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Die Mannschaft von Bert van Marwijk wird nach der Rückkehr in die Niederlande kritisch beäugt. „Oranje“ ist nicht nur auf sondern auch neben dem Platz durchgefallen.

BERICHT
Von Ben Hayward & Peter McVitie

Es wird oft behauptet, dass es kein „Ego“ in einem Team gibt. Es soll auch kein „Ego“ in der Mannschaft der Niederlande geben, aber es scheint doch so, dass dort eine Menge Individualisten vorhanden sind. Die Holländer schieden mit einer enttäuschenden Leistung bei der Euro 2012 aus und wurden in der „Todesgruppe D“ mehr oder weniger demontiert.

Schon früh zeigten sich besorgniserregende Anzeichen. Verteidiger Gregory van der Wiel schien mehr mit dem Sitz seiner Frisur und seiner Kleidung beschäftigt zu sein, als mit seinen Teamkollegen. Er versteckte sich unter seinen Kopfhörern und isolierte sich vom Rest der Mannschaft. Robin van Persie und Ibrahim Afellay hinkten mit ihrer Erhabenheit den anderen hinterher und wurden von der Gruppe wegen ihrer Arroganz abgelehnt. Klaas-Jan Huntelaar und Rafael van der Vaart waren wegen ihrer Nichtberücksichtigung verbittert und haben die ohnehin schon schlechte Atmosphäre weiter verpestet.

Von Harmonie war also weit und breit nichts zu sehen – und all das war nur die Spitze des Eisbergs.

Eine komplette Nation versucht sich nun zu erklären, weshalb der WM-Finalist von 2010 und Turnierfavorit so miserabel abschneiden konnte, weshalb man mit drei klaren Niederlagen aus dem Turnier ausschied. Aber hinter den Kulissen gab es eine Meuterei auf der „Oranje-Bounty“.
TODESGRUPPE
Mannschaft
1. Germany
2. Portugal
3. Denmark
4. Netherlands
Spiele
3
3
3
3
Punkte
9
6
3
0
TV
+3
+1
-3
-1


n der Tat war die Zerrissenheit im Team der Niederlande nach der Pleite gegen Dänemark klar ersichtlich. Für viele war das Auftaktmatch eigentlich das einfachste gruppenspiel, aber die Holländer wurden gleich auf dem falschen Fuß erwischt. Nach der 0:1-Schlappe sprach Wesley Sneijder von „pathetischen Egos“ und natürlich war die Stimmung gleich im Keller. Im Mannschaftslager gab es mal wieder Streit, wie schon häufig zuvor – und es ist wieder passiert.

Die niederländischen Medien waren voll von Berichten, aber niemand wusste genau wie beschädigt und gespalten der Teamgeist inzwischen schon war. Dann kamen erst die richtigen Enthüllungen.

Er ehemalige Fußballer und heutige Chefredakteur des niederländischen Fußball-Magazins Voetbal International, Johan Derksen, berichtete von etlichen Vorfällen mit selbstsüchtigem und Unruhe stiftendem Benehmen einiger Schlüsselspieler und so wurden die Gründe für das katastrophale Abschneiden der Niederlande schnell klar.

Derksen deckte einen erheblichen Mangel an Teamgeist im Kern des niederländischen Kaders auf. Stars wie van der Wiel, Arjen Robben, van der Vaart, Huntelaar, Afellay und van Persie vergifteten die Gruppe. Als einziger Spieler mit großem Namen, versuchte nur Wesley Sneijder, gegen den Strom zu schwimmen, und eine fröhliche und gesunde Atmosphäre im Team zu schaffen.

Derksen verriet gegenüber Voetbal International TV, dass Ajax´ Rechtsverteidiger van der Wiel „eine Menge Dinge getan hat, außer Fußball zu spielen“.

„Er hat seine eigene Modelinie und hat darin viel Zeit investiert. Er hat an seiner Hip-Hop-Musik gearbeitet und sich jeden Tag die Haare machen lassen. Die anderen Spieler haben ihn nie ohne seine Kopfhörer gesehen. Er hat eigentlich nur während der Spiele und der Trainingseinheiten keine Musik gehört.

Unterdessen wird Robben nachgesagt, dass er sich selbst vom Rest des Teams isoliert habe, während Huntelaar und van der Vaart eine vergiftete Atmosphäre geschaffen und sich in den Schmollwinkel zurückgezogen haben. Den meisten Schaden soll jedoch die arrogante Art von Afellay and Van Persie im Kader der Niederlande angerichtet haben.

Afellay mag bei Barcelona nur ein Teilzeit-Spieler sein, forderte bei der Nationalmannschaft aber einen Sonderstatus ein, während van Persie sich als der Star in einer Mannschaft mit vielen feinen Fußballern und Egoisten gab.

Huntelaars Verärgerung ließ ihn sich immer wieder ins Exil zurückziehen. Der Schalker Angreifer war sauer, weil er Trainer van Marwijk nie richtig von sich überzeugen konnte.
„Er hat seine eigene Modelinie, arbeitet an seiner Musik und bekommt jeden Tag die Haare gemacht. Die anderen Spieler haben ihn nie ohne Kopfhörer zu Gesicht bekommen.“

- Johan Derksen über Gregory van der Wiel

Die negative Haltung der beiden Spieler war einer guten Atmosphäre hinderlich, vor allem weil sie hinter den Kulissen ständig rumgejammert haben. Der niederländische Journalist Henk Spaan schrieb in Het Parool unterdessen, dass Huntelaar nicht mehr zur Nationalmannschaft eingeladen werde, solange Bert van Marwijk das Traineramt inne habe.

So wurde ein zurückhaltender Sneijder in einem Team mit zerstrittenen Individualisten allein gelassen. Niederlandes bester Spieler auf dem Platz war die Ausnahme, auch, als er, nach Aussage Derksens, „vergeblich versucht hat den Kader zusammenzuhalten“. Ein unmögliches Unterfangen. Wie man so schön sagt: „ein fauler Apfel genügt, um die ganze Kiste zu verderben“. Für van Marwijk und Sneijder ist es unglücklich, dass dies nicht umgekehrt funktioniert.

Van Marwijk geriet ebenfalls in den Mittelpunkt der Kritik, aber am Ende lässt sich annehmen, dass der 60-Jährige ein altbekanntes nicht zu kontrollierendes Problem mit der Mannschaft hatte. Wie schon so oft in der Vergangenheit scheiterte die Niederlande an der fehlenden Professionalität ihrer Spieler. Und vermutlich werden in den nächsten Wochen noch weitere Geschichten an die Öffentlichkeit dringen. Es werden Berichte sein, die die holländischen Fans vermutlich weiter deprimieren werden.


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