Deutschlands U-21 2009: Die Bank von England

Gary Linekers Zitat ist Legende: „Fußball ist ein Spiel von 22 Leuten, die rumlaufen, den Ball spielen, und einem Schiedsrichter, der eine Reihe dummer Fehler macht. Und am Ende gewinnt immer Deutschland.“ Recht hatte er, der gute Gary. Zumindest was die A-Nationalmannschaft betrifft. Doch bei der Nachwuchself, dem deutschen U-21-Team, fruchtete diese Fußballweisheit nicht. Bisher. Eben bis die Neuers, Özils und Boatengs nach den Sternen griffen.

Deutschlands Gonzalez Castro gegen Italiens Spielmacher Sebastian Giovinco (firo)

Von Nils RESCHKE

Malmö. Eike Immel, Wolfram Wuttke, Pierre Littbarski oder Rudi Völler hießen die bekanntesten Spieler, die bislang das einzige Mal in einem U-21-Finale standen, was bereits stolze 27 Jahre in der Vergangenheit liegt. Damals verlor Deutschland das Hinspiel 1:3. Da nutzten auch drei Littbarski-Treffer im Bremer Weserstadions nichts, auch der 3:2-Rückspielerfolg war wertlos. Denn England war Europameister, Deutschland ging leer aus.

Höwedes löst das EM-Ticket

Bei den Titelkämpfen in Schweden lief dieses Mal allerdings alles anders. Genau genommen schon vor der EM-Endrunde. Denn die deutschen Youngster bewiesen schon damals Kämpferherz-Tugenden, um diese Europameisterschaft überhaupt zu erreichen. Im Play-off-Rückspiel gegen Frankreich liefen die letzten Sekunden, war Schweden so weit entfernt wie die Sonne von der Erde. Doch dann stocherte der Schalker Benedikt Höwedes das Leder doch noch irgendwie über die Linie, nachdem sein Schalker Vereinskollege Manuel Neuer sein Team mehrfach vor einem Rückstand bewahrt hatte. Deutschland war dabei!

„Hotte“ weiß mehr

Der Auftakt gegen den Mitfavoriten Spanien verlief in der ersten Hälfte schleppend, der zweite Durchgang ansprechend. Doch die deutsche U-21 trat irgendwie gelähmt auf, vergab die besten Chancen fahrlässig. Als auch gegen Finnland (2:0) und England (1:1) noch längst nicht alles Gold war, was da glänzte, ergriff Trainer Horst Hrubesch das Wort: „Die Jungs standen unter enormen Druck. Aber wir stehen nun im Halbfinale und sind von allen Mannschaften das Team, das sich noch am meisten steigern kann“, hielt „Hotte“ schützend die Hand über seine Spieler.

Sicher wie die „Bank von England“

Die trafen nun auf den Rekord-Titelträger aus Italien – und bissen sich in dieses Match. Manuel Neuer hielt erneut überragend, Marko Marin rettete zudem auf der Linie, ehe sich Andreas Beck direkt nach der Pause aus über 25 Metern ein Herz nahm und den Ball zum 1:0 in die Maschen wuchtete. Italien drängte nun mit aller Macht auf den Ausgleich, die deutsche Abwehr allerdings stand so sicher wie die „Bank von England“. Das war der Schlüssel zum Erfolg. Auch im Finale – eben gegen England. Denn insgesamt kassierte Deutschland nur einen Gegentreffer.

Zeit für die Revanche?

Pikanterweise heißt deren Trainer Stuart Pierce, für den das U-21-Endspiel sein erstes internationales Finale bedeutete. Auf Pierce lastete lange Zeit der „deutsche Fluch“: 1990 bei der Weltmeisterschaft war er derjenige, der einen der Elfmeter im Halbfinale gegen Deutschland verballerte. 1996 bei der EM im eigenen Land behielt Stuart Pierce zwar die Nerven im Elferkrimi des Halbfinals – nicht aber seine Kollegen. Die Zeit für eine später Revanche war nun also in Malmö gekommen.

Stuart Pierce und der deutsche Alptraum

Glänzte die deutsche U-21 bislang durch kämpferische Glanzleistungen, wirbelte sie nun England durcheinander und lieferte spielerisch die beste Turnierleistung ab. 4:0 fegten Gonzalo Castro (1 Treffer), Mesut Özil (1), Sandro Wagner (2) und Co. den Erzrivalen vom Platz. Erstmals hatte eine U-21 den EM-Titel gewonnen. Zum ersten Mal überhaupt gelang es einer Nation, das Triple samt U-17- und U-19-Trophäe zu ergattern. Stuart Pierce Alptraum fand seine Fortsetzung. Und Gary Lineker sollte am Ende doch noch recht behalten...  

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