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Bosnien-Herzegowina feiert eine Premiere. Erstmals löste das Land durch einen 1:0-Erfolg in Litauen das WM-Ticket. Vedad Ibisevic erzielte das Siegtor.

Kaunas/Sarajevo. Als Vedad Ibisevic vom VfB Stuttgart mit seinem Tor das Land in einen kollektiven Freudentaumel gestürzt hatte, gerieten auch die Berichterstatter aus Bosnien-Herzegowina außer Rand und Band.

Gemeinsam mit Ibisevic, Edin Dzeko und Co. hüpften und sangen zwei bosnische TV-Journalisten am Spielfeldrand in Kaunas vor laufender Kamera und feierten nach dem 1:0 (0:0) in Litauen die erstmalige Qualifikation für eine Fußball-WM ausgelassen.

Party-Hauptstadt Sarajewo

"Das ist überwältigend", sagte Matchwinner Ibisevic, der mit seinem achten Tor in der Qualifikation den Weg nach Brasilien geebnet hatte. Während einige überglückliche Spieler hemmungslos weinten, startete in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo eine lange Partynacht. Höhepunkt war die Rückkehr der Mannschaft, die sich nach ihrer Ankunft in Sarajevo auf dem Rathausbalkon feiern ließ.

Tausende Anhänger hatten das Spiel bereits gemeinsam auf Leinwänden verfolgt, nach dem Abpfiff kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Die Fans lagen sich in den Armen, unzählige Bengalos sowie Feuerwerkskörper wurden gezündet, und Autokorsos legten den Verkehr bis in die frühen Morgenstunden lahm.



"Ich bin so glücklich wie weitere vier Millionen Bosnier. Das bedeutet sehr viel für unser Land", sagte die zweimalige Eisschnelllauf-Olympiateilnehmerin Bibija Kerla, die sich auf den Straßen der Hauptstadt unter das feiernde Volk gemischt hatte. Braunschweigs Ermin Bicakcic hatte bereits im September exklusiv im Interview mit Goal über die Bedeutung der ersten WM-Teilnahme gesprochen: ""Für eine so junge Nation wäre das ein Riesenschritt."

Historischer Tag

Der ehemalige bosnische Nationalspieler und Bundesligaprofi Hasan Salihamidzic sagte dem Sport-Nachrichtensender Sky Sport News HD: "Wir haben Geschichte geschrieben. Das war beste Werbung für unser Land." 18 Jahre nach Ende des Bosnienkrieges (1992 bis 1995) mit über 100.000 Toten war der Erfolg der "Drachen", wie die Nationalmannschaft genannt wird, Balsam auf die geschundene Seele.

"Wir haben die Macht von Bosnien-Herzegowina gezeigt", sagte der ehemalige Wolfsburger Dzeko. Der Torjäger von Manchester City hatte sich wie seine Mitspieler gelbe T-Shirts mit der Aufschrift "Die Drachen fahren nach Brasilien" übergezogen und twitterte noch tief in der Nacht Bilder von der feuchtfröhlichen Siegesfeier.

Starke Qualifikation gespielt

Acht Siege in zehn Spielen bei nur einer Niederlage lautete die bemerkenswerte Bilanz der Bosnier in der Gruppe G. Allerdings reichte es nur dank der besseren Tordifferenz gegenüber Ex-Europameister Griechenland zu Platz eins. "Ich gratuliere diesen Jungs für ihre großartige Arbeit in den letzten vier Jahren. Es wäre eine echte Ungerechtigkeit gewesen, wenn es uns nicht gelungen wäre, die Gruppe zu gewinnen und für die WM zu qualifizieren", sagte Trainer Safet Susic.

Der Coach, der mit seinem Team die Teilnahme an der EM 2012 in der Relegation gegen Portugal (0:0 und 2:6) noch verpasst hatte, konnte sich in der Qualifikation auch auf seine Bundesliga-Legionäre verlassen. In Litauen standen neben VfB-Profi Ibisevic auch der Leverkusener Emir Spahic, der Braunschweiger Ermin Bicakcic und der Hoffenheimer Sead Salihovic in der Startformation.

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