thumbnail Hallo,

Just Fontaine hält noch immer den Rekord für die meisten Tore bei einer WM, zudem tat "Monsieur Dynamite" Deutschland mit einem Viererpack richtig weh. Am Sonntag wird er 80.

Köln/Toulouse. Er ärgerte Deutschland mit vier Toren und setzte bei der WM 1958 einen Rekord für die "Ewigkeit" - doch dazu wäre es um ein Haar gar nicht gekommen. Denn Just Fontaine hatte im Sommer 1958 keine Schuhe. Nach dem Gewinn des Doubles in Frankreich waren seine einzigen beiden Paare kaputtgegangen. "Zum Glück", erklärte die französische Ikone später, "hatte mein Mannschaftskamerad Stéphane Bruey die gleiche Schuhgröße und lieh mir seine Fußball-Stiefel."

Was Fontaine, der am Sonntag 80 Jahre alt wird, mit den Ersatztretern anstellte, steht in sämtlichen WM-Büchern ganz oben: Seine 13 Treffer bei einer Endrunde sind bis heute unübertroffen. "Der Gedanke amüsiert mich, dass meine Tore durch das Zusammenspiel zweier Seelen entstanden, die in ein und denselben Latschen steckten", sagt "Monsieur Dynamite", der in Schweden ursprünglich als Ersatzmann vorgesehen war und gegen Deutschland für einen letzten großen Knall sorgte. Beim legendären 6:3-Sieg Frankreichs im abschließenden Spiel um Platz drei schnürte er einen Viererpack.

"Jungspund" Schnellinger als Gegenspieler

"Ich habe als Gegenspieler einen Jungspund gehabt", erzählte der gebürtige Marokkaner vor fünf Jahren dem SID. Später, nach Auswertung alter Fotos, habe er erst herausgefunden: "Es war Karl-Heinz Schnellinger, der zwölf Jahre später Deutschland bei der WM in Mexiko in die Verlängerung dieses Jahrhundertspiels gegen Italien gerettet hat."

Sein Spitzname verrät es: Fontaine, der eigentlich Radrennfahrer werden wollte, war blitzschnell. "Schneller als Gerd Müller", wie er angesprochen auf einen Vergleich mit dem deutschen Rekordtorjäger behauptet. Müller, dem 14 Tore in zwei WM-Turnieren gelangen, "hatte den besseren Torinstinkt", gesteht er jedoch. In 200 Liga-Spielen in Frankreich traf der beidfüßige Vollblutstürmer 165-mal, gewann vier Meisterschaften und wurde zweimal Torschützenkönig. Zudem führte er als Nachfolger von Raymond Kopa den damaligen Spitzenklub Stade Reims mit zehn Treffern ins Finale des Europapokals der Landesmeister 1959 gegen Real Madrid (0:2).

Karriereende nach zweitem Beinbruch 

Verletzungsbedingt kamen in Fontaines Länderspiel-Karriere nur noch 17 Treffer hinzu - für seine insgesamt 30 Tore benötigte er allerdings nicht mehr als 21 Spiele. Fontaine, der nach eigenen Angaben so hoch springen konnte, "dass ich Schnee auf meinen Haaren hatte", beendete nach dem zweiten Beinbruch seine Karriere im Alter von nur 28 Jahren. "Ich hätte gerne fünf, sechs Jahre Fußball gegen den WM-Rekord getauscht", gesteht er: "Ich hatte meine besten Jahre noch vor mir."

In Toulouse, wo er seit 1961 lebt, gründete Fontaine zwei Sportgeschäfte. Nicht genug für den Hobby-Sänger, der als erster französischer Fußballspieler eine Schallplatte aufnahm: Er wurde 1967 "der kometenhafteste Trainer der französischen Nationalmannschaft" - und nach zwei Spielen wieder entlassen. Noch so ein Rekord für die "Ewigkeit".

EURE MEINUNG: Fällt der Torrekord bei der WM in Brasilien?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal auf 
 oder werde Fan von Goal auf !

 

Dazugehörig