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Les Miserables – eine Tragödie in drei Akten
Frankreich ist das Land großer Dramaturgen. Moliere revolutionierte einst das Genres der Komödie. Nun schickt sich die „Equipe Tricolore“ an, die Tragödie neu zu definieren – wobei sich so mancher Anhänger der Les Bleus eher wie im Schmierentheater vorkommen mag.
Von Benjamin HOFMANN
Knysna. Aus der Grande Nation, den stolzen Kickern des großen Frankreich, ist augenscheinlich im Laufe der WM 2010 ein Sauhaufen geworden. Leider muss man zu derart drastischer Wortwahl greifen. Hier könnt Ihr die Schmierenkomödie von Hobbyregisseur Raymond Domenech mit den Amateurschauspielern Nicolas Anelka, Patrice Evra und Co. in den Hauptrollen chronologisch verfolgen – eine Tragödie in drei Akten.
Akt I – die Wirrungen um Yoann Gourcuff
Schon im Laufe der Vorbereitung drangen Meldungen von fehlendem Teamgeist aus dem Trainingslager in Tignes bzw. nach der Anreise in Südafrika aus Knysna. Dort, wo Raymond Domenech seine Laienschausteller hinter elektrisch geladenem Zaun vor der Aussenwelt abschottete – nun weiß man auch, warum: nicht etwa, um sie vor den drohenden Gefahren der südafrikanischen Wildnis zu schützen. Sondern offenbar eher, um der Öffentlichkeit nicht direkt ein Bild davon zu geben, wie gestandene Fußballer Blut drünstigen Hyänen gleich sich selbst zerfleischen.
Denn seine Schütlinge präsentierten sich so gar nicht wohl errzogen. William Gallas soll eingeschnappt gewesen sein, da ihm Patrice Evra als Kapitän vorgezogen worden war. Zudem zeigte man sich kritikunfähig, als man einen öffentlichen Auftritt mit der Staatssekretärin des Sportministeriums, Rama Yade, nach deren Anfeindungen absagte. Zugegeben, ihre scheinheilig-populistische Kritik am teuren Teamhotel ging für sie selbst nach hinten los. Immerhin: Les Bleus präsentierten sich als Einheit, bejahten durch die Bank die Terminabsage.
Doch einer in dieser Einheit soll wie ein Fremdkörper gewirkt haben: Yoann Gourcuff. Bereits nach dem Remis gegen Uruguay gab Florent Malouda zu: „Die Stimmung im Team ist nicht die beste.“ Schon da kursierten Gerüchte, Gourcuff werde gemobbt, da er gute Manieren an den Tag lege und ab und an die Nase in ein Buch stecke, anstatt mit den Cliquen im Team an der Playstation zu hängen. Alles nur Medienterz? Fakt ist: Im Testspiel gegen Tunesien riss Franck Ribery dem Spieler von Girondins Bordeaux bei einem Freistoß den Ball aus der Hand. Sogar L’Equipe berichtete darüber. Erst aus der jetzigen Situation wird klar: Die Meldungen über die Zerissenheit im französischen Nicht-Team waren wohl nicht von den Medien hochgepusht, sondern spiegelten die realen Verhältnisse wieder.
Akt II – Anelkas Wutausbruch und der Kabinenmaulwurf
Auf obszöne Art und Weise soll Nicolas Anelka in der Halbzeitpause gegen Mexiko Raymond Domenech beleidigt haben. Anelka wurde vom Verband nach Hause geschickt, beendete seine Karriere in der Nationalmannschaft. Mittlerweile ist er in London angekommen, soll, so sein Bruder Claude, gar von Arbeitgeber Chelsea einen Maulkorb bekommen haben. Er selbst bestreitet die von der L’Equipe überlieferte Wahl seiner Worte, spricht lediglich von einer lebhaften Diskussion.
