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Nur zwei Jahre nach der Blamage: Prandelli zaubert ein neues Italien aus dem Hut

Nach der WM 2010 war Italien zu alt, zu langsam, am Boden. Cesare Prandelli haucht der „Squadra Azzurra“ frischen Wind ein und führt das Land nur zwei Jahre später ins Halbfinale.

Warschau. Nur noch ein Tag bis zum großen Klassiker zwischen Deutschland und Italien. Während Deutschland bereits vor dem Turnier zu den Favoriten gehörte, kämpfte sich das neue Italien unter Cesare Prandelli wieder zurück in die Spitze. Doch was hat sich geändert?

Schande

„Nach Hause in Schande“, hieß es nach der WM 2010 bei der Gazzetta dello Sport. In Südafrika blamierte man sich bis auf die Knochen. Trainer Marcello Lippi verzichtete auf Antonio Cassano und Mario Balotelli, sie würden zu viel Unruhe ins Team bringen. Stattdessen setzte er auf alte Hasen – und scheiterte.

Cesare Prandelli war sein Nachfolger. Bereits bei Florenz ließ er tollen Offensivfußball spielen und genießt in Italien große Anerkennung. Zu Beginn sorgte er gleich für Furore: Cassano und Balotelli wurden in den Kader berufen. Die Zeiten von Cannavaro, Nesta, Totti und Co. waren vorbei.



DER WEG INS HALBFINALE
Im ersten Spiel verlor Prandelli mit 0:1 gegen die Elfenbeinküste, doch das war nicht weiter schlimm. Danach begann die EM-Qualifikation, in der sich Italien souverän durchsetzte. Acht Siegen standen zwei Remis gegenüber, dabei fing sich die Abwehr nur zwei Gegentore – also doch wieder das alte Schema? Negativ, Prandelli schaffte den abwartenden Fußball sofort ab und ließ Pressing spielen.

Das konnte Italien schon immer, es wurde nur selten praktiziert. Der 54-Jährige testete 57 Spieler, darunter 27 Neulinge. Man merkte bereits früh – dieses Italien tritt anders auf.

Bereits im Freundschaftsspiel gegen Deutschland vor einem Jahr zeigte Italien erfrischenden Kombinationsfußball und trotzte dem Favoriten ein 1:1 ab. Im August gab es sogar einen 2:1-Sieg über Spanien. Italien war nach einer kurzen Leidenszeit wieder da.

Der Trainer brachte es bei der Pressekonferenz am Dienstag auf den Punkt: „Italien steht im internationalen Ranking weit hinten. Wir müssen wieder anfangen, guten Fußball zu spielen, wenn wir die kommenden Welt- und Europameisterschaften nicht von zu Hause aus verfolgen wollen“, ließ er verlauten. Er geht als gutes Beispiel voran. Oftmals blieb Italien in der Vergangenheit an der Passivität hängen – das gibt es nicht mehr unter Prandelli. Die „Squadra Azzurra“ greift wieder an und jeder will über das Halbfinale hinaus.

„Ich habe Italien seit Jahren nicht mehr so stark gesehen

- Zbigniew Boniek-
Offene Feldschlacht gegen Spanien

Nach dem besten Vorrundenspiel waren auch sämtliche Kritiker davon überzeugt – den Catenaccio gibt es in Italien nicht mehr. Prandelli revolutionierte Italien. Die Azzurri boten Spanien einen Tanz, den sich zuvor keine Mannschaft so recht getraut hat. Spanien bekam Schwierigkeiten und wackelte, Italien brillierte durch taktische Flexibilität und die kreativen Momente eines Andrea Pirlo, der „gerade eine Renaissance erlebt“, wie Joachim Löw in der Pressekonferenz am Dienstag meinte. „Das ist mein Italien“, titelte Prandelli nach dem 1:1 gegen Spanien.

Anschließend gab es eine überzeugende erste Hälfte gegen Kroatien, ehe man sich die Butter vom Brot nehmen ließ und am Ende um den Einzug ins Viertelfinale zittern musste. Gegen Irland reichte eine durchwachsene Leistung, ehe man gegen England über 120 Minuten alles gab und nie aufsteckte. Italien rannte, kämpfte, schoss aufs Tor, doch es brachte nichts ein. Das erinnerte etwas an das Champions-League-Finale zwischen dem FC Bayern und Chelsea, doch am Ende machten Weltklasse-Leute wie Pirlo und Buffon den Unterschied.

ITALIEN TRIFFT DAS TOR NICHT

Ob Italien jetzt schon in der Lage ist, die EM zu gewinnen, wird man sehen. Die „Squadra Azzurra“ gefällt offensiv, doch der Abschluss ist ungenügend. Möglicherweise liegt es an der fehlenden Fitness eines Antonio Cassano oder der mangelnden Erfahrung eines Mario Balotelli - gegen Mannschaftten wie Deutschland wird eine solche Fahrlässigkeit eiskalt bestraft, das steht fest.

Das Team wächst von Spiel zu Spiel
Was haben wir also: Schönen, offensiven Fußball mit zu wenig Toren. Wir sollten jedoch eins nicht vergessen: Dass Italien ein echter Torjäger fehlt, wissen wir nicht erst seit der Ära Prandelli. Bei den Azzurri ist jeder in der Lage, ein Tor zu schießen. Die mangelhafte Chancenauswertung ist bei dieser EM nicht nur auf die Stürmer zurückzuführen. Auch ein Daniele De Rossi hatte gegen England beste Möglichkeiten, ein Tor zu erzielen. Die Abwehr scheint sich hingegen langsam zu stabilisieren, gegen Deutschland müssen die Verteidiger jedoch über 90 oder 120 Minuten an ihre Leistungsgrenze gehen.

Die Azzurri wachsen

Gewisse Sachen werden den Italienern aber nie abhanden kommen: Sie haben ein unerschütterliches Selbstbewusstsein, haben vor keinem Gegner Angst und sind eine absolute Turniermannschaft und steigern sich von Spiel zu Spiel. Mit diesn Grundeigenschaften versucht Prandelli, Italien wieder an die Spitze zu führen. Ihm ist es in der Tat gelungen, die offensiven Kapazitäten der Nationalelf auszuschöpfen. Italien kann sowohl defensiv als auch offensiv spielen. Mit Prandelli haben die Azzurri nun einen Trainer, der auch ein Risiko eingeht und schon jetzt dafür belohnt wurde – egal, wie diese EM ausgeht: Italien ist auf einem guten Weg und die Welt zieht bereits jetzt schon ihren Hut vor dem Halbfinalisten – Grazie Cesare!

EURE MEINUNG: Wie weit schafft es Italien bei dieser EM?

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