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TV-Kritik zur EM-Halbzeit: Grausen in ARD und ZDF
Während viele Spieler dieser Tage auf dem Rasen Höchstleistungen bringen, stecken die deutschen TV-Journalisten offenbar in einer handfesten Formkrise.
Berlin. Wo ein Turnier ist, da sind mediale Fehlleistungen nicht weit. Das gilt für Berichterstatter aller Genres und das ist auch völlig normal. Menschen machen Fehler, Journalisten bilden da keine Ausnahme. Doch was sich ARD und ZDF bei der Berichterstattung in den letzten Tagen und Wochen geleistet haben, das ist schon ein starkes Stück. Lange Zeit hat der Autor dieser Zeilen versucht, die Faust in der Tasche zu ballen oder das ganze mit Humor zu nehmen. Doch die Fauxpas-Liste wird immer länger.Wie gesagt, Fehler passieren. Aber von einem hochbezahlten Journalisten, der vor einem Millionen-Publikum eine Begegnung einer EM-Endrunde kommentiert, darf man als neutraler Zuschauer verlangen, dass Spieler nicht verwechselt werden und Fakten richtig wiedergegeben werden. Da mutet das folgende Potpourri von merk- und fragwürdigen Reporterleistungen aus den letzten knapp 14 Tagen besorgniserregend an:
Thomas Wark ist nach 45 Minuten und einem 1:1 zwischen Frankreich und England sicher: „Mit einem 0:0 geht es in die Pause.“ Während desselben Spiels verwechselte der routinierte Reporter glatt noch die beiden Torhüter und wähnte sich überdies in einem anderen Stadion. Sein ZDF-Kollege Wolf-Dieter Poschmann stand ebenfalls mehrfach neben den Schuhen. Unter anderem glänzte er mit folgender Stilblüte zum Starstürmer der „Drei-Kronen“-Elf: „Zlatan Ibrahimovic, den sie in Schweden Zlatan nennen.“
Bela Rethy, der Mann, der das Endspiel kommentieren wird, brauchte einen Hinweis von seinem Sidekick, um beim Regenspiel zwischen Frankreich und der Ukraine den Dreh zur legendären Wasserschlacht von Frankfurt bei der WM 1974 zu kriegen. Dafür machte er Laurent Blanc zum Kapitän der französischen Weltmeister-Elf von 1998. Was wohl Didier Deschamps dazu sagen würde?
Begebenheiten wie das Müller-Hohenstein-Interview mit einem einjährigen Mädchen vor dem Klassiker Deutschland gegen die Niederlande oder Olli Kahns bahnbrechendes Twitter-Debüt sind gewiss Erlebnisse, auf die ein Großteil der Fans hätte verzichten können. Ein echtes Highlight: Katrin Müller-Hohenstein hatte zudem exklusiv beobachtet, wie sich Frank Lampard für die Partie der „Three Lions“ gegen Frankreich aufwärmte. Genau, jener Frank Lampard, der das Turnier wegen einer Muskelverletzung abgesagt hatte...
Und zur merkwürdigen Idee des ZDF-Fernsehstrands auf Usedom ist eigentlich alles gesagt.
Wirklich besser als bei den Kollegen aus Mainz ist es im „Ersten“ allerdings auch nicht. Dort hat Waldemar Hartmann vor dem abschließenden Gruppenspiel der DFB-Elf den Überblick verloren und rechnet schon mit einem weiteren Nichtangriffspakt a la Gijon 1982. Wäre ziemlich dumm von den Dänen gewesen, denn damit wären sie bei einem portugiesischen Sieg im Parallelspiel ausgeschieden gewesen. Nun ja.
Tom Bartels ist dagegen dröge wie eh und je: Stimmung vermittelt er eigentlich nur, wenn die Spanier spielen. So hat es den Anschein.
Aber es gibt auch Positives von der Fernseh-Front. Da wäre an erster Stelle das ARD-Duo Matthias Opdenhövel/Mehmet Scholl zu nennen (wenn die beiden nicht gerade über Wayne Rooneys neue Frisur fachsimpeln). Opdenhövel findet den richtigen Mix aus Ernsthaftigkeit und spitzfindigen Einwürfen, Scholl ist als Experte ohnehin eine Bank. Und sein größtes Verdienst war sicher nicht zuletzt, dass er Mario Gomez zu dessen Zwei-Tore-Gala gegen Oranje inspirierte. Einer, der ebenfalls hervorsticht, ist Kommentator Gerd Gottlob, der seinen positiven Eindruck von der Weltmeisterschaft in Südafrika zu dieser EM herübergerettet hat.
Noch eineinhalb Wochen EM liegen vor uns und so lange sind die Fans den Experten von ARD und ZDF noch ausgeliefert. Wer weiß, was uns da noch alles blüht. Sieht man es positiv, kann man konstatieren: Spannend wird es allemal, unterhaltsam vermutlich auch. So oder so.
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