Spielbericht Testspiel: Schweiz - Uruguay

So nicht, meine Herren! Ein sichtlich angefressener Ottmar Hitzfeld musste mitansehen, wie seine Eidgenossen den ersten WM-Test gegen ein durchschnittliches Uruguay mit 1:3 verloren. Es fehlte an so ziemlich allem, besonders aber an Durchschlagskraft.

Schweiz im Jammertal (PA)
(erb) St. Gallen. Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld probte gegen Uruguay im 700. Spiel der Schweizer Nationalmannschaft den Ernstfall: Was ist, wenn die Besten verletzt sind? Konsequent zog Hitzfeld das Worst Case Szenario vor lediglich 12 500 Zuschauern durch, bis hin zur Startaufstellung.

PERSONAL & TAKTIK

Zur Überraschung aller stellte Ottmar Hitzfeld den jungen Xherdan Shaqiri von Beginn an ins linke Mittelfeld. Im Sturn spielten erwartungsgemäß Streller und Derdiyok, im Tor Marco Wölfli. Uruguay begann offensiv mit Diego Forlan und Luis Suarez in der Sturmspitze.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Die Schweiz begann nervös. Schon in der 2. Minute verlor Shaqiri vor dem eigenen Strafraum den Ball, Ziegler spielte einen katastrophalen Rückpass, und Suarez hätte daraus beinahe Kapital geschlagen. Auch Rossini machte zunächst keinen sicheren Eindruck und fing sich in der 6. Minute seine erste gelbe Nationalmannschaftskarte. In der 11. Minute bekam Shaqiri dann die Chance zur Wiedergutmachung, vergab jedoch knapp. Danach war Durchatmen angesagt, auch weil die Schweizer einmal mehr Offensivschwächen zeigten. Positiv fiel auf, dass die Eidgenossen die Zweikämpfe annahmen, während von der berüchtigten ruppigen Spielweise von Uruguay nichts zu sehen war. Schiedsrichter Nicola Rizzoli aus Italien hatte jedenfalls wenig zu tun. In Minute 23 zeigten die „Urus‟ erstmals einen durchdachten Angriff, doch auch Forlan zeigte sich nicht treffsicher. Plötzlich gab es Chance auf Chance: Derdiyok verzog knapp, dann parierte Wölfli gegen Pereira. In der 28. Minute wurde der - wieder mal grundlos ausgepfiffene - Streller zurückgehalten: Elfmeter, den Gökhan Inler souverän verwandelte. Schon drei Minuten später hätte Forlan wieder ausgleichen können, doch drei Rote waren selbst für ihn zu viel. Besser machte er es in der 35. Minute, als er nach einem Rossini-Fehler zum 1:1 einnetzte. Nun übernahmen die „Urus‟ mit schnellen Kombinationen das Kommando und schnürten die Eidgenossen hinten ein. Kurz vor dem Pausentee hätte die Schweiz dann noch einen Elfer nach einem Foul an Lichtsteiner bekommen müssen, doch die Pfeife des Schiris blieb stumm.

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Nach der Pause dann das große Wechseln: Unter anderem kamen Bunjaku, Barnetta und Debütant Davide Chiumiento, bei den „Urus‟ blieb unter anderem Torschütze Forlan in der Kabine. Wieder waren es die „Urus‟, die die erste Chance durch Suarez hatten, wieder war Wölfli zur Stelle. Beim zweiten Suarez-Schuss - ein perfekter Drehschuss in den Winkel aus 16 Metern - war der Schweizer Keeper dann aber machtlos. In der Folge bemühten sich die Eidgenossen um druckvolleres Spiel, konnten aber kaum Gefahr heraufbeschwören. Ein Distanzschuss von Inler in der 59. und ein Barnetta-Pass quer durch den Strafraum, den Bunjaku nur knapp verpasste, waren noch das Gefährlichste. In der 78. war endlich wieder etwas los, auch wenn ein Freistoß der „Urus‟ kein Problem für Keeper Wölfli darstellte. Das Schweizer Gegenstück war in der 82. Minute ein Kopfstößchen von Lichtsteiner in die Hände von Keeper Musiera. Als alle nur noch auf den Schlusspfiff warteten, nutzte Cavani die Verwirrung der kompletten Schweizer Abwehr zum 1:3. In der Schlussminute setzte Chiumiento für die Schweiz mit einer feinen Einzelleistung einen leider nicht belohnten Akzent, worauf Eren Derdiyok mit einem Pfostenschuss den Schlusspunkt markierte.

SCHLÜSSELSZENE & -SPIELER

Das Spiel war viel zu durchschnittlich um eine einzelne Szene herausheben zu können.

SPIELER DES SPIELS: MARCO WÖLFLI

Drei Gegentreffer klingen zwar nicht gut, Tatsache ist aber, dass Wölfli bei allen Toren chancenlos war. Im Gegenteil bewahrte er die Eidgenossen vor wesentlich Schlimmerem und hielt, was zu halten war.

SPIELNOTE: 4

Unheimlich viel Enthusiasmus legten beide Teams nicht an den Tag. Über weite Strecken passierte ganz einfach zu wenig, als dass das Spiel die Zuschauer in der AFG Arena in St. Gallen hätte begeistern können. Die „Urus‟ hatten einige Glanzmomente, die Schweizer gingen mit solchen Highlights sehr sparsam um. Man hätte fast meinen können, dass einige Spieler mit den Gedanken eher bei den Klubs als bei der Nati waren.

FAZIT

Es war alles andere als ein schönes Spiel, aber immerhin eines, das dem „General‟ einige Erkenntnisse geliefert haben dürfte. Aus dem Spiel geht nach vorne noch nicht viel; die Defensive - egal in welcher Besetzung - gerät ins Schwimmen, wenn der Gegner druckvoll agiert. Das Mittelfeld wird zu leicht dem Gegner preisgegeben. Positiv waren dafür die Auftritte von Shaqiri und Wölfli, während für Rossini alles noch ein bisschen zu schnell geht. Es gibt noch viel zu tun, wenn die Eidgenossen ihrer Spielverderberrolle in Südafrika gerecht werden wollen.



 
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