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Nach dem EM-Aus gegen Italien äußert sich Günter Netzer über die Personalpolitik von Jogi Löw und die Mentalität der Nationalspieler.

Frankfurt. Nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft im Halbfinale der Europameisterschaft 2012 gegen Italien nennt Günter Netzer in seiner Kolumne für die Bild Zeitung die möglichen Gründe für das Versagen und kritisiert die vermeintlichen Führungsspieler.

Das (un-)umstrittene Händchen

Die erste Überraschung bei der Startaufstellung der deutschen Nationalmannschaft gab es im Spiel gegen Griechenland. Nicht der verlässliche Torschütze Mario Gomez, sondern Klose spielte im Sturm. Am Ende stand es 4:2, Löw bewies bei seinen Wechseln ein glückliches Händchen.

Im Halbfinale gegen Italien gab es erneut eine Änderung in der Startelf: Toni Kroos spielte von Anfang an und Gomez rückte wieder in die Startelf. Am Ende verlor die Nationalelf mit 1:2 und schied aus dem Turnier aus. Das Händchen ist nun nicht mehr unumstritten.

„Die Aufstellung hat sich als falsch herausgestellt“

Der Welt- und Europameister Günter Netzer schreibt für die Bild Zeitung: „Die Aufstellung der deutschen Mannschaft für das Halbfinale hatte auch bei mir Verwunderung hervorgerufen, die allerdings zunächst verdrängt wurde durch Joachim Löws bis dahin so erfolgreiche Personalpolitik.“

„Im Nachhinein hat sich die Aufstellung als falsch herausgestellt. Aber ich zolle Löw Respekt und Anerkennung für seine schnelle Einsicht zu diesem Fehler.“

„Einer der besten Trainer der Welt“

„Die Reaktionen auf diese Aufstellung halte ich aber für ebenso übertrieben wie die Lobeshymnen auf richtige Entscheidungen von Löw“, resümierte Netzer. „Trotzdem gelten meine schon ausgesprochenen Komplimente noch immer. Denn Löw ist unbestritten einer der besten Trainer der Welt.“

„Gesellschaft arm an Persönlichkeiten“

„Unsere Gesellschaft ist generell arm an Persönlichkeiten geworden. Das gilt auch für den Fußball“, so Netzer weiter. „Man kann Fußballer nicht beauftragen eine Persönlichkeit zu sein, wenn sie nicht das Naturell mitbringen. Aber wenn sie es besitzen, brauchen sie die unbedingte Unterstützung und den Rückhalt des Trainers.“

„Gleichmacherei“

Das Hauptproblem sei, so Netzer, dass viele Trainer eine flache Hierarchie und die Gleichmacherei fördern. Persönlichkeiten, die man für einen Titel braucht, können sich auf diesem Weg aber nicht entwickeln: „Jede herausragende Mannschaft in der Geschichte des Fußballs hat überragende Persönlichkeiten gehabt.“

Führungslosigkeit

„Jede Mannschaft braucht eine Hierarchie, die allerdings nicht dazu dient, andere an den Rand zu drücken, sondern die Mitspieler 90 Minuten auf dem Platz mitzunehmen und sie zu fördern. Das haben wir gegen Italien nicht gehabt“, erklärt Netzer.

Lahm nur noch rhetorisch brillant

„Philipp Lahm tritt als Kapitän vor den Kameras rhetorisch brillant auf. Aber er hat auf dem Platz beim FC Bayern in der vergangenen Saison und auch jetzt bei der EM bis auf das Spiel gegen Holland gravierende Abwehrschwächen gezeigt. Ihm sind der Drang nach vorn und die Effizienz verloren gegangen“, kritisiert der ehemalige Sportkommentator.

Schweinsteiger keine Führungsnatur

„Bastian Schweinsteiger ist einfach keine Führungsnatur. Ich habe Ihn gelobt für seine wunderbaren Pässe auf Gomez im Spiel gegen Holland. Aber ich habe auch darauf verwiesen, dass dies regelmäßig stattfinden muss. Das ist sonst zu wenig, um daraus einen Führungsanspruch abzuleiten.“

Podolski begnadigt

Über den Kölner sagt Netzer: „Lukas Podolski ist nur noch ein Nationalspieler Löws Gnaden. Doch der Bundestrainer ist in den entscheidenden Phasen nicht belohnt worden von Podolski für seine Nibelungen-Treue.“

DFB-Elf in Windeln gewickelt

Günter Netzer hat kein Verständnis mehr dafür, dass die deutsche Nationalmannschaft nach dem Ausscheiden und den zahlreichen erfolglosen Turnieren immer noch in Windeln gewickelt wird: „Es gab keinen Zweifel an Personalien, das hat der Präsident Wolfgang Niersbach sehr deutlich dokumentiert. Aber manchmal erscheint es mir schon ein wenig zu viel des Guten.“

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