Doch was viel schwerer wiegt: Wie drangen diese Details nach außen? Der Verrat von Interna gilt unter Fußballern als Todsünde, das weiß jeder, der selbst schon einmal gegen das Leder getreten hat. „Was in der Kabine gesprochen wird, ist heilig,“ schimpfte gar der große Zinedine Zidane in den Medien. Kapitän Patrice Evra kündigte an: „Das Problem ist nicht Anelka, sondern der Verräter unter uns. Wir müssen den Verräter aus der Mannschaft eliminieren.“
Akt III – Absage des öffentlichen Trainings
Dem Team selbst reichte es offenbar nicht, dass man sich vor der Weltöffentlichkeit wie ein Haufen zerstrittener Clochards präsentiert hatte. Nun wollte man sich auch noch lächerlich machen. Warum nicht? Schon Moliere war, wie eingangs erwähnt, für seine Komödien bekannt. Vor dem öffentlichen Training am 20. Juni kam es zum Wortgefecht zwischen Evra und Konditionstrainer Robert Duverne, der im Laufe dieser Auseinandersetzung Wut entbrannt seine Stoppuhr wegwarf – zu sehen unter anderem im Video-Stream bei Voetbal International.
Es folgte die Absage der öffentlichen Einheit durch Raymond Domenech im Auftrag der Mannschaft aus Protest über Anelkas Rauswurf. Der Trainer verlas vor den Kameras der Journalisten, deren Reaktionen von amüsiert bis entsetzt reichten, eine Stellungnahme der Truppe. Interessant: Domenech war dabei allein, keineswegs begleitet von seinen Schützlingen – wenn sie das überhaupt einmal in den letzten Wochen waren. Der Verbandsoffizielle Jean-Louis Valentin trat infolge dessen zurück und altgediente Veteranen der Equipe von Zidane bis Papin empörten sich über das Verhalten.

Und heute abend: Tod, Gladiolen oder ein Veilchen?
Gegen Südafrika hat man nur noch den Hauch einer Chance auf das Weiterkommen, denn wenn sich Uruguay und Mexiko remis trennen, reicht nicht einmal ein Sieg, egal in welcher Höhe. Tod oder Gladiolen – diesen Spruch kennt Ribery, der sich für die Mannschaft entschuldigt und den Mobbing-Vorwürfen widersprochen hat, von Louis van Gaal aus München. Bei der Equipe wären sie schon froh, wenn sie mit einem Sieg und damit einem blauen Auge, gemeinhin bekannt als Veilchen, den WM-Abschluss bestreiten könnten.
Eure Meinung: Was sagt Ihr zu den Vorgängen in der französischen Nationalelf?
Akt I – die Wirrungen um Yoann Gourcuff
Schon im Laufe der Vorbereitung drangen Meldungen von fehlendem Teamgeist aus dem Trainingslager in Tignes bzw. nach der Anreise in Südafrika aus Knysna. Dort, wo Raymond Domenech seine Laienschausteller hinter elektrisch geladenem Zaun vor der Aussenwelt abschottete – nun weiß man auch, warum: nicht etwa, um sie vor den drohenden Gefahren der südafrikanischen Wildnis zu schützen. Sondern offenbar eher, um der Öffentlichkeit nicht direkt ein Bild davon zu geben, wie gestandene Fußballer Blut drünstigen Hyänen gleich sich selbst zerfleischen.
Denn seine Schütlinge präsentierten sich so gar nicht wohl errzogen. William Gallas soll eingeschnappt gewesen sein, da ihm Patrice Evra als Kapitän vorgezogen worden war. Zudem zeigte man sich kritikunfähig, als man einen öffentlichen Auftritt mit der Staatssekretärin des Sportministeriums, Rama Yade, nach deren Anfeindungen absagte. Zugegeben, ihre scheinheilig-populistische Kritik am teuren Teamhotel ging für sie selbst nach hinten los. Immerhin: Les Bleus präsentierten sich als Einheit, bejahten durch die Bank die Terminabsage.
