die dann aktuell besten und nicht die theoretisch besten Spieler. Alle haben noch eine Chance, auf den WM-Zug aufzuspringen."

Die Entscheidungen werden dem ein oder anderen Spieler "weh tun"

Ob er am 8. Mai bereits seinen endgültigen 23-köpfigen Kader berufen wird, ließ Löw am Montag noch offen. Es stünden auf jeden Fall Entscheidungen bevor, "die ganz Fußball-Deutschland bewegen und die dem ein oder anderen Spieler weh tun werden".

Gegen WM-Teilnehmer Chile besteht für einige Spieler die letzte Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Von den ursprünglich nominierten 21 Spielern für Stuttgart muss Lars Bender (Muskelverhärtung) kurzfristig passen. Ein Fragezeichen steht zudem hinter Torjäger Miroslav Klose (Beckenprellung und Bauchmuskelprobleme).

Einsatzgarantie für Großkreutz

Festgelegt hat sich der Bundestrainer bereits darauf, dass Kapitän Philipp Lahm wie beim FC Bayern im Mittelfeld spielen wird. Auch der Münchner Toni Kroos ("Er ist wahnsinnig wichtig in unserem Puzzle") und der Dortmunder Kevin Großkreutz als Rechtsverteidiger erhielten bereits eine Einsatzgarantie. Großkreutz hatte zuletzt am 9. Februar 2011 gespielt.

Auch Bastian Schweinsteiger hat nach diversen Verletzungen eine längere Durststrecke im DFB-Team hinter sich. In den 14 Test-Länderspielen seit dem 3:2 gegen Brasilien am 10. August 2011 in Stuttgart hatte der 29-Jährige gefehlt. Löw ist entsprechend froh, dass der Führungsspieler wieder dabei ist.

 "Ein fitter Bastian Schweinsteiger ist enorm wichtig mit seiner Erfahrung, seiner hohen Präsenz und seinen Führungsqualitäten."

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