Spielbericht U-21-EM: Deutschland – Italien
Die DFB-Junioren von Horst Hrubesch stehen im Finale der U-21-Europameisterschaft. Gegen Italien reichte am Ende ein knapper 1:0-Sieg zum Einzug ins Endspiel. Italien klar überlegen, aber Deutschland mit dem goldenen Tor.
PERSONAL & TAKTIK
Horst Hrubesch musste auf seinen Kapitän Sami Khedira verzichten, der wegen eines Blutergusses im rechten Knie ausfiel. Für ihn spielte Fabian Johnson von Zweitligist 1860 München. Dazu gab es noch drei andere Änderungen: Sebastian Boenisch spielte anstelle von Marcel Schmelzer, Dennis Aogo und Marko Marin ersetzten Patrick Ebert und Änis Ben-Hatira. An der taktischen Ausrichtung änderte sich nichts, Hrubesch baute weiter auf ein 4-4-2-System mit Mesut Özil und Ashkan Dejagah in der Spitze.
Pierluigi Casiraghi nahm bei Italien drei Wechsel vor. Piermario Morosini, Antonio Candreva und der zuletzt Rot-gesperrte Mario Balotelli spielten für Claudio Marchisio, den verletzten Paulo de Ceglie und Ignazio Abate. Mit Balotelli kam Casiraghi zu dem eigentlichen Dreier-Sturm mit Sebastian Giovinco und Robert Acquafresca zurück.
SPIELVERLAUF: 1. HÄLFTE
Das Spiel nahm gleich zu Beginn an Fahrt auf, beide Teams kamen hoch motiviert aus der Kabine. Nach einem ersten Warnschuss von Sebastian Giovinco nach zwei Minuten, kamen die Deutschen das erste Mal durch Gonzalo Castro gefährlich vor das Tor, sein Schuss konnte aber noch zur Ecke geklärt werden. Özil schlug den Ball in den Strafraum, Höwedes köpfte – aber knapp über das Tor.
Es ging munter weiter, mit Chancen auf beiden Seiten. Doch Schüsse von Aogo und Giovinco konnten die Keeper Neuer und Consigli mit schönen Paraden klären. Nach acht Minuten gab es die erste Großchance für Italien. Einen Kopfball von Andreolli klärten Neuer und die Latte in einer Gemeinschaftsaktion, Andreas Beck konnte den Abpraller im Anschluss gegen Aquafresca abwehren.
Italien wurde immer besser und erspielte sich weitere, gute Chancen. Nach 18 Minuten hielt Neuer erst einen Kopfball von Motta, bevor Marin einen Nachschuss vom sehr agilen Aquafresca zur Ecke klären konnte. Auch Balotelli, Motta und Cigarini versuchten in der ersten Hälfte Manuel Neuer zu überwinden, es gelang aber nicht. Das DFB-Team wirkte verunsichert und nicht voll konzentriert, zudem standen die Deutschen in der Offensive, erneut ohne einen nominellen Angreifer, auf verlorenem Posten. Einzig Fabian Johnson versuchte es noch mit einem Schuss in der 45. Minute, aber der konnte zur Ecke geklärt werden.
SPIELVERLAUF: 2. HÄLFTE
Die zweite Hälfte begann mit einem Paukenschlag der deutschen Nationalmannschaft. Drei Minuten waren gespielt, da nahm Andreas Beck einen Ball im Mittelfeld an, lief ein Stück und hielt aus 20 Metern einfach mal drauf – Tor. Die Italiener wirkten jedoch keineswegs geschockt, Balotelli scheiterte kurz nach dem Gegentreffer mit einem Schuss aus 20 Metern. Der Ball ging knapp am linken Pfosten vorbei. Zwei Minuten später musste sich Neuer nach einem weiteren Versuch des Inter-Stürmers strecken, rettete aber (56.).
Italien übernahm in der Folge die Kontrolle über das Spiel, die DFB-Elf wirkte in der Abwehr sehr unsicher und lauerte nur noch auf Konter. Aquafresca machte es seinem Mitspieler Balotelli gleich und versuchte sich nach einer Stunde gleich zweimal vor dem deutschen Tor, doch der Ball wollte einfach nicht hinein. Zwanzig Minuten vor Schluss suchte der bis dahin unauffällige Özil den Abschluss, sein Ball ging knapp am Tor vorbei.
Kurz darauf wäre fast der Ausgleich gefallen. Der eingewechselte Ben-Hatira konnte einen Schuss von Aquafresca aber auf der Linie klären. Danach rettete Neuer mit einer Glanzparade einen Freistoß von Balotelli (78.). Die Azzurri versuchte alles, am Ende aber vergebens.
SCHLÜSSELSZENEN
Die erste Hälfte war geprägt von Chancen der Italiener, der Ball wollte aber einfach nicht ins Tor. Das DFB-Team agierte harmlos, doch zu Beginn der zweiten Hälfte stand es plötzlich 1:0 durch den tollen Schuss von Beck. Italien danach mit weiteren Chancen auf den Ausgleich, aber Deutschland konnte die knappe Führung über die Zeit retten.
Bitter für das DFB-Team: Dejagah sah nach einer vermeintlichen Schwalbe seine zweite Gelbe Karte (20.) und ist im Finale gesperrt, und auch Marko Marin droht auszufallen. Er musste in 55. Minute verletzungsbedingt gegen Ben-Hatira ausgetauscht werden.
SPIELER DES SPIELS: Manuel Neuer
Einer gegen alle, oder Manuel Neuer gegen Italien, so kann man das Halbfinale beschreiben. Die Squadra Azzurra versuchte alles: Balotelli, Acquafresca, Giovinco, Motta – alle suchten den Abschluss und wollten ein Tor erzielen, doch Neuer trieb sie mit einigen Glanzparaden schier zu Verzweiflung. Der vom FC Bayern umworbene Keeper musste zudem immer wieder Fehler seiner Hintermannschaft ausbügeln, meisterte das aber mit Bravour.
FAZIT: Beide Mannschaften kamen gut ins Spiel, doch schnell übernahmen die Italiener die Kontrolle. Nach zwei Siegen in der Vorrunde sollte der dritte im Halbfinale her. Der Rekordsieger bei U-21-Europameisterschaften (fünf Titel) wollte wieder ins Finale. Die Deutschen wirkten teilweise verunsichert, Andreas Beck nutzte eine der wenigen Torchancen dann zum spielentscheidenden 1:0. Die Statistik spricht am Ende weiter für die deutsche Elf. Noch nie ging die DFB-Auswahl nämlich gegen die Azzurri als Verlierer vom Platz. Auch heute nicht.
SCHIEDSRICHTER: Pedro Proenca (Portugal), Note: 6, hatte das Spiel weitestgehend im Griff.
SPIELNOTE: 7 - Es war wie erwartet, eine spannende Partie zwischen Italien und Deutschland. Über fehlende Torchancen und schöne Spielzüge konnte man sich nicht beschweren. Am Ende entschied ein schöner Weitschuss von Andreas Beck das Halbfinale.
Anmerkung: die Noten reichen von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).
SPIELSTATISTIK
Stadion: Olympia, Helsingborg (Schweden)
Zuschauer: 9.000
Tor: 1:0 Beck (48.)
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