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Große Talente, Spielkultur und jede Menge Hype - Belgien bringt alles mit, um als ernsthafter Anwärter auf den WM-Titel zu gelten. Doch sind die Roten Teufel tatsächlich bereit?

KOMMENTAR
Von Ben Hayward

Brüssel. Belgien liegt im Trend. Die Nationalmannschaft des kleinen Staates ist aus dem Schatten des großen Nachbarn Niederlande getreten und ist nun der fünfte Favorit auf den Gewinn des WM-Pokals in Brasilien. Gemeinsam mit dem Trend kam der Hype - aber kann Belgien diesem in Südamerika gerecht werden?

Wie bei Borussia Dortmund auf Vereinsebene ist es cool und hip geworden, Belgien zu mögen. Vor einigen Jahren noch wusste kaum ein Fußballfan den Namen eines einzigen Profis aus dem kleinen Land. Tatsächlich war der bekannteste Fußballer lange Zeit jemand, der erst nach Karriereende Aufmerksamkeit erhielt: der Regel-Revolutionär Jean-Marc Bosman. Jetzt aber präsentieren viele Top-Klubs Europas stolz einen Belgier in ihrer Mannschaft.

Talente wie am Fließband

Torhüter Thibaut Courtois, bereits zum dritten Mal von Chelsea an Atletico Madrid verliehen, gehört zu den besten Keepern der Welt; Manchester Citys Abwehrchef Vincent Kompany ist einer der besten Innenverteidiger überhaupt; Jan Verthongens Ruf als starker Abwehrspieler wächst bei Tottenham und machte ihn zu einem Transfer-Kandidaten beim FC Barcelona; Romelu Lukakus fantastische Form bei Everton lässt Jore Mourinho - der den Jungstar lieber verlieh, statt ihn zu behalten - dumm aussehen; Eden Hazard gehörte nach seiner ersten Saison in der Premier League zu den Kandidaten für mehrere prestigeträchtige Auszeichnungen; Daniel van Buyten geht im Alter von 35 bereits in seine siebte Spielzeit beim FC Bayern München; Aston Villas Christian Benteke gehört zu den vielversprechendsten Sturmtalenten überhaupt; Mittelfeldmann Marouane Fellaini war Manchester Uniteds große Neuverpflichtung des Sommers; und Thomas Vermaelen ist Kapitän beim FC Arsenal.

Und das war erst der Anfang. Moussa Dembele und Nacer Chadli beeindrucken bei den Spurs, Alex Witsel ist bei Zenit St. Petersburg ein Held, Steven Defour erspielt sich seinen guten Ruf in Porto, Dries Mertens startet beim SSC Neapel durch und Kevin de Bruyne ist ein weiteres großes Talent in den Diensten Chelseas. Cagliari-Profi Radja Nainggolan - von diversen Top-Klubs umworben - findet nicht mal mehr einen Platz in Belgiens Mittelfeld. Die Liste geht immer weiter, plötzlich bringt Belgien Talente wie am Fließband hervor und kann auf dem Papier mit jeder anderen Nation Europas mithalten.



Unter den Fans liegt der kleine Staat durch den Status als bis dato wenig erfolgreiche Nationalmannschaft, den attraktiven Fußball und Kult-Faktoren wie Fellainis Afro-Frisur im Trend. Berühmt für das Bier, Schokolade, weibliche Tennis-Stars, Jean-Claude van Damme, Tim und Struppi und die Schlümpfe, präsentiert Belgien nun stolz eine neue Gruppe von Helden: Ihre Nationalspieler.  

Letzte Turnier-Teilnahme 2002

Nichtsdestotrotz bleibt diese junge Mannschaft auf höchstem Niveau unerfahren. Mit nunmehr fünf Punkten Vorsprung in einer Gruppe mit Kroatien, Serbien, Schottland, Makedonien und Wales ist die Qualifikation für die Weltmeisterschaft wohl sicher - zum ersten Mal seit 2002, als sich die Roten Teufel letztmals für eine Endrunde qualifizieren konnten.

Damals bestand die Mannschaft von Trainer Robert Waseige aus 15 Profis aus Belgien, nur acht spielten im Ausland: Van Buyten bei Marseille, Torhüter Geert de Vlieger für Willem II, Mittelfeldspieler Bart Goor bei Hertha BSC, Außenverteidiger Eric Deflandre in Lyon, Stürmer Branko Strupar für Derby County und das Trio Nico van Kerckhoven, Kapitän Marc Wilmots und Sven Vermant auf Schalke. Wenig bekannte Namen und - ausgenommen Marseille und Lyon - auch keine Top-Klubs. Schalke erreichte übrigens in der Saison vor der WM nur den fünften Platz in der Bundesliga.

2002 beendete der spätere Turnier-Sieger Brasilien in der zweiten Runde Belgiens Träume mit einem 2:0-Sieg. In Südamerika im kommenden Sommer sind die Erwartungen höher gesteckt. Wettbüros setzten die Quoten für einen WM-Sieg der Belgier kürzlich von 100 zu eins auf zwölf zu eins und machten sie damit hinter Brasilien, Spanien, Argentinien und Deutschland zum fünften Favoriten auf den Pokal.

Erfolge gegen Top-Mannschaften stehen aus

Dennoch scheint solches Gerede verfrüht. Belgien hat zwar sieben der acht Qualifikationsspiele gewonen, erreichte gegen den einzigen ernsthaften Konkurrenten Kroatien aber nur ein Remis vor heimischer Kulisse. Der einzige Sieg gegen eine große Nationalmannschaft, nach einem torlosen Unentschieden gegen Frankreich und einer 0:1-Niederlage gegen England, gelang beim 4:2 über die Niederlande, als Louis van Gaal sein Debüt als Bondscoach gab. Die Bilanz einer echten Spitzenmannschaft ist das nicht.

Einzig die Zeit wird zeigen, ob diese Generation Belgiens als eine große in die Geschichte eingehen wird. Die Mannschaft von Marc Wilmots hat das Potenzial, viel zu erreichen, doch zuvor muss dieses Team beweisen, dass man auch große Konkurrenten schlagen und dem Hype gerecht werden kann.

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