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Nach den Skandalen der letzten Monate fordert der ehemalige DFB-Präsident, die jüngsten WM-Vergaben noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Berlin. Theo Zwanziger hat sich in einem veröffentlichten Telefongespräch mit dem Sportjournalisten Jens Weinreich für eine Aufklärung der WM-Vergaben 2006, 2018 und 2022 ausgesprochen. „Die WM-Vergabe 2006 muss auch überprüft werden, wenn es Verdachtsmomente gibt, die ich nicht kenne“, sagte der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und das aktuelle Mitglied im Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes FIFA.

„Grundlagen sind vorhanden“

Zuletzt war das Thema WM-Vergabe 2006 nach Deutschland wieder aufgekommen, nachdem FIFA-Präsident Joseph Blatter Andeutungen gemacht hatte, dass es bei der Abstimmung des FIFA-Exekutivkomitees im Juli 2000 nicht mit rechten Dingen zugegangen sei.

Auch die weiteren Vergaben gehörten auf den Prüfstand, erklärte der 67-Jährige weiter. Die Grundlagen dafür mit einer unabhängigen Anklagebehörde seien geschaffen. Der vorsitzende Ermittler Michael J. Garcia habe es nun in der Hand - zumal die WM-Vergaben nach Russland und Katar zu einem Zeitpunkt vergeben worden seien, als bereits das FIFA-Ethikreglement von 2009 gegolten habe. „Die Grundlagen aus dieser Zeit sind vorhanden. Also muss man sich daran machen, das mal zu untersuchen“, sagte Zwanziger.

Danach gefragt, ob das damalige FIFA-Mitglied Franz Beckenbauer im Dezember 2010 für den WM-Austragungsort Katar gestimmt habe, antwortete Zwanziger: „Ich gehe nicht davon aus, dass Franz Katar gewählt hat. Das kann der als Fußballer nicht.“

„Ansehen kann man nicht kaufen“

Zwanziger äußerte darüber hinaus Kritik am Weltverband. Auf die geäußerte Feststellung Weinreichs, die FIFA habe ein großes Imageproblem, sagte er mit Bezug auf die Rücklagen des Weltverbandes in Höhe von über einer Milliarde Euro: „Ansehen können Sie sich durch Geld nicht kaufen, Ansehen können sie sich nur erarbeiten.“

Für ihn sei seit 1998 erkennbar gewesen, dass ein schleichender Prozess des Ansehensverlustes in der FIFA vor sich gehe, weil einige „wichtige Teile nicht so bearbeitet worden sind, dass sie für die Öffentlichkeit nachvollziehbar erscheinen“.

Änderungen bereits im Gange

Auch müsse man, wenn sich die Reformen im Weltverband nicht als zielführend erweisen würden, „über weitere Schritte nachdenken. Sport muss immer etwas mit Werten zu tun haben.“ Zwanziger nahm damit Bezug auf eine von Weinreich genannte Anti-Korruptionsbehörde im Sport.

Der langjährige Sportfunktionär Zwanziger war aber auch der Ansicht, dass sich in der FIFA „jetzt einiges ändert. Für manche zu langsam, aber es ändert sich etwas.“ Auch zum brisanten Thema Veröffentlichung von FIFA-Funktionärsbezügen bezog Zwanziger Stellung. Er gehe davon aus, „dass das Thema Vergütungen auch mit dem Aspekt Öffentlichkeit behandelt wird“. Auf konkrete Nachfrage Weinreichs, wie viel er denn vom Weltverband bekomme, sagte Zwanziger, dass er diesbezüglich nicht vorpreschen wolle. „Das wäre illoyal den Kollegen gegenüber.“

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