Teamcheck U21-EM: Finnland
Das Nachbarland Schwedens trifft bei der Europameisterschaft der U21-Junioren auf echte Schwergewichte und wird sich stark anstrengen müssen, um für eine Überraschung zu sorgen.
Von Christoph VOGEL
Für Finnland wird es keine weite Reise, immerhin geht zur U21-Europameisterschaft „nur“ ins Nachbarland Schweden. In der Gruppe B bekommen es die Skandinavier allerdings mit dem ganz großen Kaliber zu tun: Deutschland, Spanien und England lauten die Gegner. Spieler wie Bojan Krkic, Theo Walcott oder Marko Marin werden auf das finnische Tor anrennen, denen selbst nur die krasse Außenseiterrolle zugeordnet wird. Zu Unrecht? Goal.com hat für euch den Gruppengegner der DFB-Elf unter die Lupe genommen: Finnland im Teamcheck.
DIE QUALIFIKATION
Die Qualifikation zur EM in Schweden hätte spannender nicht sein können. Nach einer souveränen Gruppenphase mit sechs Siegen bei einem Unentschieden und nur einer Niederlage gegen Schottland ging es im November letzten Jahres in das Qualifikationsduell mit dem Team aus Österreich. Das Auswärtsspiel verlor Finnland nach zwei frühen Toren der Österreicher mit 2:1, lediglich Perparim Heternaj konnte nur noch verkürzen. Im Rückspiel sah es dann lange Zeit ganz schlecht aus, da die Gäste schon in Halbzeit Eins mit 1:0 in Führung gegangen waren, doch Finnland rettete sich mit zwei späten Toren in die Verlängerung. Diese blieb torlos, sodass das Elfmeterschießen entscheiden musste: Während die Finnen aller ihre Schüsse versenkten, scheiterten Stankovic und Madl für Österreich und schenkten Finnland somit das Ticket nach Schweden.
DER TRAINER
Markku Kanerva hat in der Zeit seiner Funktion als Trainer der finnischen U21 einiges erlebt und die Nachwuchsarbeit in seinem Heimatland ein gehöriges Stück voran gebracht. Der ehemalige Nationalspieler übernahm 2003 nach Stationen bei HJK Helsinki und dem FC Viikingit die U21 und führte seine Mannschaft nach erfolglosen Versuchen in den Jahren 2004, 2006 und 2007 nun in zwei packenden Qualifikationsspielen gegen Österreich zu dieser EM in Schweden und behielt dabei stets einen kühlen Kopf. Er gilt als Verfechter der kontrollierten Offensive und legt viel Wert auf eine geordnete Abwehrarbeit. Ein kopfloses Anstürmen auf das gegnerische Tor wird es unter dem 45-jährigen nicht geben.
DAS TEAM
Den Fußballfans, die nicht permanent den finnischen Fußball verfolgen, werden die meißten Namen im Team nicht allzu viel sagen. Einzig den Arminen aus Bielefeld dürfte ein Spieler bekannt sein: Berat Sadik wurde für den Sturm nominiert und soll vorne die Tore erzielen. Besser Chancen auf einen Startplatz in der ersten Elf haben allerdings Teemu Pukki (FC Sevilla), Aleksandr Kokko (FC Honka) und Jarno Perikka (HJK Helsinki). Das Aushängeschild im Mittelfeld ist der 20-jährige Mikka Ojala vom FC Inter Turku, der mit seinem Verein 2008 bereits das Double in Finnland gewinnen konnte. Im Auge behalten sollten die Gegner vor allem auch Jussi Vasara (FC Honka), der die Mannschaft durch seine beiden späten Treffer im Qualifikationsspiel gegen Österreich erst zur EM schoss.
Trainer Kanerva legt viel Wert auf eine geordnete Defensive und durchdacht vorgetragene Konter. Gedankenschnelligkeit und fixes Umschalten von Abwehr auf Angriff sind Taktiken des Teams. In der Hintermannschaft vertraut der Trainer auf die Dienste von Jukka Raitala (HJK Helsinki) und Joni Aho (FC Inter Turku). Anders als in zum Beispiel in Deutschland durften erst zwei Spieler mit der A-Nationalmannschaft unterwegs sein: Sadik und Kasper Hämäläinen machten schon ihre ersten Gehversuche auf der ganz großen Bühne.
DER SHOOTINGSTAR
Ein Finne im Land der Sonne: Das trifft auf Teemu Pukki zu, der beim spanischen FC Sevilla unter Vertrag steht. Der 19jährige Angreifer kommt dort zwar hauptsächlich im B-Team zum Einsatz und erzielte dort in der abgelaufenen Saison drei Treffer in 17 Partien. Am Profikader hat Pukki auch schon schnuppern dürfen: Am 20. Spieltag wurde er bei der 0:2-Heimniederlage gegen Racing Santander eingewechselt und konnte knapp eine halbe Stunde Erstliga-Luft atmen.
2008 wechselte Pukki vom finnischen Klub FC KooTeePee in die Jugend der Spanier und rückte in diesem Winter in den Profikader auf. Der 1,76 m große Mittelstürmer kann bereits auf ein A-Länderspiel verweisen und wird sich in in Schweden unweit seiner Heimat für weitere Einsätze emüfehlen wollen.
DIE HIGHLIGHTS
Die diesjährige Teilnahme an der EM ist gleichzeitig auch der bisherige Höhepunkt für Finnland in der Historie ihrer U21. Ein Ausrufezeichen setzten sie aber schon in der Vergangenheit, als sie 2000 Deutschland mit 3:1 schlugen. Herren namens Mikael Forssell oder auch Teemu Tainio, nun bei Hannover 96 und dem FC Sunderland aktiv, behielten damals die Oberhand über die DFB-Elf.
DIE PROGNOSE
Es wird ganz schwer für Finnland, denn die Gegner heißen England, Deutschland und Spanien – es hätte nur besser kommen können. Doch nur auf dem Papier sind sie unterlegen, denn in dieser Altersklasse sind Schwankungen in der Leistung normal und häufig entscheidet die Tagesform. Wenn es Finnland schafft, mit einer disziplinierten Defensivleistung den spielstarken Mannschaften den Zahn zu ziehen, könnte es eine Überraschung geben. Doch dazu muss die Null hinten stehen, ansonsten wird es eng. Zu eng – Finnland übersteht die Gruppenphase nicht.
Eure Meinung: Kann Finnland den arrivierten Teams bei der EM Paroli bieten?
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