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„Schade, dass er kein Spanier ist“ – wie Mario Balotelli als 16-Jähriger fast zum FC Barcelona wechselte

Der italienische Stürmer trifft im Rahmen des Endspiels der EM 2012 auf etliche Spieler aus Katalonien. Wären Dinge anders verlaufen, hätten sie Teamkollegen sein können.

 Ben Hayward
 Spanien-Experte Folgen auf

Es war deutlich übertrieben. Auf dem Titelblatt der Samstagausgabe vermeldete die spanische Sportzeitung El Mundo Deportivo, dass Spanien im Rahmen des Finals der EM 2012 gegen Italien eine Mannschaft, gänzlich bestehend aus Absolventen der Jugendakademie La Masia auf das Feld schicken könnte. Neben sieben Spielern des FC Barcelona plus Jordi Alba, den die Katalanen erst kürzlich von Valencia verpflichtet haben, würden sich auch Pepe Reina sowie der in Brasilien geborene Italiener Thiago Motta in der Startaufstellung wiederfinden. Und Mario Balotelli.

Mario Balotelli? Behauptungen, der Stürmer von Manchester City sei ein Produkt der berühmten Jugendschmiede des FC Barcelona machten die katalanische Tageszeitung augenblicklich zur Zielscheibe aufgebrachter User in den sozialen Netzwerken. Doch so ganz aus der Luft geholt ist die Geschichte nicht: Balotelli versuchte sich 2006 bei „Barca“, und wären die Dinge anders verlaufen, wäre er in Spanien geblieben.

Mario wurde im zarten Alter von zwei Jahren von italienischen Pflegeeltern adoptiert. Er wuchs in einer kleinen Stadt in Norditalien auf, und seine Leidenschaft für Fußball machte sich schon früh bemerkbar. Aussagen seines Bruders zufolge verbrachte er stundenlang Zeit damit, sich Videos von den besten Fußballern anzusehen, mit dem Ziel, dadurch sein ohnehin schon gewaltiges Talent zu steigern.

„Mario brauchte keinen Schlaf, er war voll mit Energie und man musste ihn den ganzen Tag beschäftigen, damit er am Abend schlief,“ äußerte Giovanni Balotelli sich in einer Sendung bei Canal Plus.

„Er konnte stundenlang Videos von den größten Spielern wie (Marco) Van Basten, (Diego) Maradona, Ronaldo sowie (Michel) Platini studieren – er kannte sie alle auswendig. Danach verschwand er in der Garage oder im Park und versuchte zu imitieren, was er zuvor gesehen hatte.“
„Er konnte stundenlang Videos von den größten Spielern studieren. Danach verschwand er in der Garage oder im Park und versuchte zu imitieren, was er zuvor gesehen hatte.“

- Balotellis Bruder

Nach beeindruckenden Leistungen beim Serie C-Verein Lumezzane arrangierte Balotellis Familie im Juni 2006 ein Probetraining beim FC Barcelona.

„Wir dachten, es wäre gut für Mario, wenn er Erfahrungen im Ausland sammeln könnte,“ erklärt sein Bruder. „Wir haben sie kontaktiert und uns wurde gesagt, dass wir für zwei bis drei Tage rüberkommen sollen.“

„Mario war spektakulär – ich sah ihn spielen, so gut wie noch nie zuvor.“

Barcelonas ehemaliger Verteidiger und damaliger Jugendtrainer Jose Ramon Alexanko erinnert sich an das Spiel: „Mario machte ein außergewöhnliches Spiel, er erzielte fünf Tore. Er war gut genug und wir hätten ihn verpflichten können.“ Es gab allerdings Schwierigkeiten: „Mario war ein Kind mit einer tollen Einstellung, doch in den Deal waren Agenten verwickelt, die eine Verpflichtung unmöglich machten.“

Ein weiterer Barca-Coach, Franz Sanchez, sagte: „Wir konnten uns mit seinem Agenten nicht einigen, doch die Trainer hielten ihn für gut genug.“

Balotellis Bruder jedoch berichtet, die Katalanen hätten dazu geneigt, lokale Talente zu präferieren: „Uns wurde nie gesagt warum, aber sie wollten sich auf spanische Spieler konzentrieren. Sie sagten: 'Schade, dass Mario kein Spanier ist'.“

Balotelli kehrte also zurück nach Italien. Er stand kurz vor einem Umzug in die Schweiz, als ihn Scouts von Inter entdeckten und er somit früh seine professionelle Karriere beginnen konnte.

Der Stürmer war während seines kurzen Aufenthaltes bei Barca gerade mal 16 Jahre alt. Er blieb bei den damaligen Trainern als ruhig und bescheiden in Erinnerung. Auf seiner offiziellen Homepage hat der Angreifer von Manchester City Fotos von seiner Zeit in La Masia. Auf einem dieser Fotos ist er zusammen mit dem jungen Thiago Alcantara.

Als Spanien im letzten Jahr zu einem Freundschaftsspiel in Bari gegen Italien antrat, unterbrach Balotelli ein Fernsehinterview mit Thiago (welcher in Bari debütierte) und sagte zu den Kameras: „Er ist der Beste. Er ist ein alter Freund und ein toller Fußballer.“

Wären die Dinge anders verlaufen, hätten sie Teamkollegen sein können.


EURE MEINUNG: Wie hätte sich wohl Balotellis Karriere entwickelt, wäre er 2006 zu Barca gegangen?

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