Doch einer in dieser Einheit soll wie ein Fremdkörper gewirkt haben: Yoann Gourcuff. Bereits nach dem Remis gegen Uruguay gab Florent Malouda zu: „Die Stimmung im Team ist nicht die beste.“ Schon da kursierten Gerüchte, Gourcuff werde gemobbt, da er gute Manieren an den Tag lege und ab und an die Nase in ein Buch stecke, anstatt mit den Cliquen im Team an der Playstation zu hängen. Alles nur Medienterz? Fakt ist: Im Testspiel gegen Tunesien riss Franck Ribery dem Spieler von Girondins Bordeaux bei einem Freistoß den Ball aus der Hand. Sogar L’Equipe berichtete darüber. Erst aus der jetzigen Situation wird klar: Die Meldungen über die Zerissenheit im französischen Nicht-Team waren wohl nicht von den Medien hochgepusht, sondern spiegelten die realen Verhältnisse wieder.
Akt II – Anelkas Wutausbruch und der Kabinenmaulwurf
Auf obszöne Art und Weise soll Nicolas Anelka in der Halbzeitpause gegen Mexiko Raymond Domenech beleidigt haben. Anelka wurde vom Verband nach Hause geschickt, beendete seine Karriere in der Nationalmannschaft. Mittlerweile ist er in London angekommen, soll, so sein Bruder Claude, gar von Arbeitgeber Chelsea einen Maulkorb bekommen haben. Er selbst bestreitet die von der L’Equipe überlieferte Wahl seiner Worte, spricht lediglich von einer lebhaften Diskussion.
Doch was viel schwerer wiegt: Wie drangen diese Details nach außen? Der Verrat von Interna gilt unter Fußballern als Todsünde, das weiß jeder, der selbst schon einmal gegen das Leder getreten hat. „Was in der Kabine gesprochen wird, ist heilig,“ schimpfte gar der große Zinedine Zidane in den Medien. Kapitän Patrice Evra kündigte an: „Das Problem ist nicht Anelka, sondern der Verräter unter uns. Wir müssen den Verräter aus der Mannschaft eliminieren.“
Akt III – Absage des öffentlichen Trainings
Dem Team selbst reichte es offenbar nicht, dass man sich vor der Weltöffentlichkeit wie ein Haufen zerstrittener Clochards präsentiert hatte. Nun wollte man sich auch noch lächerlich machen. Warum nicht? Schon Moliere war, wie eingangs erwähnt, für seine Komödien bekannt. Vor dem öffentlichen Training am 20. Juni kam es zum Wortgefecht zwischen Evra und Konditionstrainer Robert Duverne, der im Laufe dieser Auseinandersetzung Wut entbrannt seine Stoppuhr wegwarf – zu sehen unter anderem im Video-Stream bei Voetbal International.
Es folgte die Absage der öffentlichen Einheit durch Raymond Domenech im Auftrag der Mannschaft aus Protest über Anelkas Rauswurf. Der Trainer verlas vor den Kameras der Journalisten, deren Reaktionen von amüsiert bis entsetzt reichten, eine Stellungnahme der Truppe. Interessant: Domenech war dabei allein, keineswegs begleitet von seinen Schützlingen – wenn sie das überhaupt einmal in den letzten Wochen waren. Der Verbandsoffizielle Jean-Louis Valentin trat infolge dessen zurück und altgediente Veteranen der Equipe von Zidane bis Papin empörten sich über das Verhalten.

Und heute abend: Tod, Gladiolen oder ein Veilchen?
Gegen Südafrika hat man nur noch den Hauch einer Chance auf das Weiterkommen, denn wenn sich Uruguay und Mexiko remis trennen, reicht nicht einmal ein Sieg, egal in welcher Höhe. Tod oder Gladiolen – diesen Spruch kennt Ribery, der sich für die Mannschaft entschuldigt und den Mobbing-Vorwürfen widersprochen hat, von Louis van Gaal aus München. Bei der Equipe wären sie schon froh, wenn sie mit einem Sieg und damit einem blauen Auge, gemeinhin bekannt als Veilchen, den WM-Abschluss bestreiten könnten.
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Goal.com-Umfrage
Die Umfrage läuft vom 18.06.2010 bis zum 27.06.2010
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