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Goal Transfer List 2013: Der Kolumbien-Star ist erst 22, hat aber in den letzten Jahren einen großen Sprung gemacht. Der Lohn: Ein lukrativer Wechsel von Porto zu Monaco.

SPECIAL REPORT
Von Victor Vago

Monaco. Der extravagante Transfersommer des AS Monaco mag die Schlagzeilen dominiert haben, doch abseits der gegenwärtigen Stars Joao Moutinho, Radamel Falcao und Eric Abidal war da ein Name, der die Zukunft repräsentiert: James Rodriguez, für den der Verein aus dem Fürstentum gigantische 45 Millionen Euro ausgab.

Auch wenn diese gewaltige Summe Einige überrascht haben mag, ist sie Beweis dessen, wie sich der Angreifer, obwohl erst 22, in der letzten Zeit entwickelt hat – von seinen bescheidenen Anfängen zu einem der gefragtesten Stürmer in Europa.

Er begann seine Karriere in seinem Heimatland Kolumbien beim zweitklassigen Verein Envigado, bevor Banfield ihn sich 2008 nach nur einer Saison in der ersten Elf schnappte.
VERTEILUNG DER TRANSFERRECHTE IN PORTUGAL
2010 bekam Rodriguez seine große Chance, nach Europa zu wechslen, als Porto Banfield fünf Millionen Euro für 70 Prozent der Transferrechte zahlte, der Rest wurde von weiteren Anteilseignern gehalten. Doch damit ging das Verwirrspiel erst los.

Porto verkaufte zehn Prozent der Rechte an Dritte und weitere 30 Prozent an die Gol Football Luxembourg SARL für 2,5 Millionen Euro. Ein halbes Jahr später kauften sie die anderen 30 Prozent für 2,25 Millionen von Convergence Capital Partners BV zurück. Anfang 2013 erwarben sie wiederum die 30 Prozent von Gol Football Luxembourg SARL zurück, für 8,57 Millionen.

Als man ihn schließlich an Monaco verkaufte, hielt man 90 Prozent seiner Transferrechte. Diese Beteiligung Dritter ist in Portugal zur gängigen Praxis geworden, seit schwer verschuldete Vereine versuchen, schlaue Lösungen zu finden, um nicht unterzugehen. 

2010 folgte der Wechsel nach Europa zum FC Porto, und trotz großer Verwicklungen um seine Transferrechte weckten seine 25 Treffer in 65 Ligaspielen die Aufmerksamkeit der großen europäischen Klubs, darunter Juventus und ManUnited. Doch lediglich Monaco mit dem russischen Besitzer Dmitry Rybolovlev im Rücken war willens, die 45 Millionen Euro zu bezahlen, die in seine Ausstiegsklausel festgeschrieben waren – was sie im Mai taten und dabei Porto auch um Moutinho erleichterten.

James' Gehalt stieg von wöchentlichen 13.000 Euro in 2010 auf 83.000 – und das mit großen Steuervorteilen – als Teil eines Fünfjahresvertrags bei seinem neuen Verein, den sein Berater Jorge Mendes ausgehandelt hatte.

Es ist eine bemerkenswerte Reise für Rodriguez, eines der interessantesten Talente in Europa, nun bei einem Klub gelandet zu sein, der gerade aus der 2. Liga aufgestiegen ist. Der 22-Jährige ist dabei nicht zuletzt von den neuen Mitspielern begeistert.

Gegenüber Goal sagte Rodriguez: "Ich habe keine Ahnung, ob auch in anderen Ländern oder bei anderen Klubs Interesse an mir bestand. Ich weiß nur, dass dies bei Monaco der Fall war. Sie haben gute Spieler, das interessiert mich. Deshalb bin ich hier."

Der ehemalige Kolumbien-Coach Francisco Maturana glaubt, sein Landsmann wird in seiner Zeit in Monaco nur noch besser werden: "Er hatte eine unglaublich steile Karriere", verriet er Goal seine Einschätzung. "Als er bei Kolumbiens U20 spielte, war er ein Junge mit einem guten Ballgefühl und großer Motivation. Er war technisch stark, hatte viel Talent. Er war zuversichtlich, und das war das Fundament für seinen Erfolg."

