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Ab Samstag rollt bei der U19-Europameisterschaft der Ball. Einige der talentiertesten Jugendspieler Europas treffen sich in Ungarn zum Schaulaufen.

Bei der U19-EM in Ungarn drängeln sich die Scouts der großen und kleinen Vereine auf den Tribünen, um die kommenden Stars im europäischen Fußball zu begutachten.

Keine Zeit für einen kurzen Abstecher nach Budapest? Kein Problem: Goal nimmt für euch die vielversprechendsten Spieler des Turniers schon einmal unter die Lupe und verrät vorab, von wem ihr in Zukunft noch so Einiges hören könntet.

Andrija Zivkovic, Serbien | Partizan Belgrad
STECKBRIEF
Alter 18
Position rechter Flügel
U19-Länderspiele 2
LETZTE SAISON
Saison-Spiele in der 1. Liga 23
Tore 5
Vorlagen 1

Der pfeilschnelle Außenspieler von Partizan Belgrad vereint gleich zwei Besonderheiten auf sich: Er ist nicht nur jüngste serbische Nationalspieler aller Zeiten, sondern auch der jüngste Spielführer in der Partizan-Geschichte. Bereits im zarten Alter von 17 Jahren und acht Monaten trug er beim serbischen Traditionsverein die Kapitänsbinde.

Der wuselige Flügelflitzer gilt trotz seiner nur 1,70 Meter Körpergröße als durchsetzungsstark und technisch hervorragend ausgebildet. Nur am Auge für den Mitspieler muss der 18-Jährige noch arbeiten: Fünf Toren in der vergangenen Saison steht nur eine einzige Torvorlage im selben Zeitraum gegenüber. Sollte Zivkovic diese Schwäche noch ausmerzen und seine Karriere weiterhin in einem derart rasanten Tempo vorantreiben, dürfte ein Wechsel in eine der stärkeren Ligen Europas nur noch eine Frage der Zeit sein.

Sascha Horvath, Österreich | FK Austria Wien

STECKBRIEF
Alter 17
Position offensives Mittelfeld
U19-Länderspiele 2
LETZTE SAISON
Saison-Spiele in der 1. Liga 12
Tore 0
Vorlagen 0

1,64 Meter geballte Dribbling-Kompetenz ­– der 17-Jährige gilt bei Manchen als größtes österreichisches Talent seit Bayern Münchens David Alaba. Bereits seit seinem zehnten Lebensjahr spielt der offensive Mittelfeldspieler beim FK Austria Wien und ist als echtes Eigengewächs Liebling der Fans. Auch dank seiner spektakulären Spielweise ist der "kleine Dribblanski" in Österreich in aller Munde.

Doch obwohl er oft und gerne technisch hochwertige Kabinettstückchen in seine Offensivaktionen einbaut, ist Horvath keineswegs ein reiner "Schönwetter-Fußballer“. Seine Dynamik und Antizipationsfähigkeiten verhelfen ihm trotz der geringen Körpergröße zu anständigen Zweikampfquoten. Trotzdem liegt die große Stärke des Juniorennationalspielers im Tempodribbling. Seine Wendigkeit und hervorragende Technik bilden die Grundlagen seines Spiels.

Verbessern muss sich der Österreicher vor allem noch in Sachen Effektivität: Zwar war er für die Jugendmannschaft seines Vereins in der UEFA Youth-League in sechs Spielen an fünf Toren beteiligt, doch im Herren-Team konnte er in zwölf Einsätzen noch keinen einzigen Scorerpunkt einfahren. Schalkes Trainer Jens Keller beobachtete den talentierten Jugendspund aber bereits und auch Austria-Coach Herbert Gager ist sich sicher: "Das Ausland wird über kurz oder lang für Sascha Horvath ein Thema werden, nur der richtige Zeitpunkt ist ganz wichtig."

Julian Brandt, Deutschland | Bayer Leverkusen
STECKBRIEF
Alter 18
Position linker Flügel
U19-Länderspiele 10
LETZTE SAISON
Saison-Spiele in der 1. Liga 12
Tore 2
Vorlagen 3

Eine Stufe weiter ist da Julian Brandt. Spätestens, als der damals 17-Jährige in Diensten von Bayer Leverkusen im bereits zur Halbzeit verlorenen Champions-League-Spiel gegen Paris St. Germain eingewechselt wurde – und sich im zweiten Spielabschnitt zum besten Leverkusener auf dem Platz mauserte –, dürfte auch dem letzten Zweifler aufgefallen sein, welch außergewöhnliches Talent sich die Werkself da in die eigenen Reihen geholt hatte. Auch, dass Brandt in seiner ersten Bundesligasaison in zwölf Partien zwei Tore und drei Vorlagen beisteuern konnte, lässt die Ablösesumme von 350.000 Euro, die Bayer an den VfL Wolfsburg zahlen musste, als echtes Schnäppchen erscheinen.

Der Blondschopf ist nicht nur ein hervorragender Dribbler, sondern besticht vor allem durch seine Unbekümmertheit und den ausgeprägten Zug zum Tor. Kein Wunder, denn als großes Vorbild gibt der 18-Jährige Linksaußen BVB-Star Marco Reus an. Gemeinsam mit dem Nationalspieler hat der Leverkusener vor allem die Geradlinigkeit und exzellente Schusstechnik. Bezeichnend: Brandts erstes Bundesligator gegen Hertha BSC war ein sehenswerter Fernschuss.

