Vorschau U-21-EM: Deutschland - England
Im Vergleich zur Europameisterschaft der Senioren im vergangenen Sommer, dominierten in den vergangenen 14 Tagen bei den U-21-Junioren vornehmlich die Defensiv-Reihen. Auch im prestigeträchtigen Endspiel zwischen Deutschland und England wird es wieder auf die Abwehrreihen ankommen. Nicht wenige rechnen damit, dass dieses Finale durch einen einzigen Fehler entschieden wird.
Personal & Taktik
Im Gegensatz zum Halbfinale gegen Italien kann DFB-Trainer Horst Hrubesch wieder auf seinen Kapitän Sami Khedira bauen. Wer für ihn aus der Mannschaft rutscht ist noch nicht klar, zumal auch Marko Marin wieder fit ist. Gonzalo Castro, Dennis Aogo oder Fabian Johnson sind die Streichkandidaten. Allerdings überzeugte gerade der Münchener Johnson bei seinem ersten Turniereinsatz.
In der Offensive ist Hrubesch gezwungen umzustellen: Ashkan Dejagah fehlt nach seiner zweiten gelben Karte gesperrt. Für ihn dürfte Sandro Wagner vom MSV Duisburg in die Startelf rutschen. Die Viererkette bilden unverändert Andreas Beck, Jerome Boateng, Benedikt Höwedes und Sebastian Boenisch. Die DFB-Elf wird erneut defensiv eingestellt zu Werke gehe, um den Engländern keine Räume zu geben.
Bei den „Three Lions“ müssen dagegen gleich drei Spieler gesperrt passen: Keeper Joe Hart und die beiden Angreifer Frazier Campbell und Gabriel Agbonlahor fehlen. Die Wahl des Torwarts für das Endspiel fällt zwischen Scott Loach und Joe Lewis. Loach, der beim FC Watford spielt, werden die besseren Chancen eingeräumt. Durch den Ausfall von Campbell und Agbonlahor muss Theo Walcott wahrscheinlich von der Außenbahn in die ungeliebte Sturmspitze rücken. England muss ein Mittel gegen die deutsche Abwehr finden, aber vor allem bei Standardsituationen dürfte die Pearce-Elf zu ihren Chancen kommen.
Formkurve & Ausgangslage
Beide Mannschaften sind im Turnier noch ungeschlagen und kämpfen damit auch verdientermaßen um den Europameistertitel. England ist von den Individualisten her möglicherweise einen Tick stärker einzuschätzen, doch dafür offenbarte die Mannschaft im Halbfinale gegen Schweden eine labile Psyche. Da wurde um ein Haar ein souveräner 3:0-Vorsprung noch verspielt. Deutschland vertraut dagegen ganz auf die starke Abwehr und hofft vorne auf einen Geniestreich, vorzugsweise vom Bremer Mesut Özil. Beim 1:1 zwischen beiden Teams in der Vorrunde war England das bessere Team, obwohl Stuart Pearce einige Stammkräfte schonte.
Der direkte Vergleich
Im ältesten Junioren-Jahrgang trafen England und Deutschland bislang fünf Mal aufeinander, die Bilanz spricht für die Briten: Zwei Spiele gewannen sie, es waren die Playoffs für die EM 2006. Die anderen drei Begegnungen endeten jeweils mit einem Remis, zuletzt vor knapp einer Woche im finalen Spiel der Vorrunde (1:1).
Die Schlüsselspieler
Erwischt Keeper Manuel Neuer einen ähnlich guten Tag, wie beim 1:1 in der letzten Woche, ist die DFB-Elf nur schwer zu besiegen. Sami Khediras Rückkehr verleiht der Mannschaft zusätzliche Stabilität im Mittelfeld und vorne soll es Mesut Özil richten. Der Bremer spielt nach dem DFB-Pokal und dem UEFA-Cup bereits sein drittes Finale in dieser Saison.
Bei England liegt das Augenmerk auf Kapitän James Milner: Der Rekordnationalspieler der U21 (43 Einsätze) soll dem Angriffsspiel Konturen verleihen, außerdem schlägt er hervorragende Flanken. Abwehrchef Micah Richards (ManCity) ist nicht nur in der Defensive gefordert, mit seiner Kopfballstärke ist er auch bei Standardsituationen eine Waffe.
Das Duell des Spiels
heo Walcott gegen Jerome Boateng! Jerome Boateng spielt in der deutschen Innenverteidigung an der Seite von Kapitän Benedikt Höwedes ein überragendes Turnier. Im Finale wird er es mit einem Hochkaräter zu tun bekommen: Theo Walcott vom FC Arsenal gilt als eines der größten Talente im englischen Fußball. Allerdings ist das Sturmzentrum nicht seine Lieblingsposition. Normalerweise kommt er über die rechte Seite, von dort kann er seine große Stärke, die Schnelligkeit, am besten ausspielen.
Aufgespiesst
Deutschlands Kapitän Sami Khedira: „Ein Finale ist reine Kopfsache. Das geht jetzt nur noch über den Willen. Und wir haben den Willen und die Überzeugung, dass wir die großen Spiele für uns entscheiden können.“
Englands Nationaltrainer Stuart Pearce: „Wir müssen endlich mal wieder etwas gewinnen. Ich stehe erstmals in meiner Karriere als Spieler oder Trainer in einem Endspiel, und dann noch gegen Deutschland. Das wird ein fantastisches Spiel. Da wird sich zeigen, wer Eier hat.“
Die Prognose
Man muss kein Prophet sein, um ein ganz enges Spiel vorherzusagen. Deutschland setzt sich dank der starken Abwehr inklusive Keeper Neuer am Ende knapp durch. Ob nach regulärer Spielzeit, Verlängerung oder sogar Elfmeterschießen – alles ist möglich.
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