Ottmar Hitzfeld exklusiv: „Deutschland gehört zu den Favoriten“

Der „General“ beim Fußballzwerg Schweiz: Goal.com sprach exklusiv mit Ottmar Hitzfeld und erfuhr einiges über die Ziele der Schweizer, die Erwartungen an die WM in Südafrika und die persönliche Zukunft des Nationaltrainers.

Von Stefan BOKOR

Ottmar Hitzfeld (Getty Images)
Sun City. Auf der langen Reise zum FIFA-Workshop in Sun City, Südafrika, nahm sich Ottmar Hitzfeld Zeit für unseren Korrespondenten Stefan Bokor. Der "General" plauderte aus dem Nähkästchen und stand Goal.com Rede und Antwort.

Nur noch etwas mehr als 100 Tage bis zur WM - spüren sie schon die Euphorie?

Ottmar Hitzfeld: Ich spüre, dass die Fußballschweiz große Erwartungen hat. Ich glaube, für manche Fans ist es die normalste Sache der Welt zu glauben, dass wir ins Halbfinale vorstoßen. Aber wir müssen realistisch bleiben: Die Schweiz wird nie ein Favorit auf den Titelgewinn bei einem großen Turnier sein. Wir können aber Spielverderber sein und bereiten uns auch auf diese Rolle vor. Zwischen dem 25. Mai und dem 6. Juni haben wir Testspiele in Sion gegen Costa Rica und in Genf gegen Italien.

Sie werden in Südafrika Ihr WM-Debüt als Nationaltrainer geben. Freuen Sie sich umso mehr auf das Turnier?

Ottmar Hitzfeld: Stimmt, das ist eine Premiere für ich, und die Vorfreude ist riesig - aber nicht für mich persönlich, sondern weil die Schweiz dabei ist.

Sie haben einen Fußballzwerg übernommen und sind deshalb für viele sogar der Schlüsselspieler des Teams. Man erwartet viel von Ihnen, doch was erwarten Sie persönlich von der WM in Südafrika?

Ottmar Hitzfeld: Wie ich schon gesagt habe, werden wir unser Potenzial voll ausschöpfen und versuchen, den Favoriten ein Bein zu stellen. Gelegenheiten dazu gibt es genügend, zum Beispiel schon in der ersten Partie gegen Spanien, einen der Top-Anwärter auf den Titel. Ansonsten gilt für uns dasselbe wie für viele andere auch: Wir wollen die Gruppenphase überstehen und in's Viertelfinale einziehen. Danach definieren sich die Ziele dann von selbst.

Welches Nationalteam sehen Sie als Kronfavorit auf den Titel, und welchem trauen Sie eine Überraschung zu?

Ottmar Hitzfeld: Meiner Meinung nach sind Spanien und Brasilien die Topfavoriten. Für Überraschungen sind einige Mannschaften gut, aber das ist schwer vorauszusagen und wird sich erst in Südafrika herauskristallisieren.

Hätten Sie gern Deutschland in Ihrer Gruppe gehabt? Und wie schätzen Sie die Chancen des DfB-Teams ein?

Ottmar Hitzfeld: Deutschland und die Schweiz in einer Gruppe - das wäre zur Mediensensation geworden! Aber das sind alles nur Kopfspiele, denn solche Auslosungen sind kein Wunschkonzert. Man muss die Auslosung akzeptieren und das beste daraus machen. Aber Deutschland gehört für mich zum Favoritenkreis, zusammen mit England, Italien, Holland und eben Spanien und Brasilien.

Werden Sie jemals in den Klubfußball zurückkehren oder ist dieses Kapitel endgültig abgeschlossen?

Ottmar Hitzfeld: Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich sagen, dass ich kein Klubteam mehr übernehmen werde. Mein Vertrag mit dem Schweizer Fußballverband läuft noch bis zum 30. Juni 2012, dann werde ich 63 Jahre alt sein. Das würde mich dann überfordern, und ich würde mir den Druck von sechzig Spielen im Jahr auch nicht mehr antun wollen.

Ihre Spieler Tranquillo Barnetta und Eren Derdiyok stehen mit Leverkusen hinter Bayern auf Platz Zwei der Bundesliga. Welchem Team räumen Sie mehr Chancen auf den Meistertitel ein?

Ottmar Hitzfeld: Dieses Duell verfolge ich mit großem Interesse, und es freut mich natürlich, dass zwei Schweizer Nationalspieler dabei eine wichtige Rolle spielen. Ich würde vermuten, dass die Bayern am Ende knapp das Rennen machen, wenn sie mit der Doppelbelastung aus Liga und Champions League gut zurecht kommen.

Wie sehen Sie ihre Zukunft im Nationalteam der Schweiz?

Ottmar Hitzfeld: Wie ich schon sagte, habe ich meinen Vertrag vorzeitig um zwei Jahre verlängert. Jetzt möchte ich mich ganz auf die Weltmeisterschaft konzentrieren.


 
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