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Bastian Schweinsteiger ist wieder da. Hatte man vor der EM noch Bedenken ob seines körperlichen Zustandes, scheint nun alles im Lot. Vor allem mental ist er auf der Höhe!

Danzig. Bastian Schweinsteiger ist der geheime Chef der DFB-Elf und einer der besten Fußballspieler der Welt. Doch der Mittelfeldspieler des FC Bayern München ist auch der Mensch Bastian Schweinsteiger. Ein Mensch, dem das „echte“ Leben, fernab des Fußballgeschäfts wichtig ist und der sportliche Drucksituationen in Relation zu wirklich ernsten Lebenssituationen sieht. Der 27-Jährige, der die Fußballwelt einst als Lausbub „Schweini“ erfrischte, ist gereift. Nun will er endlich den ersten internationalen Titel gewinnen - die Europameisterschaft.

Herausragende Vita ohne internationalen Erfolg

Seine Vita lässt die meisten Fußballspieler der Welt vor Neid und Anerkennung erblassen. Sechs deutsche Meisterschaften, fünf Pokalsiege und zwei Champions-League-Finals kann Schweinsteiger für sich verbuchen. Zweimal wurde er mit seinem Land WM-Dritter, einmal gar Vize-Europameister. Damals, 2008 in Österreich und der Schweiz.

Bodenständige Denkweise

Er ist ein Star. Einer der auf dem Boden geblieben ist. Und einer, der weiß, wie sich Niederlagen anfühlen. Sahen Medien in dem verlorenen Champions-League-Finale und dem anschließenden EM-Druck ein ernstzunehmendes psychologisches Problem, sieht Schweinsteiger die Sache aus einem ganz bodenständigen Winkel: „Was ist Druck? Uns allen geht es sehr gut. Druck haben Menschen, die um ihre Existenz kämpfen oder die in großer Not sind. Ich empfinde eher einen Reiz. Es reizt mich, mit der Mannschaft bei dieser EM das auszureizen, was sie maximal kann. Es ist im Grunde ganz simpel: Wenn wir das konstant schaffen, dann werden wir auch Titel gewinnen. Ich spüre aber keinen Druck, dies zu müssen. Mich reizt es eher, die Voraussetzungen dafür zu schaffen", sagte er im Interview gegenüber dfb.de.

Schweinsteiger sieht vor allem mentale Belastungen

Der Reiz der EM. Für Schweinsteiger ist es ein Druck, der neue Energie und neue Impulse freisetzt. Betrachtet man die Leistungen des alles andere als fitten Mittelfeldspielers in den vergangenen drei Partien, bleibt nur eine Erkenntnis: Die EM tut der geschundenen Fußballseele Schweinsteigers gut. Sie ist Medizin und Antrieb zugleich. Ein Spiel als Antidepressiva.

Im mentalen Bereich sieht der 27-Jährige ohnehin derzeit die größte Herausforderung. „Man nimmt tausend Dinge wahr, die Augen müssen weit sein, man muss sich auf sehr viele Dinge konzentrieren“, sagt Schweinsteiger. „Ich merke oft nach dem Spiel, dass ich nicht durch die körperliche Anstrengung müde bin, sondern im Kopf. Extrem war es nach dem Spiel in der Champions League in Madrid. Ich war noch nie nach einem Spiel so fertig wie nach dem Madrid-Spiel. Wie gesagt: vor allem im Kopf. Diese Müdigkeit habe ich auch nach dem Spiel gegen Dänemark gemeint.“

Das Maximum aus sich herausholen

Der „Chef“ ist zurück auf dem Rasen – auch wenn es die meisten Beobachter vielleicht nicht so sehen. „Ich weiß, dass viele das nicht nachvollziehen können, aber es ist so. Hinzu kommt, dass ich nicht nur für mich spiele, sondern ich will für 82 Millionen Deutsche erfolgreich sein. Auch die Herausforderung, für die Fans das Maximale aus sich herauszuholen, kostet geistige Energie“, gab der Mittelfeldspieler Einblicke in sein Seelenleben.

Deutschlands Mittelfeldhoffnung ist indes klar, dass die meisten Zuschauer nur die entscheidenden Szenen bewerten und vor allem auch nur bewerten können. „Es ist doch klar, dass nur wenige Menschen nachvollziehen können, wie es ist, sich auf ganz hohem Niveau zu bewegen. Nur wenige verstehen und wissen, welche Aufgaben die einzelnen Spieler auf dem Platz haben. Die Leute sehen das Tor und sie jubeln dem Schützen zu. Den Ballverlust davor oder den entscheidenden Laufweg, um einem anderen einen freien Raum zu verschaffen - all das wird selten wahrgenommen. Mir macht es aber Spaß, mich mit Menschen auszutauschen, die auf dem Platz Dinge sehen, die andere nicht sehen.“

Beispiel Spanien

Um diesen Aspekt zu verdeutlichen und zu erklären, spricht Schweinsteiger die Spanier und ihre „Leader“ auf dem Platz an. „Wenn man fragt, wer der wichtigste Spieler beim FC Barcelona ist, werden fast immer die Namen von Xavi und Iniesta genannt“, erläutert er. Entscheidend ist für den 27-Jährigen jedoch ein ganz anderer Eckpfeiler: „Wichtig sind sie, keine Frage. Aber für mich ist Carles Puyol die entscheidende Figur. Er führt die Mannschaft an. Mit seiner ganzen Art ist er für das Team entscheidend, auch wenn andere rein fußballerisch besser sind.“

