Neuseeland verblüfft die Fußballwelt

An dieses Team wird man sich in der Heimat sicher noch lange erinnern. Was die „All Whites“ in Südafrika geleistet haben, verdient höchsten Respekt.

Von Claas PHILIPP

Ricki Herbert Coach of New Zealand(Getty Images)
Polokwane. Irgendwas hat Wolf-Dieter Poschmann anscheinend falsch verstanden. Als die Partie zwischen Paraguay und Neuseeland auf ein 0:0 hinauslief, zeigte sich der Kommentator des ZDF enttäuscht, wie wenig die „Kiwis“ für die Offensive taten. In der Tat ging nach vorne nicht viel, in der Tat hätten die Neuseeländer zum Weiterkommen einen Sieg gebraucht. Was ihm aber offenbar nicht klar war: Dass der Fußball-Nobody auch sein drittes WM-Spiel nicht verloren hat, grenzt an ein Wunder - und darf nicht als Enttäuschung, sondern muss als Riesenerfolg gewertet werden.

FIFA-Weltranglistenplatz 78

Führen wir uns vor Augen: Es gibt in diesem kleinen Inselstaat (4,3 Millionen Einwohner) keine Profi-Liga. Das Land rangiert in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 78. Zum Vergleich: Die Gruppengegner stehen auf den Rängen 5, 31 und 34. Die Mannschaft besteht teilweise aus vereinslosen Spielern, aus Halbprofis. Diesem Team sollte man angesichts dieser Voraussetzungen nicht vorwerfen, dass es spielerisch limitiert ist - das ist absolut fehl am Platz.

Herberts Doppelfunktion

In Neuseeland gibt es übrigens nur einen Profi-Verein, die Wellington Phoenix. Dortiger Trainer ist Ricki Herbert. Jener Ricki Herbert, der auch die Nationalmannschaft, die „All Whites“, trainiert. „Einige Leute dachten, dass wir nicht einmal hätten hier sein dürfen und dass wir Amateure im Team hätten, die nicht gut genug seien. Ich denke, dass dürften wir widerlegt haben“, sagte Herbert nach der Partie gegen Paraguay. Tatsächlich gab es vor der WM Stimmen, die meinten, dass die neuseeländische Auswahl nicht bei der WM hätte dabei sein dürfen.

Europäische Arroganz?

Das Team hat nämlich davon profitiert, dass Australien zum asiatischen Verband gewechselt ist - so war der größte Konkurrent in der ozeanischen WM-Qualifikations-Gruppe aus dem Weg geräumt. Nachdem das Ticket nach Südafrika dann tatsächlich gesichert wurde, war vielerorts davon zu lesen, dass der WM-Qualifikationsmodus der FIFA dringend umgestellt werden müsse. „Australien UND Neuseeland bei einer WM? Das geht doch nicht!“, so der Tenor.

Macht Herbert weiter?

Dass durchaus beide Teams bei einer Weltmeisterschaft willkommen sein sollten, hat Südafrika gezeigt. Und es ist auch durchaus denkbar, dass Neuseeland nun zum Stammgast bei der WM wird. „Ungefähr 85 Prozent des Teams werden 2014 noch dabei sein. Unsere Zukunft sieht sehr gut aus“, gibt Herbert einen vielversprechenden Ausblick. Ob er dann auch noch dabei sein wird, ließ der Mann, der 1982 bei Neuseelands bislang einziger WM-Teilnahme als Spieler dabei war, allerdings offen. „Ich fliege jetzt erst einmal nach Hong Kong in den Urlaub“, meinte der 49-jährige. Den hat er sich verdient.

Eure Meinung: Was sagt Ihr zu Neuseelands Überraschungs-WM?



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