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Christian Seifert hat ordentlich ausgeteilt. Die Vergabe der WM nach Katar ginge gegen die Gesundheit der Spieler und die Grundidee des Sports.

London. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat bei einer Presserunde in London vor dem Champions-League-Finale am Samstagabend die WM-Vergabe nach Katar 2022 erneut scharf kritisiert: Die FIFA sei nicht am Wohlergehen der Spieler, der Fans und des Sports interessiert. Eine Verlegung des Turniers in die Wintermonate sei sehr kompliziert und könnte überdies eine erneute Wahl nach sich ziehen. Aber auch die UEFA kam nicht ungeschoren davon.

"Wir freuen uns sehr, dass die FIFA erkannt hat, dass es in Katar im Sommer sehr warm wird", kommentierte der 44-Jährige die Überlegungen des Weltverbandes, die WM in den Wintermonaten auszutragen. "Ich bin absolut überzeugt davon, dass es sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich ist, in Katar im Sommer eine Weltmeisterschaft auszuspielen." Im Hochsommer können im arabischen Emirat bis zu 50 Grad Celsius erreicht werden.

Seifert: FIFA nicht glaubwürdig

"Die Priorität sollte immer zuallererst auf der Gesundheit der Spieler liegen", so Seifert weiter, "und das macht mich so wütend: Diese Entscheidung ignoriert die Gesundheit der Spieler und die Realitäten des Spiels." Eine solche Entscheidung sei weniger dem Sports als der Politik verpflichtet: "Ich bin mir der Glaubwürdigkeit der FIFA nicht sicher. Vielleicht sollten sie ihr Motto ändern - denn das ist nicht gut für den Sport."

Gastgeber Katar hatte angekündigt, die Stadien mittels Klimaanlagen auf annehmbare Temperaturen herunter zu kühlen. Sogar künstliche Wolken waren schon im Gespräch. "Vielleicht kann man einen künstlichen zweiten Himmel über dem ganzen Land oder über den Stadien herstellen", spottete Seifert, "aber was bedeutet das für die Medienleute, die dort arbeiten müssen? Was bedeutet es für die Fans?"

Nationale Ligen gegen neuen WM-Termin

In den letzten Monaten hatten sowohl die FIFA als auch das Gastgeberland konkreter über eine Verlegung der WM in den Winter diskutiert. Das würde den internationalen Terminkalender jedoch langfristig beeinträchtigen, so Seifert.

"Ich habe von den anderen Ligen den Eindruck, dass sie mit der Situation auch sehr unzufrieden sind: Die Entscheidung wurde getroffen und jetzt beeinflusst ein vier Wochen langes Turnier vielleicht drei Jahre lang die professionellen Ligen in Europa." Das zeige, dass die FIFA die Tagesgeschäfte in den Ligen – dem "Kern und dem Herzen des Fußballs" – vollständig ignoriere.

Zudem könne die Vergabe der WM durch eine Verlegung wieder angefochten werden. "Ich bin davon überzeugt, dass Länder wie England eine erneute Abstimmung forcieren würden, sollten sie eine Chance sehen", betonte Seifert. Die Premier League hatte eine Verlegung der WM ebenfalls kritisiert.

UEFA muss Gelder anders verteilen

An gleicher Stelle sprach sich Seifert für eine Umverteilung der Gelder in den internationalen Wettbewerben der UEFA aus. "Die Gelder aus der Champions League üben enormen Einfluss aus - in Deutschland [bekommen Dortmund und Bayern] doppelt so viel wie aus den nationalen TV-Einnahmen", sagte der DLF-Geschäftsführer.

"Die UEFA sollte neu darüber nachdenken, wie sie die Gelder der Champions League und der Europa League verteilen, denn jedes Land braucht einen attraktiven nationalen Wettbewerb und nicht nur zwei dominierende Mannschaften" erklärte Seifert. Durch die steigenden Einnahmen aus der Champions League würde die Schere zwischen den Klubs immer weiter auseinandergehen.

Auch in der Bundesliga, oft als Vorzeigeliga in Europa genannt, seien die Voraussetzungen der Teams nicht die gleichen: "Wir sind stolz darauf, zwei Teams im Finale zu haben, aber das bedeutet nicht, dass wir 18 Teams auf diesem Level haben", warnte Seifert. "Davor haben wir zehn Jahre lang darüber diskutiert, warum wir keine Chance haben, die Champions League zu gewinnen." Er räumte aber ein, in den letzten Jahren "mehr richtig als falsch gemacht zu haben".

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