Maturana fügte an: "Er ging dann nach Porto und verbesserte sich weiter. Er ist noch immer jung und hat sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Er hat seine Heimat sehr früh verlassen und ist von einem Land ins andere gezogen. Jetzt ist er in Monaco. Ich glaube nicht, dass er Probleme mit der Anpassung an fremde Länder hat. Es hängt immer von der Mentalität eines Spielers ab. Wir haben das beispielsweise bei Fredy Guarin gesehen, der ebenfalls in jungen Jahren viel herumkam, und es hat ihm auch nicht geschadet."

Der 64-Jährige weiter: "Es ist nicht an mir, die Summe zu bewerten, die Monaco für ihn gezahlt hat. Sie haben Bedingungen, unter denen sie zahlen können, was sie wollen. Wenn sie mit ihm glücklich sind, dann ist alles gut."

Mit Rodriguez und Falcao vorn, dazu dem Status als gesetztem Team in einer machbaren Gruppe gilt Kolumbien als ein echter Geheimfavorit bei der WM im nächsten Jahr, und Maturana ist begeistert von der fußballerischen Entwicklung in seinem Land: "Kolumbien bringt viele Topspieler hervor, weil eine sehr fundierte Basis besteht, gepaart mit großer Fachkompetenz. Natürlich steigert das den Wert und das Image des kolumbianischen Fußballs."

Rodriguez selbst führt im Rückblick auf seine Entwicklung seinen Wechsel auf die Form zurück, die er im letzten Jahr hatte, und ist entschlossen, genau da weiterzumachen, um Titel zu erringen: "Ich hatte eine gute Saison bei Porto, das hat sicher geholfen. Ich will immer spielen, in jedem Spiel, ich will, dass mein Team gewinnt. Monaco ist genau in dieser Phase – dieses neue Projekt, das dort entsteht, interessiert mich sehr, und ich bin auch hergekommen, um Titel zu gewinnen."

Rodriguez weiter: "Ich habe mit tollen Spielern zusammengespielt, die große Stars sind, und jetzt bin ich hier. Wir wissen, dass wir gute Spieler in unseren Reihen haben, ein Team, das die Liga gewinnen kann. PSG ist stark, andere sind auch gut. Aber wir werden mit ihnen bis zum letzten Spiel wetteifern."


Auf dem Weg nach oben | Rodriguez ist trotz jungen Alters ein Schlüsselspieler für Klub und Nationalelf

Auf der anderen Seite ist Monacos gestiegene Qualität auf dem Platz Portos Verlust. Die Verkäufe von Rodriguez und Moutinho wurden angeführt, um die schwache Saison des vormals dominanten Teams unter Coach Paulo Fonseca zu erklären. Der Portugiese musste mit seiner Mannschaft bereits in der Gruppenphase der Champions League die Koffer packen.

Trotzdem glaubt Rodriguez, dass der Vereins durch seine starken Strukturen letztlich wieder in die Erfolgsspur kommen wird, trotz des Aderlasses im Sommer: "Porto musste schon immer Trainer und Spieler gehen lassen, trotzdem gewinnen sie jedes Jahr. Sie haben das Gewinnen im Blut, trotz meinem und Joaos Abschied werden sie noch über viele Jahre siegen."

Antonio Figueiredo, ehemaliger Vizepräsident von Porto, sieht die Sache weniger optimistisch: "Das Wunder ist vorbei", sagte er kürzlich gegenüber Radio Renascensa. "Porto hat die Besten verkauft, die sie hatten, und die, die man holte, sind im Vergleich mit denen, die gingen, nicht so stark." Er ergänzte: "Paulo Fonseca ist das Opfer dieser Geschichte. Aber Porto wird diese Krise schnell hinter sich lassen. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das schon in dieser Saison geschehen wird."

Im Kontrast dazu fügte Monaco den Verpflichtungen von Rodriguez und Moutinho noch Falcao hinzu und ist auf einem guten Weg in die europäische Elite des Klubfußballs.

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