Dass der Rechtsfuß trotz seines jungen Alters schon gegen Top-Stars wie Zlatan Ibrahimovic oder Thiago Silva auf dem Rasen stand und sich am Ende der Saison sogar einen Platz in der Leverkusener Startelf erkämpfte, dürfte seine ohnehin schon rasante Entwicklung weiter in großen Schritten vorantreiben.

Wenn Brandt bei dieser U19-EM sein volles Potenzial abrufen kann, wird er mit Sicherheit einer der prägenden Spieler des Turniers werden und auch mittelfristig scheint der Weg zur internationalen Klasse für den gebürtigen Bremer wie vorgezeichnet. Obwohl die ganz große Zukunft noch vor ihm liegt, hat Julian Brandt einen Rekord vorerst schon mal sicher: Er löste Heiko Herrlich als jüngsten Torschützen in der Geschichte der Rheinländer ab.

Levin Öztunali, Deutschland | Bayer Leverkusen
STECKBRIEF
Alter 18
Position zentrales Mittelfeld
U19-Länderspiele 7
LETZTE SAISON
Saison-Spiele in der 1. Liga 9
Tore 0
Vorlagen 0

Dass es nicht unbedingt nur von Vorteil ist, berühmte Persönlichkeiten in der Familie zu haben, musste Levin Öztunali schon am eigenen Leib erfahren. Als der damals 17-Jährige den Hamburger SV verließ, um wegen der besseren Perspektive bei Bayer Leverkusen anzuheuern, war das Geschrei in der Hansestadt groß – schließlich ist Öztunali der Enkel des großen Uwe Seelers und somit quasi Vereinseigentum.

Hamburgs damaliger Sportchef Frank Arnesen konnte sich ein Nachtreten deswegen auch nicht verkneifen. "Es liegt an Levin, ob er sich für die Ausbildung und Familie oder fürs Geld entscheidet", ließ er vermelden. HSV-Heiligtum Seeler konterte: "Es ist armselig, was mit meinem Enkel passiert ist. Ich kenne die Hintergründe. Ich stehe voll und ganz hinter Levins Entscheidung. Sie ist reiflich überlegt."

Und Öztunali? Der heute 18-jährige zentrale Mittelfeldspieler ließ sich von der Unruhe um seine Person nicht beeindrucken. Nur einen Monat nach seinem Wechsel avancierte er zum jüngsten Leverkusener Bundesligaspieler aller Zeiten. Dem in der Zentrale stark besetzten Bayer-Mittelfeld war es allerdings geschuldet, dass er in der Folgezeit nur noch sporadisch zum Zug kam. Trotzdem stehen für den hochveranlagten Deutsch-Türken bereits neun Bundesligaeinsätze zu Buche. Jetzt will Öztunali nach dem Abgang von Shootingstar Emre Can in Leverkusens defensivem Mittelfeld so richtig durchstarten.

Beste Karten dafür hat er: Vor allem sein hervorragendes Positionsspiel und seine Stärken beim schnellen Umschalten prädestinieren den 18-Jährige für die zentrale Rolle auf dem Platz. Ein feines Auge für den Mitspieler und eine hohe Pressingresistenz gehören ebenfalls zu seinen Vorzügen. Die Mischung aus defensiven Qualitäten und Fähigkeiten im Spielaufbau machen den Leverkusener zu einem idealen Sechser neuer Schule, der als verkappter Spielmacher aus der Tiefe agiert.

Auch charakterlich gilt Öztunali als bereits früh gereift. Ihm werden immenser Trainingsfleiß und eine für sein Alter ungewöhnliche Ruhe in brenzligen Spielsituationen zugeschrieben. Sollte der Seeler-Enkel diese Stärken in Ungarn ausspielen, könnte er dem Turnier seinen Stempel aufdrücken.

Tomas Podstawski, Portugal | FC Porto II
STECKBRIEF
Alter 19
Position zentrales Mittelfeld
U19-Länderspiele 5
LETZTE SAISON
Saison-Spiele in der 1. Liga 0
Tore 0
Vorlagen 0

Der 19-Jährige ist der Antreiber in Portugals U19. Größere Bekanntheit erlangte der zentrale Mittelfeldspieler mit dem wenig iberisch anmutenden Namen, der auch auf der Sechserposition zum Einsatz kommen kann, als er in der Saison 2011/12 gegen Manchester City im Europa League-Kader des FC Porto stand. Seitdem stagniert die Karriere des Sohns eines polnischen Vaters ein wenig. Zwar kam er bisher ausschließlich in Portos zweiter Mannschaft zum Einsatz, doch noch immer ist er für Experten eines der größten Talente des Landes.

Podstawski gilt als körperlich robust und ist mit gutem Auge für den Mitspieler ausgestattet. Auch eine hervorragende Ballbehandlung gehört zu seinen Stärken. Bezüglich seiner Spielanlage ist der Mittelfeldmann laut portugiesischen Experten am ehesten mit Nationalspieler Raul Meireles zu vergleichen. Den ganz großen Beweis seiner Klasse ist der 19-Jährige bisher aber noch schuldig geblieben, doch die U19-EM soll ihm jetzt zum endgültigen Durchbruch verhelfen. Einen Plan B hat er aber auch noch in der Tasche: Vater Wlodzimierz Podstawski kündigte bereits an, dass sein Sohn mit dem Gedanken spiele, in Zukunft eventuell für die polnische Nationalmannschaft aufzulaufen.

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