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Vor allem Frankreich und Portugal müssen um die WM-Teilnahme zittern. Scheitern sie, wären sie in bester Gesellschaft - wir blicken zurück auf tragische und tränenreiche Momente.

ANALYSE
Von Carlo Garganese

Vierzehn Nationalteams haben bereits das Ticket für die WM 2014 in Brasiliengebucht. In den kommenden Tagen und Wochen wird sich die Anzahl der qualifizierten Länder auf 32 erhöhen und somit das endgültige Teilnehmerfeld feststehen.

Viele große Nationen stehen bereits als Qualifikanten fest - inklusive Deutschland, Argentinien, Italien und den Niederlanden. Aber einige wenige stehen noch auf der Kippe. Vor allem die europäischen Fußball-Schwergewichte Frankreich und Portugal, die im nächsten Monat höchstwahrscheinlich in die entscheidende Play-off-Runde müssen.

In Anbetracht der sich dem Ende zuneigenden Qualifikationsrunde blicken wir noch einmal zurück auf tragische und tränenreiche Momente - hier kommt unsere Rangliste der Teams, die, mit großen Erwartungen gestartet, am Ende die WM-Quali verpassten.

10. England 1974

In den 70er Jahren erlebte der englische Fußball einige seiner dunkelsten Stunden. Zwischen 1970 und 1980 qualifizierte sich das Mutterland des Fußballs für kein einziges (!) großes Turnier. Bemerkenswert war, wie die Mannschaft des damaligen Trainers Sir Alf Ramsey die Teilnahme an der WM in Deutschland 1974 vergeigte: Im entscheidenden Spiel gegen Polen am letzten Spieltag in Wembley mussten die „Three Lions“ unbedingt gewinnen. England schaffte nur ein 1:1, weil Polens Keeper Jan Tomaszewki über sich hinauswuchs und gleich mehrere hochkarätige Chancen der Gastgeber zunichte machte. Bemerkenswert, weil Englands Stürmerstar Brian Clough Tomaszewski vor dem Spiel als „Clown“ bezeichnet hatte.

9. Niederlande 1986

Mitte der 80er Jahre wuchs bei den Niederländern eine neue Generation an Topfußballern heran. Darunter waren Weltklassespieler wie Ruud Gullit, Marco van Basten, Frank Rijkaard und Rob de Wit. Trotzt toller Individualisten unterlag die „Elftal“ in den Playoffs ausgerechnet dem Erzrivalen Belgien. Ein spätes Tor von Georges Grun gab in der Schlussphase des Rückspiels den Ausschlag.

8. UdSSR 1978

Obwohl ein Großteil der Spieler aus der überragenden Mannschaft Dynamo Kiews stammte, die 1975 den Europokal der Pokalsieger gewonnen hatte, qualifizierte sich die UdSSR nicht für die WM-Endrunde 1978. Schuld daran war eine überraschende 0:1-Niederlage in Thessaloniki gegen Griechenland. Dadurch fiel die Mannschaft um den legendären Oleg Blochin in ihrer Gruppe noch auf Platz zwei hinter Ungarn zurück.

7. Italien 1958

Nach dem „Superga Air Disaster“ 1949, bei dem ein Großteil der Mannschaft von „Grande Torino“ ums Leben kam, brauchte Italien nahezu ein Jahrzehnt, um im Weltfußball wieder Fuß zu fassen. Tiefpunkt war das Scheitern in der Quali für die WM in Schweden 1958. Italien verlor das letzte Spiel in Belfast gegen Nordirland und musste zusehen. Zweifellos eine der schlimmsten Niederlagen für die Italiener, die danach zwei Jahre lang kein Spiel mehr gewannen.

6. Portugal 1998


Dank Portugals „goldener Generation“ mit Luis Figo, Rui Costa und Joao Pinto hoffte die heimische Öffentlichkeit, dass die Nationalmannschaft bei der WM 1998 endlich wieder an die glorreichen Zeiten eines Eusebio in den 60er Jahren anknüpfen konnte. Doch genau wie 1990 und 1994 schaffte es die „Seleccao“ nicht einmal zur Endrunde. Hinter Deutschland und der Ukraine landete Portugal nur auf Platz drei. Für Diskussionen sorgte die Partie gegen Deutschland in Berlin. Die DFB-Elf siegte mit 1:0 und profitierte von einem umstrittenen Platzverweis gegen Rui Costa.

5. England 1994

Die WM 1994 in den USA fand ohne England statt. Nach der schwachen Europameisterschaft 1992 hatte es der umstrittene Trainer Graham Taylor geschafft, im Amt zu bleiben, doch der Verband wurde für seine Geduld nicht belohnt: England stolperte durch die Qualifikation, verlor in Norwegen und den Niederlanden. Gegen das mächtige San Marino gelang den Briten sogar das Kunststück, nach sieben Sekunden bereits hinten zu liegen.

4. Jugoslawien 1994

Jugoslawien durfte wegen des Bürgerkriegs nicht einmal an der Quali für die Weltmeisterschaft 1994 teilnehmen. Am Ende stand die Zersplitterung des Landes in Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien, Mazedonien, und später Serbien-Montenegro. Nicht wenige Fachleute hielten Jugoslawien zu dem Zeitpunkt für die stärkste Mannschaft der Welt. Unter anderem spielten dort Stars wie Dragan Stojkovic, Zvonimir Boban, Dejan Savicevic, Davor Suker, Darko Pancev, Sinisa Mihajlovic, Robert Prosinecki und Srecko Katanec.

3. Niederlande 2002


„Ohne Holland fahr'n wir zur WM.“ Dieser Schlager wurde 2002 in Deutschland zum Ohrwurm schlechthin. Schadenfreude ist eben doch die reinste Freude. Dabei war es eigentlich unfassbar: Trotz Spielern wie Edgar Davids, Clarence Seedorf, Ruud Van Nistelrooy, Marc Overmars und Jaap Stam schaffte es die Mannschaft des heutigen Bayern-Trainers Louis van Gaal nicht nach Südkorea und Japan. Beim Showdown in Dublin gegen Irland (0:1) versagten den Oranje-Stars die Nerven.

2. Schottland 1970

Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre war der schottische Fußball in Europa gefürchtet. Celtic holte 1967 den Landesmeisterpokal und die Rangers gewannen 1972 den Europapokal der Pokalsieger. Die Crème de la Crème der schottischen Liga (Jimmy Johnstone und John Greig) gehörten ebenso zur Nationalmannschaft wie die England-Legionäre Denis Law und Billy Bremner. Trotzdem reichte es in der Qualifikationsgruppe nur zu Rang zwei hinter Deutschland. Schottland verlor das entscheidende Spiel in Hamburg mit 2:3.

1. Frankreich 1994


Auf dem Weg zur WM 1994 schien für „Les Bleus“ alles entspannt zu laufen. Aus den ersten acht Spielen der Gruppe sechs holten sie 13 von möglichen 16 Zählern. Dadurch brauchten sie nur noch einen Punkt aus den verbleibenden beiden Heimspielen gegen Israel und Bulgarien. Doch die Franzosen brachten es fertig, beide Partien durch Gegentreffer in der Nachspielzeit zu verlieren. Jean-Pierre Papin, David Ginola, Eric Cantona, Didier Deschamps und Marcel Desailly hatten in jenem Sommer frei.

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