Es entsteht etwas - kollektive Arbeit der Löw-Elf

Während „Schweini“ bei den Spaniern eher einen zentralen Faktor für die Erfolge ausmacht, sieht er die entscheidenden Rollen innerhalb der DFB-Elf kollektiv verteilt.“ Für mich ist es entscheidend, dass wir mit der Mannschaft und den Trainern eine Linie haben und mit dem Betreuerstab eine geschlossene Einheit bilden. Wir können uns alle ehrlich die Meinung sagen, und es kommt nichts raus. So muss es sein. Ganz wichtig ist dieses Mannschaftsgefühl, der Gemeinschaftssinn. Wenn man das Gefühl hat: Da entsteht was“, erklärt Schweinsteiger.

Der Bayer spürt nach eigenem Bekunden, das bei der DFB-Elf etwas entsteht. Etwas Großes. Größer als noch vor ein paar Jahren, als sich die Nationalmannschaft noch im Aufbau befand. Mit dem bisher Erreichten zeigt sich Schweinsteiger ebenfalls zufrieden: „Neun Punkte aus drei Spielen, das hätten wir im Vorfeld sofort unterschrieben. Wir haben es im Allgemeinen sehr gut gemacht.“ Der „Chef“ moniert aber auch die offensichtlichen Fehler der Löw-Truppe.

Der Mittelfeldchef legt die Finger in die Wunden

So legt „Schweini“ rigoros die Finger in die, wenn auch kleinen, Wunden: „Aber im Spiel gibt es immer Situationen, in denen es hätte anders laufen können. Van Persie hätte das 1:0 machen können, Jakob Poulsen hat den Außenpfosten getroffen. Ich will das nicht zu negativ darstellen, aber es ist auch nicht sinnvoll, so zu tun, als hätte es diese Szenen nicht gegeben. Wir haben uns falsch verhalten, wir hätten jeweils noch einen Tick enger zusammenstehen müssen. Wir müssen daraus lernen. Wenn wir das tun, werden wir solche Spiele künftig souveräner gestalten. Und wir müssten weniger Aufwand betreiben.“

Darüber das Spanien noch im Turnier ist, ist Schweinsteiger froh. Auch wenn es seiner Meinung nach leichter ist, wenn der wohl größte Brocken bereits aus dem Weg geräumt wäre, mag er auf die Spanier nicht unbedingt verzichten. „Ich will immer die beste Mannschaft schlagen. Erfolge sind ehrlicher, wenn man den harten Weg gehen musste. Aber ich würde den Titel nicht ablehnen, wenn wir auf dem Weg dorthin Spanien nicht schlagen mussten.“

Deutsche Tugenden gefragt

Solle es die DFB-Elf bis ins Finale schaffen und dort auf den amtierenden Welt- und Europameister treffen, kann der Erfolg laut Schweinsteiger nur über typisch deutsche Tugenden gehen: „ Laufbereitschaft, Kampf, unbedingter Einsatzwille, Leidenschaft. Das, was uns immer ausgezeichnet hat, worum uns die anderen immer beneiden. Für diese Attribute stehen wir noch immer, das merke ich häufig, wenn ich mich mit Spielern aus dem Ausland unterhalte. Und niemand sieht das negativ.“

Griechenland nicht unterschätzen

Schweißtreibend wird aus Sicht des 27-Jährigen auch das Viertelfinalspiel gegen die Griechen. „Es ist immer schwierig, gegen Gegner zu spielen, die defensiv stehen und die durch Konter zum Erfolg kommen wollen. Wir benötigen einen Plan, der uns aufzeigt, wie man einem solchen Gegner wehtun kann. Wir haben großen Respekt vor den Griechen. Sie haben sich in einer Gruppe durchgesetzt, wo alle gedacht haben, dass es sehr schwer für sie wird. Sie haben es geschafft, das ist stark. Wir wissen aber, dass es am Freitag nur an uns liegt, ob wir gewinnen oder nicht. Wenn wir unsere Stärken einbringen, werden wir die Griechen schlagen. Wir dürfen nur nicht den Fehler machen, die Griechen zu unterschätzen", erhebte er im dfb-Interview auch den mahnenden Zeigefinger.

Gegen „Hellas“ will Schweini über sich hinauswachsen. „Durch die Siege ist auch das Selbstvertrauen gewachsen. Ich spüre einen großen Drang in mir, ein perfektes Spiel zu liefern. Ich hoffe, dass wir dem gegen Griechenland nahe kommen“, frohlockte „Schweini“.

Griechenland ein sinnbildlicher Hügel?

Mental wird es wohl wieder ein schwieriges und kompliziertes Spiel für den Mittelfeldspieler werden. Der Glaube an sich, an der Mannschaft und an das perfekte Spiel kann Berge versetzen. Auch wenn Griechenland vielleicht nur ein etwas größerer Hügel ist, bedarf es einer mental wie körperlich starken Leistung des „Chefs“ und der gesamten deutschen Mannschaft.

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