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Insgesamt habe es bei der EM hauptsächlich „Durchschnitt“ gegeben, befindet Netzer. Allein das Finale hat alles herausgerissen. Löw spricht er außerdem sein Kompliment aus.

Kiew. Mit Kind und Kegel feierten sich die Spanier nach dem furiosen 4:0-Sieg über Italien. Der Höhepunkt der diesjährigen Europameisterschaft war auch spielerisch das Beste, was gezeigt wurde. Günter Netzer sieht „La Roja“ schon seit Langem als die Macht im Fußball und wurde durch die EM nur noch einmal bestätigt.

Die Deutsche Nationalmannschaft flog im Halbfinale gegen den Finalisten Italien raus. Klug agiert habe sie nicht, sagt Netzer im kicker. Dennoch kann er die alles umfassende Kritik an Bundestrainer Joachim Löw nicht nachvollziehen. Viel eher hat sich der Trainer nun einmal verpokert.

Gegen Italien nicht stark genug

Nach dem Sieg gegen Griechenland im Viertelfinale träumten viele Fans bereits vom Finale in Kiew. „Die Mannschaft war auf dem allerbesten Weg. Im Spiel gegen Italien war sie aber nicht stark genug. In dieser Begegnung hat sie nicht klug genug agiert, somit völlig verdient verloren“, sagte Netzer im Kicker-Interview. Interessant, dass Netzer hier von der „Mannschaft“ spricht und nicht vom Trainer. Eine wahre Hexenjagd auf Joachim Löw hatte mit dem Schlusspfiff begonnen. Er hätte sich vercoacht, die falsche Mannschaft aufgestellt. Am nächsten Tag wurde gar in Frage gestellt, ob Löw Titel gewinnen könne.

Löws Arbeit in Frage zu stellen, ist „absurd“

„Die extreme Kritik am Bundestrainer halte ich für überzogen. Ich finde es geradezu absurd, nun seine Arbeit insgesamt infrage zu stellen. Es kann passieren, dass ein Trainer eines Besseren belehrt wird, in seinem Plan für ein Spiel und mit seiner Aufstellung völlig danebenliegt. Löw hat einiges riskiert und ist gescheitert“, so Netzer. Von diesem Mut hatte Deutschland davor profitiert: „Zuvor ist er, beispielsweise gegen die Griechen, großes Risiko gegangen und hat gewonnen. Löw hat seinen großen Anteil am Aufbau der deutschen Elf über Jahre hinaus. Dafür spreche ich ihm ausdrücklich ein Kompliment aus, auch nach der Niederlage im Halbfinale.“

Spanien stark wie immer, Italien überrascht

Dass Spanien die bestimmende Mannschaft im Fußball ist, steht für Netzer außer Frage: „Seit vier Jahren spielen sie grandios. Sie sind die erste Kraft im Weltfußball, haben diesen Status nochmals untermauert. Sie haben gezeigt, dass sie unantastbar sind.“ Im Laufe des Turniers konnten die Europameister nicht immer vollends überzeugen, in Spanien wurde an der stürmerlosen Taktik von del Bosque herumgemäkelt. „Die Kritik, die an ihnen und speziell an Trainer Vicente del Bosque geübt wurde, war indes eine auf sehr hohem Niveau. Im Endspiel von Kiew haben sie alles widerlegt, sich so stark präsentiert wie seit eh und je.“

„Prandelli ist eine imposante Erscheinung“

Auch die Italiener überzeugten nicht nur im Halbfinale gegen Deutschland. Trotz Spielmanipulationen in der Heimat, schwulenfeindlichen Äußerungen von Cassano und einem Balotelli, der immer für einen Skandal gut zu sein scheint, zeigte die Mannschaft zumindest auf dem Platz bärenstarke Leistungen. „Die Italiener haben uns alle überrascht, indem sie eine wunderbare EM gespielt haben. Sie haben einen neuen Stil kreiert, was einige verwundert hat. Ihr Spiel wird nun modernen Anforderungen gerecht.“ Wer dafür verantwortlich ist, liegt für Netzer auf der Hand: „Die Handschrift des Trainers wird deutlich. Cesare Prandelli ist der Dirigent, wie man während der Spiele an der Seitenlinie verfolgen konnte. Für mich ist Prandelli eine imposante Erscheinung.“

Spieler des Turniers: Pirlo, Xavi oder Iniesta?

„Pirlo hat bis zum Finale geglänzt. Doch was Xavi und Iniesta während des ganzen Turniers geleitet haben, ist phänomenal. Schwere Entscheidung: Ich würde Iniesta wählen. Er kann einfach alles. Den Rhythmus bestimmen, kluge Pässe spielen, sich im Dribbling durchsetzen, Tore machen.“ So hat auch die UEFA entschieden: Andres Iniesta wurde zum Spieler des Turniers gewählt – ganz nach Günter Netzers Geschmack.


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